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„Was ist heuer schon normal“

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Im November statt im Sommer: Eine von zwei Gruppen, die Starnbergs Stadtpfarrer Dr. Andreas Jall am Wochenende firmte.
Im November statt im Sommer: Eine von zwei Gruppen, die Starnbergs Stadtpfarrer Dr. Andreas Jall am Wochenende firmte. © Photographer: Andrea Jaksch

Am Samstag gab es auf dem Starnberger Kirchplatz einen Grund zum Feiern: 42 Firmlinge erhielten das Sakrament der Firmung.

Starnberg – Es ist in jüngster Zeit ein wirklich ungewöhnlicher Anblick geworden: Viele Menschen in festlicher Kleidung auf dem Kirchplatz in Starnberg. Am Samstag jedoch gab es nach langem Warten wieder einen Anlass zum Feiern: 42 Firmlinge erhielten in der Kirche St. Maria ihre Firmung. Familien, Firmpaten und die Alltagsmaske waren mit dabei.

„Fast hätte ich es nicht mehr geglaubt“, sagte Pfarrer Dr. Andreas Jall, „dass wir heuer doch die Firmung feiern können. Und deswegen freut es mich umso mehr.“ Er hielt nicht nur den Gottesdienst, sondern spendete auch selbst die Firmung – etwas, das normalerweise dem Bischof vorbehalten ist. „Aber was ist heuer schon normal“, sagte Pfarrer Jall. Und normal war diese Firmung wirklich nicht. Die 42 Firmlinge hätten bereits im Sommer gefirmt werden sollen, als alle Firmungen bis nach den Sommerferien vom Bistum abgesagt wurden. „Im Oktober hatten wir drei Erstkommunionen, da blieb für die Firmung nur der November“, erklärte Gemeindereferent Richard Ferg. „Es war wirklich an der Zeit für die Jugendlichen. Recht viel länger konnte man nicht mehr aufschieben.“ Im nächsten Sommer komme bereits der neue Firmlingsjahrgang.

Auf zwei Gruppen waren die Firmlinge aufgeteilt, die erste Gruppe erhielt um 9 Uhr, die zweite um 11 Uhr das Sakrament. Jede Familie saß mit dem Firmpaten gemeinsam in einer Kirchenbank, jede zweite Reihe blieb frei. Großeltern und andere Verwandte durften wegen der Zwei-Haushalte-Regelung nicht dabei sein. Um Lauf- und Abstandsregelungen einzuhalten, standen vier Ordner bereit. „Sicherheit ist uns sehr wichtig, und da haben wir heute vielleicht noch ein bisschen mehr darauf geachtet“, so Pfarrer Jall. Er selbst hielt eine festliche Rede und schaffte es so, Stimmung aufkommen zu lassen: „Ich gebe den Firmlingen Geist, Glaube und Gemeinschaft mit auf den Weg“, sagte er. Geist, denn nur mit Geld könne man nicht viel erreichen. Glaube, vor allem an sich selbst, auch in schweren Zeiten. Und Gemeinschaft, denn niemand könne alleine existieren. Anschließend spendete er jedem Firmling die Firmung.

„Ich hätte nie gedacht, einmal eine Firmung zu spenden. Aber es macht mich sehr stolz, mit dieser Aufgabe betraut worden zu sein“, sagte Pfarrer Jall. Als er erfahren hatte, dass der Bischof wegen der aktuellen Situation nicht kommen könne, bereitete er sich speziell auf diese Firmung vor. „Ich musste neu lernen“, so Jall. „Zum Beispiel, wann man welche Geste macht und wie die Hände gehalten werden.“ Das Sakrament spendete Starnbergs Pfarrer den Jugendlichen zwar zum ersten Mal, dennoch war es sein 17. Firmgottesdienst.

Livia Bendel (16) ist eine der diesjährigen Firmlinge. Sie ist froh, endlich gefirmt zu sein. „Es war etwas bedrückend mit den Masken und dem Abstand, aber trotzdem sehr schön“, sagte sie, „Ich bin schon stolz jetzt.“ Auch die 15-jährige Rosina Baur lobte die Umsetzung des Gottesdienstes: „Auch wenn weniger Leute dabei waren, war es sehr feierlich.“ Dass sie jetzt im Anschluss nicht in einer Gaststätte mit Familie und Freunden feiern könne, mache ihr nicht viel aus. „Wir kochen heute selbst Zuhause und haben für Nachmittag Kuchen bestellt“, sagte sie. „Vielleicht wäre es im Sommer ein bisschen schöner gewesen, aber heute ist das Wetter auch gut.“ Diese Dankbarkeit der Firmlinge teilte auch Pfarrer Jall: „Ich bin einfach nur dankbar, dass wir heute feiern durften. Und es war widererwartend gelöst und feierlich.“ Für die zehn Firmlinge, die die Firmung unter diesen Umständen nicht antreten wollten oder konnten, wird es in der nächsten Zeit noch einmal eine Firmung, vermutlich bei einem Vorabendgottesdienst, geben.

Vanessa Lange

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