Noch zu viert: Der Vorstand der VR Bank um Konrad Hallhuber, Josef Pölt, Vorsitzenden Thomas Vogl und Franz Wenisch (v.l.). Letzterer hört heuer auf.
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Noch zu viert: Der Vorstand der VR Bank um Konrad Hallhuber, Josef Pölt, Vorsitzenden Thomas Vogl und Franz Wenisch (v.l.). Letzterer hört heuer auf.

Wachstum trotz Krise

Bilanz 2020: VR Bank wird digitaler und baut weiter Personal ab

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Immer mehr Kunden nutzen die digitalen Angebote: Deshalb baut die VR Bank Personal und wenig frequentierte Geldautomaten ab. Aber trotz der Krise wächst das Finanzvolumen in mehreren Bereichen. Alle bestehenden Filialen sollen heuer erhalten bleiben.

Landkreis – Die VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg mit ihren 16 Filialen im Landkreis baut weiter Personal ab. 2020 sank die Mitarbeiterzahl in den Landkreisen Starnberg, Landsberg und Weilheim-Schongau von 433 auf 410. Wie viel weniger es heuer werden, konnte Vorstandsvorsitzender Thomas Vogl beim virtuellen Bilanz-Pressegespräch nicht sagen. Es gebe keine Zielzahl, aber es sei klar, dass gewisse Stellen von Mitarbeitern, die in Ruhestand gehen, nicht mehr nachbesetzt würden, sagte er. Ein Beispiel ist Vorstand Franz Wenisch – nach seinem Rückzug heuer wird die Chefabteilung nur noch dreiköpfig sein.

Die Gründe für den Personalabbau liegen vor allem in der Digitalisierung, sie macht so manche Arbeitsschritte von Menschen überflüssig. Außerdem registriert die VR Bank gerade in Corona-Zeiten, dass die digitalen Angebote immer beliebter werden. Beispiel: Dass die Leute gerne per Smartphone mit Aktien handeln, ist ein bundesweiter Trend, den auch die Genossenschaftsbank merkt. Vorstand Josef Pölt sprach von einer Steigerungsrate von mehr als 60 Prozent. 65 Prozent der rund 90 000 Kunden nutzen mittlerweile das Online-Banking.

Kundenservice führt 900 Gespräche täglich

Den Kundenservice, der auch telefonisch erreichbar ist, stockte die Bank von ursprünglich zwölf auf mittlerweile 21 Mitarbeiter auf. Laut Pölt führten sie voriges Jahr im Schnitt täglich 900 Gespräche. Trotz des digitalen Wandels gibt es noch immer Menschen, die zum Schalter gehen. Aber auch die können seit einiger Zeit in der Filiale an einer Videosäule mit dem VR-Team in Weßling kommunizieren. Die Säulen gibt es bereits in Starnberg, Berg, Herrsching und Weßling. In Gauting wird heuer eine aufgestellt.

Vorstand Pölt sprach außerdem von „starken Veränderungen beim Zahlungsverhalten“. Zu Beginn der Krise sei an den Geldautomaten bis zu 45 Prozent weniger abgehoben worden. „Die Kunden zahlen mehr mit Karte“, so Pölt. Auf Nachfrage erklärte er: „Ein Automat wie am Kloster Andechs, der zweimal am Tag genutzt wird, ist auf Dauer nicht zu halten.“ Dieses Schicksal ereilt wohl auch weitere Automaten. In den Filialen könne man aber weiterhin Bargeld abheben.

Apropos Filialen: Schließungen oder Umwandlungen in SB-Stellen wie die Kreissparkasse (wir berichteten) plant die VR Bank heuer nicht. Im vergangenen Jahr hatte man aber bereits die Öffnungszeiten reduziert.

„Das Geschäftsmodell von Regionalbanken ist stark belastet“

„Das Geschäftsmodell von Regionalbanken ist durch die anhaltende Niedrigzinsphase stark belastet“, stellte Vorstandschef Vogl klar. Trotzdem wächst die VR Bank, auch in der Krise. Das sogenannte Kundenvolumen stieg um rund 370 Millionen auf 6,4 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss liegt bei 6,3 Millionen Euro, das Geschäftsguthaben bei 16,2 Millionen Euro.

Vogl nannte die Region „ein Geschäftsfeld, von dem andere träumen“. Die Investitionsbereitschaft sei hoch, trotz Corona. „Bei Großbetrieben ist die Krise fast nicht spürbar.“ Auch die VR Bank plant neue Projekte, etwa eine regionale Crowdfunding-Plattform, die im Sommer vorgestellt werden soll.

Die Bank, mit 1,5 Millionen Euro jährlich einer der größten Gewerbesteuerzahler in der Region, wird auch an ihre Mitglieder heuer wieder Dividenden ausschütten. Das fiel 2020 flach, nachdem die Europäischen Zentralbank einen Dividendenstopp empfohlen hatten. 4,25 Prozent, den Satz wie 2019, sollen Mitglieder auf den Geschäftsanteil bekommen.

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