Aus dem Gerichtssaal

Waghalsige Verfolgungsjagd hat Folgen

Eine Verfolgungsjagd nach einem Überholmanöver leisteten sich Fahrer im Oktober 2016. Ein selbst gemachtes Video könnte einem der Beteiligten noch Probleme bereiten. 

Starnberg – Vorsätzliche und fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs, vorsätzliche Körperverletzung und Unfallflucht – was einem Unternehmensberater (51) aus Weilheim am Amtsgericht zur Last gelegt wurde, war im Strafbefehl mit 130 Tagessätzen zu je 40 Euro geahndet worden. Doch der bislang unbescholtene Mann legte Einspruch ein, weil er sich bis auf die von ihm eingeräumte Straßenverkehrsgefährdung keiner Schuld bewusst war.

Im Oktober 2016 hatte der Peugeot-Fahrer auf der B 2 bei Starnberg laut Anklage Fahrzeuge trotz Gegenverkehrs überholt. Nur durch scharfes Abbremsen eines entgegenkommenden Fahrers und zweier überholter Fahrzeuge war ein Zusammenstoß vermieden worden. Einer der Überholten war dem Raser mit seinem Kleintransporter nachgesetzt. 

Anzeigeerstatter erschien nicht zum Prozess

Hierbei filmte er die Verfolgungsjagd mit einer Handkamera, die eine Hand am Lenkrad. „Sportlich“, befand Amtsrichterin Christine Conrad den Umstand, dass der „Filmemacher“ nicht nur die haarsträubende Fahrweise des Peugeot, sondern auch die eigene dokumentierte: Bilder von einer wilden Fahrt über Sperrflächen und durchgezogene Mittellinien, die erst in einem Stau endete. Nach Angaben des Verfolgers, der offenbar ausgestiegen war, um dem anderen die Meinung zu geigen, hatte sich der 51-Jährige erneut entzogen, ihn bei der Flucht noch angefahren und am Kopf verletzt.

Das konnten zwei Zeugen allerdings nicht bestätigen – sie hatten nur mitbekommen, dass der Angeklagte „in einem rasanten, wilden Manöver links an der auf der Fahrbahn stehenden Person vorbei gefahren und davongedüst“ war. Nachdem der Anzeigeerstatter nicht zum Prozess erschienen war und der Beschuldigte vehement abstritt, den anderen mit seinem Wagen überhaupt touchiert zu haben, wurden die Anklagepunkte Körperverletzung und Unfallflucht eingestellt.

Beweismittel könnte sein eigenes Video sein

Die Straßenverkehrsgefährdung suchte der Weilheimer mit schwerwiegenden seelischen Belastungen am fraglichen Tag zu erklären: „Der Mann aus dem Kleintransporter hat herumgebrüllt, mich danach beschimpft, auf meine Motorhaube eingedroschen. Ich war mir sicher, der wollte mir ans Leder“, erklärte er sein Fluchtverhalten. Conrad verurteilte den 51-Jährigen zu 40 Tagessätzen à 70 Euro nebst zehn Monaten Führerscheinentzug.

Auch gegen den Transporterfahrer wurde ein Verfahren eingeleitet – Beweismittel könnte sein eigenes Video sein. 

Von Thomas Lochte

Rubriklistenbild: © dpa

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