Startschuss ist gefallen, warten müssen Besucher dennoch: Der Vorfreude von Projektentwickler Michael Ehret (3.v.r.), Bürgermeister Patrick Janik (2.v.r.) und Künstler Andreas Sarow (r.) tat dies am Freitag keinen Abbruch.
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Startschuss ist gefallen, warten müssen Besucher dennoch: Der Vorfreude von Projektentwickler Michael Ehret (3.v.r.), Bürgermeister Patrick Janik (2.v.r.) und Künstler Andreas Sarow (r.) tat dies am Freitag keinen Abbruch.

Wiege von Starnberg

Schriller Hingucker ist fertig, aber ...

  • vonAstrid Amelungse-Kurth
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Das Kunstobjekt „Wiege von Starnberg“ ist am Freitag offiziell eingeweiht worden. Allerdings fehlt noch eine Genehmigung, damit die Bürger es auch besteigen dürfen.

Starnberg – Das schrille, magenta-farbene Kunstwerk an der Bahnhofstraße soll ein „Startsignal für die Stadtentwicklung“ sein. So sagte es Michael Ehret bei der offiziellen Einweihung der Installation „Wiege von Starnberg“. Wie berichtet, wurde das im Auftrag der kunstsinnigen Starnberger Projektentwickler Ehret und Klein gefertigte Kunstwerk in den zurückliegenden Wochen vom Pforzheimer Künstler Andreas Sarow und sechs Helfern aufgebaut. Am Freitag gab Bürgermeister Patrick Janik Sarows erste begehbare Installation für die Öffentlichkeit frei. Das heißt, so ganz noch nicht.

Das Landratsamt hat nämlich noch nicht seine Genehmigung erteilt, dass jeder, der mag, die rund 50 Treppen hochsteigen darf, um über die Bahngleise hinweg auf den See zu schauen. Oder auf die S-Kurve der verkehrsträchtigen Bahnhofstraße. Oder auf das historische Lochmann-Haus. Die Genehmigung komme „spätestens in 14 Tagen“, versprach Janik. Dann sollen auch die Bauzäune abgebaut werden.

Ehret und Klein überplant das derzeit mit Kies aufgeschüttete Areal neu, auf dem zuletzt der „Pizza-Drive“ war. Dort soll ein mischgenutztes Quartier mit vielfältiger Nutzung und hoher Aufenthaltsqualität entstehen. Nach Angaben Ehrets böten sich Angebote für Bildung, Kultur und Wissensvermittlung an. Gastronomie und Mobilitätsangebote in den unteren Geschossen könnten das Projekt abrunden. In den Obergeschossen ist an ein modernes Wohnkonzept gedacht.

Die 12 bis 15 Monate dauernde Zwischennutzung als Kunstort versteht Ehret als „Beseelung des Platzes“, das Gelände selbst als künftiges „Museumsquartier“. Die schrille Hingucker-Installation soll vor allem dem von der Straße aus nicht sichtbaren Museum dienen. Das Schöne ist: Wer oben steht, sieht, wie nah der See in Wirklichkeit ist, der von der Straße aus wegen der Bahnlinie gar nicht wahrzunehmen ist. Zudem soll der pinke Farbfleck „Fröhlichkeit und Öffentlichkeit“ herstellen. „Sie glauben gar nicht, wie viele Anfragen wir jetzt schon wegen der Läden im benachbarten Gebäude hatten“, freute sich Ehret, der in Kürze in der eher unscheinbaren Ladenzeile ebenfalls zur Zwischennutzung Kunst einziehen lassen will. Zuletzt war dort das Fahrradgeschäft Bike It untergebracht. Wer dort ausstellen wird, wollte Ehret noch nicht verraten.

Der Künstler Andreas Sarow, geboren 1974 in Pforzheim, studierte von 1995 bis 2000 unter Professor Hans Klumpp Architektur in Stuttgart. Seit 2015 sorgt er mit urbanen Kunstprojekten bundesweit für Aufmerksamkeit und verleiht Abrisshäusern einen letzten spektakulären Auftritt. In Starnberg sorgte „Die letzte Bastion“, das rote Kanonenhaus an der Hauptstraße, im Jahr 2019 für Diskussionen. Der Künstler findet, dass Starnberg trotz bester historischer und geografischer Voraussetzungen unter mangelnder Identität und Qualität leidet. So nennt er den trostlosen Platz zwischen Bahnhofstraße und Museum zwar den „Ursprung der Stadt“, aber auch einen „Un-Ort ohne Wertschätzung“ – und das „trotz Spitzenplatz in Seenähe“. Seine Installation sei „eine wunderbare Möglichkeit, die Starnberger dazu zu bringen, über ihre Stadtgestaltung nachzudenken“, sagte Sarow. „Es wird diskutiert. Mission erfüllt.“

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