Fußballplatz des SV Wangen.
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Wie Kraut und Rüben sieht der Fußballplatz des SV Wangen derzeit aus. Eine Rotte von Wildschweinen hat den Rasen im Starnberger Ortsteil großflächig umgepflügt.

Platz unbespielbar

Wildschwein-Alarm beim SV Wangen

  • Simon Nutzinger
    vonSimon Nutzinger
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Obelix hätte seine Freude gehabt. Für den SV Wangen war der Besuch einer Rotte von Wildschweinen jedoch weniger spaßig. Der Verein muss seinen Fußballplatz komplett sanieren – und hofft auf Unterstützung der Politik.

Wangen – Winfried Wobbe traute seinen Augen nicht. Dort, wo sonst die Herrenmannschaft des SV Wangen in der B-Klasse um Punkte kämpft, war plötzlich nichts mehr wie zuvor. Herausgerissene Rasenstücke über mehrere Quadratmeter, bis zu 30 Zentimeter tiefe Wasserlachen und Erdhaufen soweit das Auge reicht. Der Fußballplatz in Wangen: transformiert in ein Schlachtfeld. „Der komplette Wahnsinn“, sagt Vereinsvorsitzender Wobbe. „Ich hätte nicht gedacht, dass Wildschweine in nur einer Nacht so umarbeiten können.“

Offensichtlich eine Fehleinschätzung. Irgendwann zwischen vergangenem Freitag und Samstag müssen die Tiere den Weg aus dem angrenzenden Wald auf den Rasen des SVW gefunden haben. „Davor war noch alles bestens“, betont Wobbe. Dass dies durchaus einmal vorkommen kann, ist prinzipiell nichts Neues im Starnberger Ortsteil. Ein- bis zweimal pro Jahr hatten Wildschweine in der jüngeren Vergangenheit schon ihr Unwesen auf dem Vereinsgelände getrieben, das letzte Mal erst vor rund zwei Wochen. Allerdings hielt sich der Schaden dabei stets in Grenzen, waren lediglich kleine Flächen des Rasens ramponiert. „Das haben wir mit gründlichem Eintreten und Bewässern jedes Mal wieder ganz ordentlich hinbekommen“, sagt Wobbe. Diesmal sei jedoch eine gänzlich neue Dimension erreicht. „Das schaffen wir alleine nicht mehr.“

Elektrischer Zaun soll Wildschweine künftig abwehren

Die Wangener sehen sich gezwungen, eine Spezialfirma damit zu beauftragen, den Rasenplatz wieder in Ordnung zu bringen. Zudem zieht Wobbe in Erwägung, einen elektrischen Zaun um das Vereinsgelände zu errichten, um die Wildschweine künftig schon vor Betreten des Fußballfeldes abzuwehren. „Andernfalls stehen wir vielleicht bald schon wieder vor demselben Chaos“, unterstreicht Wobbe. Das Problem bei der Aktion: das liebe Geld. Wie hoch die Kosten genau sein werden, kann der Vorsitzende zwar noch nicht abschätzen. Eines steht für ihn jedoch fest: „Da werden ein paar tausend Euro fällig.“

Kein leichtes Unterfangen für einen so kleinen Verein. Entsprechend baut Wobbe auf Unterstützung durch die Politik. Bürgermeister Patrick Janik, der gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, habe bereits seine „grundsätzliche Bereitschaft“ signalisiert, die Reparaturarbeiten zu bezuschussen. „Da kommen wir schon zusammen“, versichert Wobbe, der selbst Mitglied des Stadtrates ist und wie Patrick Janik der UWG angehört.

Umzug zur FT Starnberg als Zwischenlösung denkbar

Was auch immer passiert: Es sollte schnell passieren. Befinden sich die Fußballer des SVW doch mitten in der Saison. Training sei zwar laut Trainer Michael Reiz auch auf den verbliebenen, von den Wildschweinen verschonten Stellen des Rasens möglich. An Pflichtspiele ist jedoch im derzeitigen Zustand nicht zu denken. Als Zwischenlösung könnte ein kurzfristiger Umzug auf das Gelände der FT Starnberg an der Ottostraße dienen. Reiz sagt: „Wir werden auf alle Fälle nachfragen, ob das machbar ist.“

Warum die Wildschweine bei ihrem jüngsten Ausflug an den Wangener Sportplatz so besonders wild unterwegs waren, dafür hat Hartwig Görtler eine Erklärung. Der Kreisjägermeister verweist auf das Regenwetter nach zuvor recht lang anhaltender Trockenheit. Dieses habe die Würmer aus den Tiefen des Bodens in Richtung Oberfläche getrieben – und somit die Säue mit ihren extrem feinen Näschen angelockt. „Wenn irgendwo Würmer sind, dann riechen die das“, betont Görtler. Große, ebene Rasenflächen, wie eben ein Fußballplatz, seien von ihrer Beschaffenheit für Wildschweine perfekt, um mit ihren Rüsseln nach den Würmern zu graben. „Für die war das am Wochenende ein wahres Eldorado.“

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