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Was der Eisbär mit dem Tunnel zu tun hat

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Von: Peter Schiebel

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Der Architekt Robert Philipp hatte sich am Freitag als Eisbär verkleidet – dem Symboltier für den Klimawandel – und an der B 2 gegen den Tunnel protestiert.
Der Architekt Robert Philipp hatte sich am Freitag als Eisbär verkleidet – dem Symboltier für den Klimawandel – und an der B 2 gegen den Tunnel protestiert. © Rutt, ps

„Ich bin politisch völlig unabhängig“, sagt Robert Philipp. Was normalerweise keine Erwähnung wert wäre, ist vor dem Hintergrund der jahrzehntelangen Pro-und-Contra-Tunnel-Diskussion in Starnberg umso bemerkenswerter – zumal der 61 Jahre alte Architekt am Freitagvormittag als Eisbär verkleidet unübersehbar an der B 2 vorm Landratsamt gegen den Tunnelbau protestiert hat.

Starnberg - „Stoppt den Tunnel“, hatte der Mann auf ein Transparent und ein Schild geschrieben. Aber: Wer ist Robert Philipp und was treibt ihn an?

Philipp ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und ein eigenes Architekturbüro im Münchner Westend. Er hat sich als Energieberater spezialisiert und ist vor fünf Jahren von Fürstenfeldbruck nach Pöcking gezogen. Denkt er an den Tunnel, lautet seine erste Reaktion: „Das darf ja wohl nicht wahr sein“ – so viel Geld für die Förderung des Individualverkehrs. Philipp geht davon aus, dass die bislang vom Staatlichen Bauamt Weilheim offiziell kommunizierten 199,9 Millionen Euro bei Weitem nicht reichen werden und sich die Kosten eher in Richtung 500 Millionen Euro entwickeln. „Könnte damit nicht auch eine neue Mobilität für Starnberg und das Umland angestoßen werden?“, fragt er.

Dabei kommt es ihm auf eine Mobilitätswende an, um CO2 einzusparen und das Klima zu schützen. Denn das werde auch mit E-Autos nicht funktionieren. „Wo soll denn der ganze Strom herkommen?“, fragt Philipp und fordert: „Der Individualverkehr muss weg.“ Wie die Menschen dann zum Beispiel zur Arbeit nach München kommen sollen? Der Architekt kann sich unter anderem spezielle Busspuren vorstellen, auch auf der Autobahn. Darauf könnten Schnellbusse im Fünf-Minuten-Takt verkehren, vielleicht sogar ausgestattet mit Besprechungsraum und Entspannungslounge.

Er selbst habe mittlerweile sein Auto abgeschafft, fahre nur noch öffentlich oder mit dem E-Bike. Dass dies viele andere bislang nicht machen, beweist der Blick auf die B 2. „Der Verkehr wird nicht weniger, obwohl der Spritpreis über zwei Euro liegt“, sagt Philipp. „Wie könnte also in Starnberg und dem Oberland ein öffentlicher Nahverkehr aussehen, damit wir alle, auch die SUV-Fahrer, umsteigen würden? Wie könnte eine gemeinsame Mobilität von morgen aussehen?“ Darüber würde er sich eine lösungsorientierte Diskussion wünschen.

Warum er gerade jetzt gegen den Tunnel protestiert und die Umverteilung des Geldes fordert, hat keinen besonderen Grund. Er habe die Aktion schon seit Längerem machen wollen, sagt er 61-Jährige im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Nicht zuletzt Corona habe die Pläne aber immer wieder durchkreuzt. Die Zeit jedenfalls sei „mehr als reif“ dafür.  

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