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Viele Geschäfte in der Hauptstraße stehen leer.

Einzelhandel in Starnberg

„Eine Verlagerung, kein Ladensterben“

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Starnberg - Die Debatte um die vielen leerstehenden Geschäfte in der Starnberger Innenstadt hält an. Jetzt meldet sich die Erste Bürgermeisterin Eva John zu Wort.

Starnberg – Läuft man durch die Hauptstraße, dann fallen einem zwei Dinge auf: Der Verkehr und neuerdings eine ganze Menge leer stehender Ladengeschäfte. Stirbt der Einzelhandel in der Starnberger Innenstadt?

„Nein“, sagt die Erste Bürgermeisterin Eva John. Die meisten Geschäfte hätten nicht geschlossen, sondern seien lediglich umgezogen. „In Wolfratshausen, da ist die Tendenz klar, da geht es mit dem Innenstadthandel dahin“, so John. In Starnberg indes gebe es hingegen nur „eine Verlagerung, kein Ladensterben“.

Die Gründe dafür, dass in der Hauptstraße immer mehr Läden dicht machen, würden auf der Hand liegen: „Wir brauchen dringend eine Alternative zum Durchgangsverkehr auf der B 2.“ Umdenken sei gefragt: „Starnberg hat in den vergangenen Jahrzehnten im Zweifel immer zu Gunsten der Autofahrer entschieden. Das muss sich ändern.“ Und wie? „Der Verkehrsraum muss gerechter aufgeteilt werden. Fußgänger und Radfahrer brauchen auch ihren Platz“, sagt John.

Es könne nicht angehen, dass ein Schaufensterbummel an der Hauptstraße zu einer gefährlichen Aktion wird, weil sich Fußgänger und Radfahrer den Gehsteig teilen müssen. „Wir zwingen die Radfahrer auf den Gehweg, weil es lebensgefährlich ist, mit dem Rad auf der B2 unterwegs zu sein“, meint die Bürgermeisterin. Schon ewig sei deswegen beim Landkreis die Ausweisung eines Radweges an der Durchgangsstraße beantragt – bislang ergebnislos.

Noch weiter will ihr zu Folge die Stadt in der Wittelsbacher- und der Ludwigstraße gehen. „Hier müssen bei der Umgestaltung die Aufenthaltsqualität im Fokus stehen“, so John. Breitere Gehwege, Radfahrstreifen, Parkflächen, Bäume – das Autofahren wird hier nach dem Umbau mühsamer, der Bummel indes deutlich angenehmer, verspricht sie. Generell sei die Aufenthaltsqualität der Dreh- und Angelpunkt für die Unterstützung des Innenstadthandels.

Für ein Kaufhaus, eine K+L Ruppert- oder C&A-Filiale würde im Stadtzentrum der Platz fehlen. „Zudem kommt wohl keiner aus München nach Starnberg gefahren, um hier zu C&A zu gehen“, sagt Eva John. Auf Facebook hatten die Fans des „Starnberger Merkur“ immer wieder gefordert, dass es mehr bezahlbare Bekleidungs- und Schuhgeschäfte in Starnberg geben soll. Für John ist das nicht der Weisheit letzter Schluss: „Was hier immer und überall geht, ist Gastronomie.“

Auch die Parksituation in der Innenstadt sei weit besser, als sie immer dargestellt werde: „Wegen fünf Minuten wird keiner in Starnberg ein Knöllchen bekommen“, verspricht die Bürgermeisterin. Das Problem sei, dass die zahlreichen Tiefgaragen-Stellplätze in der Innenstadt nicht sonderlich gut angenommen würden: „Der Starnberger fährt nur ins Parkhaus, wenn er ebenerdig keinen Stellplatz findet.“

Nicht nur deswegen lehnt sie auch den Vorschlag von Johannes Bötsch, Referent für Handel und Gewerbe im Stadtrat, am Bahnhof ein neues Parkhaus zu errichten, rundweg ab: „Niemals würde ich so eine Stelle mit Seeblick mit einem Parkhaus zubauen.“ Auch weil es keine wirkliche Entlastung bringen würde: „Da würden vielleicht 100 Parkplätze entstehen. Im Sommer brauchen wir aber 5000. Mindestens.“

Auch zu der immer wieder geäußerten Klage, die Ladenmieten in Starnberg seien für ein breites Einzelhandelsangebot zu hoch, hat Eva John ihre ganz eigene Meinung: „Starnberg ist halt in jedem Bereich keine billige Region.“ Mit einer Miete von mindestens 500 Euro für 30 Quadratmeter Ladenfläche müsse rechnen, wer in Starnberg ein Geschäft aufmachen wolle. „Das muss man als junger Unternehmer erst einmal erwirtschaften“, so John.

Da sei es ein Glücksfall, dass es noch sehr viele inhabergeführte Unternehmen gebe, bei denen die Ladenbetreiber im Besitz des Hauses sind, in dem sie ihr Geschäft unterhalten. Einflussnahme der Stadt sei in diesem Bereich aber sehr schwierig.

Wenig begeistert äußerte sich John in Bezug auf den Vorschlag, im Bahnhof See einen Markt mit regionalen Produkten zu etablieren. „Ich schaue lieber, was die Wirtschaft möchte, als dass ich ihr Vorschriften mache“, so ihr Kommentar dazu. Sie halte das momentane Konzept – ein Mix aus Gastronomie und Kultur – für wesentlich zukunftsträchtiger.

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