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Die Alte Schmiede in Erling ist auch mit Fördermitteln der Europäischen Union renoviert worden. Auf unserem Foto ist Karl Steinbeißer vom Heimatverein Erling zu sehen, der einmal im Monat zum Schauschmieden einlädt.

Bilanz vor der Europawahl am Sonntag

Was macht Europa für mich? So viel EU-Geld fließt in den Landkreis Starnberg

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Wie profitiert der Landkreis Starnberg finanziell von Europa? Eher wenig im Vergleich mit anderen Regionen. Für EU-Mittel sorgt vor allem die Leader-Aktionsgruppe Ammersee, die innovative Ideen unterstützt. Und in die Landwirtschaft fließen jährlich etwa fünf Millionen Euro.

Landkreis – Was macht Europa eigentlich für mich? Antworten auf die Frage, die sich viele gerade vor der Europawahl am Sonntag stellen, findet man im Internet auf www.what-europe-does-for-me.eu. Die Seite des EU-Parlaments schlüsselt Beispiele aus mehr als 1400 Regionen und Städten auf. Sie verweist auch auf den König-Ludwig-Weg von Berg über die Königsschlösser nach Füssen – oder auf das Projekt „Pilze der Ammerseeregion“, das seit Anfang 2016 rund 3000 Arten auf einer eigenen Internetseite dokumentiert. Beide Initiativen hat die Europäische Union finanziell unterstützt, und sie sind bei weitem nicht die einzigen im Landkreis Starnberg.

Eines muss man aber vorab klarstellen: Im Vergleich mit anderen Regionen in Oberbayern fließt in den wirtschaftlich starken Landkreis eher wenig europäisches Geld. Landratsamtssprecher Stefan Diebl schreibt auf Nachfrage: „Dem Landratsamt sind derzeit keine Projekte bekannt, die aus EU-Mitteln finanziert werden.“ Christoph Winkelkötter, Chef der Wirtschaftsfördergesellschaft gwt, sagt: „Wir sind ja nicht die ärmste und deshalb nicht die klassische Förderregion.“ Die gwt beantrage keine nennenswerte Unterstützung und scheue den bürokratischen Aufwand dahinter. „Uns sind andere Dinge wie der freie europäische Markt wichtiger. Die Unternehmen sind darauf angewiesen. Vielen ist Österreich näher als Nürnberg.“

Leader-Gruppe baut die Brücke vom Ammersee nach Brüssel

Aktiv um EU-Mittel wirbt dagegen die Leader-Aktionsgruppe (LAG) Ammersee. Das EU-Förderprogramm Leader unterstützt seit 1991 innovative Aktionen im ländlichen Raum. Und mit der Aktionsgruppe gibt es einen lokalen Ansprechpartner. Das sei das Schöne am Leader-Programm, sagt LAG-Manager Detlef Däke: „Und wir haben unsere eigene Entwicklungsstrategie.“

Als Musterbeispiel nennt Däke den Schacky-Park in Dießen, für den in der aktuellen Förderperiode (2014 bis 2020) 100 000 Euro an Leader-Mitteln bewilligt wurden. Verwendet wurden sie unter anderem für die Erneuerung von Laternen und der Teichfontäne. Nach zwei Jahren der Renovierung wurde das ehemalige Kutschen-Einfahrtstor neben der Villa Diana am Freitag wieder aufgesperrt (wir berichteten).

Kürzlich fertig wurde auch der rekonstruierte, 160 Meter lange schmiedeeiserne Zaun entlang der Weilheimer Straße in Dießen – allein für die Einfriedung des Parks bekam der Schacky-Förderverein rund 24 000 aus dem Leader-Topf.

Die LAG baut die Brücke vom Ammersee nach Brüssel, sie hilft beim Beantragen der Förderung und begleitet die Projektträger. „Wir führen intensive Gespräche mit ihnen“, sagt Däke. „Manchmal bleiben Ideen auch hängen. Sie müssen eine gewisse Bedeutung für die Region haben.“ Beispiele: die Konzeption eines einheitlichen Wanderwegenetzes, die Ufertreppe am Kurparkschlösschen in Herrsching, die renovierte Schmiede in Erling und der heuer umgesetzte Skaterpark in Hechendorf, für den 50 000 Euro bereitgestellt wurden. Derzeit gebe es die Idee eines „Bike-Sharing-Systems“, sagt Däke. 1,5 Millionen Euro beträgt das Fördervolumen der LAG seit 2014 – allerdings erstreckt sich das Gebiet der Gruppe auch in die Landkreise Weilheim-Schongau, Landsberg am Lech und Fürstenfeldbruck.

Die berüchtigte EU-Bürokratie: Besserung in Sicht

Die berüchtigte EU-Bürokratie treffe auch die LAG, sagt Däke. „Der Genehmigungsprozess ist immer aufwendiger geworden.“ Er habe aber Hoffnung, dass sich das in der nächsten Förderperiode wieder ändert.

Kürzlich beantragten so gut wie alle Landwirte im Landkreis ihre jährlichen EU-Mittel. „Da macht nahezu jeder mit“, sagt Dr. Werner Philipp, Leiter der Förderabteilung im Landwirtschaftsamt (AELF) Weilheim. Etwa fünf Millionen Euro landen seiner Aussage nach über europäische „Direktzahlungsprogramme“ bei den Bauern im Fünfseenland. 187 Euro pro Hektar bekommt jeder von ihnen standardmäßig.

Außerdem fördert die EU zum Beispiel Junglandwirte und zahlt für Klima- und Umweltschutz sogenannte Greening-Prämien. Zum Vergleich: In den größeren Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau – dort stellen etwa viermal so viele Landwirte Anträge – fließen jährlich rund 20 Millionen Euro aus Europa.

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Kerstin Täubner-Benicke will Starnberger Bürgermeisterin werden. Die Kreissprecherin der Grünen hat viele Ideen - unter anderem autofreie Zonen. Parteikollegin Martina Neubauer kritisierte bei der Nominierung die aktuelle Stadtführung.

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