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Weniger Lebensmittel für mehr Menschen: Krisenerprobte Tafeln im Dilemma

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Von: Tobias Gmach

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Wurden schnell alles los: Karen Bauer, Ria Rossek, Manuela Drexler, Gulnisa Ahmadi und Inge Wimmer (v.l.) von der Herrschinger Tafel.
Wurden schnell alles los: Karen Bauer, Ria Rossek, Manuela Drexler, Gulnisa Ahmadi und Inge Wimmer (v.l.) von der Herrschinger Tafel. © Andrea Jaksch

Weniger Lebensmittel für deutlich mehr Menschen: Die Tafeln im Landkreis stecken nach der Ankunft der ukrainischen Flüchtlinge in einem Dilemma. Dazu kommt, dass es die einheimischen Bedürftigen wegen Preissteigerungen noch schwerer haben.

Landkreis – Rund 20 Familien aus der Ukraine – Mütter mit Kindern, ältere Paare – kamen an den vergangenen beiden Donnerstagen zur Ausgabe der Starnberger Tafel. Die Ehrenamtlichen versorgen also gerade 50 bis 70 Menschen zusätzlich. „Und das in Zeiten, in denen wir seit einigen Monaten weniger Lebensmittel bekommen“, sagt die Tafel-Vorsitzende Erika Ardelt im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Was sich bayernweit zeigt, spiegelt sich auch im Landkreis wieder: Die Tafeln hoffen auf zusätzliche Spenden, auch finanzieller Art, um allen Bedürftigen halbwegs gerecht werden zu können.

In der Not setzt Ardelt auf etwas für sie Ungewöhnliches: Sie bittet um Geldspenden, um selbst zusätzlich einkaufen zu gehen. Diese Ausnahmen gebe es bundesweit. Eigentlich ist ein Gedanke der Tafel ja: Lebensmittel weitergeben, die sonst weggeworfen werden. „Besondere Zeiten erfordern eben besondere Regeln“, sagt Ardelt. Und sie betont, dass ihr Team zuletzt Märkte in Starnberg – Rewe, Aldi, Lidl, Edeka – abgeklappert und das Gespräch gesucht hat. „Uns wurde gesagt, dass es demnächst wieder mehr Waren geben soll.“ Die Händler haben, etwa bei Konserven, Mehl oder Gemüse, teilweise selbst mit Lieferengpässen zu kämpfen. Grundsätzlich gibt sich die Tafel-Vorsitzende aber optimistisch: „Es ist eine Herausforderung, aber wir kriegen das hin.“

So klingt auch Monika Fliedner von der Gautinger Einrichtung: „Tafeln sind krisenerprobt“, sagt sie. Auch sie hat nach dem Kriegsausbruch einige Neukunden, wie viele, will sie nicht sagen. „Das ist ein ganz sensibles Thema.“ Den Bestandskunden gehe es wegen der hohen Inflation, der Preissteigerungen, auch nicht besonders gut gerade. „Sie haben höhere Kosten für Strom und Heizung“, betont Fliedner. Man müsse darauf achten, nicht zwei Gruppen gegeneinander auszuspielen, sondern die Gesellschaft zusammenhalten. „Wir müssen den Frieden wahren“, sagt auch ihre Starnberger Kollegin Erika Ardelt.

Versorgung nicht mehr wie bisher, aber „von Woche zu Woche anders“

Dass die Bedürftigen derzeit noch mehr knapsen müssen, hat auch Karen Bauer in Herrsching mitbekommen. Und die Tafel-Leiterin hat bei der Ausgabe eine Frau fragen hören: „Was? So wenig?“ Der Kontakt zu den langjährigen Tafelkunden sei aber sehr gut, deshalb mache sie sich nicht allzu viele Sorgen. Die Zahlen sprechen allerdings für sich: 19 Ukrainer inklusive Kinder hat Bauer in der vergangenen Woche gezählt. „Wir können die Leute natürlich gerade nicht mehr so versorgen, wie wir es bisher konnten“, sagt sie, betont aber auch: „Es ist von Woche zu Woche anders.“

Wenn die Kundenzahl weiter steigt und die Spendenhöhe stagniert, müsse man überlegen, die Bedürftigen aufzuteilen – dass sie zum Beispiel im 14-tägigen Wechsel kommen dürfen. Bisher ist das aber nur ein Gedankenspiel von Karen Bauer. „So weit sind wir noch nicht.“ Immerhin: Um die Sprachbarriere zu umgehen, haben die Tafeln im Landkreis kreative Lösungen gefunden. Im Starnberger Fall ist es eine Übersetzungsapp. „Wir sprechen deutsch rein, und es wird auf Ukrainisch abgespielt. Das klappt ganz gut“, berichtet Ardelt. Außerdem hat eine Muttersprachlerin ihre Hilfe angeboten. Sie will zum Dolmetschen kommen damit es bei der Ausgabe etwas schneller vorangeht.

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