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Fachmänner am Werk: Wassermeister Dominik Renelt (l.) und technischer Leiter Thomas Tinnes bei einer Chlor-Probe am Hochbehälter in Unering. Das Chlorgehalt muss zwischen 0,05 und 0,2 Milligramm pro Liter liegen.

Wasserversorgung

Ein Mikrometer beschäftigt den Landkreis

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Landkreis – Seit mehr als zwei Wochen wird das Wasser in weiten Teilen des Landkreises gechlort. Einwohner müssen Wasser abkochen und ärgern sich. Viel mehr Arbeit aber haben AWA-Angestellte. 

Eine Enterokokke – etwa ein Mikrometer groß und nur unter einem Mikroskop zu erkennen – hält die Menschen im Landkreis Starnberg auf Trab. Das Bakterium wurde 6. Oktober im Brunnen 2 am Unterbrunner Holz gefunden. Das Gesundheitsamt ordnete sofort die Chlorung des Wassers an. Heißt für Mitarbeiter der zuständigen AWA: Bis zu 13 Arbeitsstunden pro Tag, Wochenend-Dienste, Urlaubssperre. Zwei Auszubildende wurden von der Schule zurück an den Arbeitsplatz geholt, Ines Bethge aus dem Urlaub. Die Umweltingenieurin sitzt am Info-Telefon. Über 300 Anrufe gab es bisher. „Die Menschen sind besorgt“, sagt Bethge, „wir versuchen es mit Fakten zu erklären.“ 

Wasser für 330 Kilometer langes Leitungsnetz muss gechlort werden

Viele Einwohner verstehen nicht, warum das Wasser trotz der Chlorung abgekocht werden muss. „Damit ist das Gesundheitsamt auf der sicheren Seite“, sagt sie. Schließlich gebe es ganz empfindliche Personengruppen. Der technische Leiter Thomas Tinnes weiß noch genau, was er nach dem Enterokokken-Fund als Erstes dachte: „Wie sollen wir das nur bewältigen?“ Der 52-Jährige wusste, was da auf ihn und 33 weitere Mitarbeiter zukommt. Ständig muss das Wasser auf das Chlorgehalt untersucht werden – natürlich auch an Wochenenden. 

Nebenher läuft für die Mitarbeiter der gewöhnliche Arbeitsablauf, Einwohner warten auch in diesen Tagen auf ihre Wasseranschlüsse. Gar nicht so leicht, nebenher die Chlorung im 330 Kilometer langen Leitungsnetz zu stemmen. Nur eine der Schwierigkeiten: Kleine Orte nehmen nicht genügend Wasser ab, damit das Chlordioxid in den Leitungen der Haushalte ankommt. Daher muss Wasser nachgespült werden – zwei Millionen Liter am Tag. An 30 Chlormessstellen im Landkreis nehmen Mitarbeiter Proben, fahren dafür um die 300 Kilometer am Tag. 

Technischer Leiter: "Dass da nicht mehr passiert, ist ein Wunder"

Unter ihnen auch Wassermeister Dominik Renelt. Der 22-jährige Herrschinger liebt seinen Beruf und sieht es positiv: „In Extremsituationen sammelt man die meisten Erfahrungen.“ Er betont den Zusammenhalt im neunköpfigen Wasserteam der AWA: „Wir teilen uns das auf.“ Jeder leiste seinen Beitrag, um die Phase zu meistern. Vorstand Hermann Doblinger sagt: „Unsere Mannschaft macht das mit Bravour, ich bin stolz.“ Aber es bräuchte für diesen Fall die doppelte Teamgröße, Tinnes mit seiner Wasserabteilung spricht gar von der dreifachen. Lange, gibt Tinnes zu Bedenken, könne sein Team dieses Arbeitspensum nicht aufrecht halten. 

Das Gesundheitsamt entscheidet über Proben und Dauer der Chlorung – aktuell bis zum 11. November. Den Enterokokken-Fund als Fehler der AWA zu sehen, könnte ein Denkfehler sein, wie Tinnes zu Bedenken gibt: „Wir stellen ein Lebensmittel her und verteilen es auf mehrere hundert Kilometer. Dass da nicht mehr passiert, ist ein Wunder.“ So viele Dinge könnten für eine Verunreinigung sorgen. Bei einer Probenentnahme wird nicht gesprochen, damit kein Speichel im Wasser landet. 

Lagert Enterokokke in Hohlraum, wird es vielleicht ein Endlosfall

„Wir geben penibel Acht. Es ist eine richtige Watschn für uns, wenn es heißt, wir schludern.“ Abends, wenn es mit der Arbeit spät wird, geht Tinnes im Restaurant essen. Dann wird er angesprochen, muss sich Kritik stellen. Dabei sagt er: „Ich bin kein Freund der Chlorung.“ Die Anordnung könne er nachvollziehen. „Die Grenzwerte haben sich Experten ausgedacht. Aber in der Praxis sind sie schwachsinnig.“ Es bräuchte wesentlich mehr als nur eine Enterokokke, damit sich Menschen infizierten. Trinkt man aus einem Gebirgsbach, gebe es etwa 200 Enterokokken. Und eine Vermehrung im kalten Trinkwasser „ist absolut unmöglich“. 

Was Tinnes ärgert: „Die Chlorung ist für uns ein Riesenaufwand, der uns davon abhält, auf Ursachenforschung zu gehen.“ Tinnes befürchtet, dass sich irgendwo, etwa in einem Hohlraum der zahllosen Verbindungsrohre, eine Enterokokke eingenistet hat – im Trockenen würde es ewig überleben. „Das kann ein Eintrag von vor 20 Jahren sein.“ Die Chlorung würde dann den Hohlraum nicht erreichen. Und der Fall zur Endlosgeschichte werden.

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