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Berger Windräder vor der Alpenkette: Nach Berg will noch einige andere Gemeinde im Landkreis Starnberg Standorte zumindest genauer untersuchen lassen - Gilching.

Windkraft im Landkreis Starnberg

Eine Gemeinde wagt einen neuen Anlauf

Der Ausbau der Windkraft lahmt bundesweit, und der Landkreis ist da keine Ausnahme. Allein Gilching wird wieder aktiv und will Standorte prüfen lassen.

Landkreis – Vier Stück stehen seit 2016 in Berg, nun zieht Gilching in Sachen Windrädern möglicherweise nach: Die Gemeindewerke Gilching planen, für drei mögliche Standorte Machbarkeitsstudien durchzuführen. Von einem Aufwind für die Windkraft im Landkreis kann aber nicht die Rede sein.

Seit 2011 gibt es den Teilflächennutzungsplan, der für den Landkreis Starnberg so genannte Konzentrationsflächen festlegt, an denen Windkraftanlagen möglich wären. Da er bereits vor dem Erlass der 10H-Regel Bestand hatte, müssen Windräder dort nicht zwangsläufig in einem Abstand zur Wohnbebauung errichtet werden, der der 10-fachen Höhe des Windrades entspricht. Bei aktuellen Anlagen wären das rund zwei Kilometer.

Würde die 10H-Regel greifen, käme keine der drei Gilchinger Flächen als Standort für Windkrafträder infrage. Davon lässt sich die Gemeinde aber nicht abschrecken. Mit ortsbedingten Problemen bei der Errichtung von Windrädern rechnet der für das Sachgebiet zuständige Verwaltungsmitarbeiter nicht. Solange alle üblichen Vorgaben eingehalten und entsprechende Gutachten eingeholt würden, seien keine spezifischen Gilchinger Probleme zu erwarten, sagt er.

Auch die Möglichkeit, Windkraftanlagen in interkommunaler Zusammenarbeit zu errichten, sei grundsätzlich vorstellbar. „Die Gemeinde Gilching steht Kooperationen grundsätzlich offen gegenüber“, heißt es aus dem Rathaus. Relevant wäre dies zum Beispiel bei einem Gebiet südöstlich von Geisenbrunn. Diese Zone ist im Flächennutzungsplan als mögliches Gebiet für Windkraftanlagen ausgewiesen und befindet sich teils auf Gilchinger, teils auf Kraillinger Flur.

In einigen Fällen gibt es Zweifel an der Wirtschaftlichkeit

Auch die an Krailling angrenzende Gemeinde Gauting könnte es sich grundsätzlich vorstellen, in Zusammenarbeit mit anderen Kommunen Windkraftanlagen zu errichten. So gebe es beispielsweise zwei Windkraftkonzentrationsflächen, die zum Teil im Gautinger Gemeindegebiet und zum Teil in der Stadt Starnberg verortet sind. Doch Maximilian Olberding, Pressesprecher des Gautinger Rathauses, berichtet von Hindernissen, die Windkraftanlagen in Gauting im Weg stehen. „Nach bisheriger Erkenntnis bieten sich die für Windkraft grundsätzlich möglichen Flächen nicht an, da sie bisher nicht wirtschaftlich zu betreiben waren“, sagt er.

Olberding weist jedoch auch darauf hin, dass sich die Wirtschaftlichkeit unter Umständen durch Weiterentwicklung der Technik verbessern kann. Doch auch über eventuellen Widerstand aus der Bürgerschaft macht man sich im Gautinger Rathaus Gedanken. Dieselben Überlegungen hat Bürgermeisterin Anna Neppel aus Andechs: „Beim Aufstellen des Flächennutzungsplans gab es massive Widerstände gegen den Plan und den Bau von Windkraftanlagen“, erinnert sie sich. „Ich gehe davon aus, dass diese Bedenken und Widerstände weiter bestehen.“

Zwar habe sich die Gemeinde damals an der Aufstellung des Flächennutzungsplans beteiligt, und Neppel halte das grundsätzlich auch für eine gute Sache. „Aber ich möchte es keinem aufdrücken, und unsere Einwohner sagten damals, sie wollen das auf Gemeindeflur nicht haben.“ Im Gegensatz dazu hat die Starnberger Stadtverwaltung den Eindruck, dass die Akzeptanz von Windkraftanlagen in der Bevölkerung zugenommen hat, wie Rathaussprecherin Lena Choi auf Anfrage erklärte. Im direkten Stadtgebiet von Starnberg sei die Realisierung von Windrädern aber nicht möglich, da der nötige Abstand zur Wohnbebauung nicht gewahrt werden könnte. „Eine mögliche Fläche wurde am Randbereich zwischen dem Starnberger Ortsteil Perchting und der Gemeinde Unering festgestellt“, berichtet Choi. Belange des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen verhinderten seinerzeit weitere Planungen. „Windkraft hat viele Vorteile und ist sozusagen eine Pflichtaufgabe, wenn man die Energiewende schaffen will“, sagt Choi. Insofern sei auch der Wunsch von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, 300 Windkraftanlagen in Bayern zu errichten, nachvollziehbar. „Wir werden ihn dabei nach Möglichkeit auch unterstützen“, sagt Choi.

Eine Reihe von Gemeinden hat überhaupt keine Konzentrationsflächen, etwa Feldafing oder Herrsching. In Inning waren Pläne einst per Bürgerentscheid gestoppt worden. Einzig Berg hat vier Windkraftanlagen gebaut – und die sind erfolgreich. Bei der Windausbeute seien die Erwartungen voll erfüllt worden, sagt Bürgermeister Rupert Monn, wirtschaftlich laufe es besser als erwartet mit Renditen von vier bis zuletzt fünf oder sechs Prozent. Monn empfiehlt allen Gemeinden, es Berg gleichzutun. „Nur so kommen wir mit der Energiewende weiter“, sagte er; kleine Maßnahmen brächten zu wenig. Berg erzeugt mit den Windrädern so viel Strom wie es im Jahr verbraucht. Kritik hört Monn heute noch, aber „das Lob überwiegt“.

Bergs Bürgermeister rät zur Nachahmung

Monn rät allen, den Bürger wirtschaftlich einzubinden, also teilhaben zu lassen. Von Prämien, wie sie in der Bundespolitik diskutiert werden, hält der Windkraft erfahrene Rathauschef nichts: „Akzeptanz zu erkaufen, wird nicht funktionieren.“

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