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Um dieses Grundstück geht es: Hier wollen die Eigentümer zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 14 Wohnungen errichten.

Stadtrat Starnberg

Wie viel Bebauung verträgt diese Fläche?

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Starnberg - Der Stadtrat hat sich am Montagabend erneut mit der Zukunft der Von-der-Tann-Straße beschäftigt. Mit Pultdächern auf einem Neubauprojekt kann sich das Gremium mittlerweile arrangieren.

Gut 2000 Quadratmeter groß, zentrumsnah an der Von-der-Tann-Straße gelegen, mit einem älteren Einfamilienhaus bebaut – das Grundstück hat Potenzial. Finanziell sowieso, aber natürlich auch von der möglichen Bebauung her. Und genau das ist die Frage: Wie viele Wohnungen sind dort möglich? Wie könnten die Häuser aussehen? Und welche Auswirkungen hat das auf die Nachbarschaft und auf Starnberg?

Im Rathaus liegt ein Entwurf vor, der auf dem Grundstück den Abriss des bestehenden Gebäudes und dafür zwei parallel gelegene Mehrfamilienhäuser mit je 24 Meter Seitenlänge und neun Meter Wandhöhe vorsieht. In jeweils drei Vollgeschossen und einem zurückgesetzten Staffelgeschoss samt Pultdach sollen so insgesamt 14 Wohnungen entstehen. Neben einer Tiefgarage für Eigentümer und Mieter sind direkt an der Von-der-Tann-Straße acht Stellplätze geplant.

Nun verstößt dieser Entwurf in einem maßgeblichen Punkt gegen die Bayerische Bauordnung und in zwei Bereichen gegen das, was die Stadträte erst im September für die Von-der-Tann-Straße beschlossen hatten: Sie hatten Pult- und Flachdächer dort ausdrücklich ausgeschlossen und bei künftigen Bauprojekten eine fünf Meter breite Vorgartenzone gefordert. Zudem ist die neun Meter breite Abstandsfläche zwischen den beiden Häusern aufgrund der Dimension der Gebäude nur halb so groß wie erforderlich.

CSU will das traditionelle Satteldach

Pultdach oder Satteldach? Mit einer Stimme Mehrheit revidierte der Stadtrat seine September-Entscheidung und kann sich nun mit dem zurückgesetzten Staffelgeschoss samt Flachdach anfreunden. „Ein Satteldach wirkt wahrscheinlich viel schwerer“, sagte Annette von Czettritz (Grüne). Josef Pfister (BMS) sprach von einem filigranen Entwurf, auf den kein Satteldach passe. Patrick Janik (UWG) erklärte: „Wir sollten Eigentümern entgegenkommen, wo es nur geht.“

Erbitterter Widerstand kam dagegen von CSU und WPS. „Starnberg darf nicht von Pult- und Flachdächern geprägt werden“, mahnte CSU-Fraktionschef Ludwig Jägerhuber. „Ich lehne diese Bauart für Starnberg ab, weil sie nicht in unser Stadtbild passt“, betonte Dr. Klaus Huber (WPS), der in der Von-der-Tann-Straße sogar einen Präzedenzfall sieht. Und Gerd Weger (CSU) warnte davor, sich immer weiter unter Zugzwang zu bringen: „Wir hangeln uns von Bauwerber zu Bauwerber. Es wird immer schwieriger, in dieser Stadt eine vernünftige Bebauung festzulegen.“

Stellplätze und Vorgarten

Stellplätze oder Vorgarten? Da gibt’s für die Stadträte nichts zu diskutieren. Es soll grün bleiben in der Von-der-Tann-Straße. Maximal die Hälfte der Vorgartenzone dürfen durch Stellplätze, Zuwegungen und Tiefgaragenzufahrten in Anspruch genommen werden.

18 oder 9 Meter Abstand zwischen beiden Gebäuden? Für Stadtbaumeister Stephan Weinl war es von Anfang an klar: Sollen die Häuser so eng beieinander liegen, muss eines um mindestens ein Drittel kürzer werden. Dadurch dürften vermutlich zwei Wohnungen verloren gehen. Zwar erklärte Weinl selbst den „legalen Trick“, beide Häuser durch einen Zwischenbau miteinander zu verbinden und daraus – planungsrechtlich – ein Gebäude zu machen. Aber weder er noch die Stadträte wollen sich darauf einlassen. Und Sonderregelungen wollen sie nicht genehmigen.

Am Ende der Diskussion hatte Weinl ein dickes Lob für die Stadträte parat. „Danke für die Leidenschaft“, sagte er über die Debatte. „Die Von-der-Tann-Straße ist es wert.“

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