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„Wir sind Mini-Manager“: Kita-Träger ändert Organisation von Grund auf

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Haben ihre Arbeitsweisen umgestellt: Fatma Yilmaz, Leiterin des Söckinger Fortschritt-Kinderhauses (r.), und Sabrina Freiwald vom Kita-Team.
Haben ihre Arbeitsweisen umgestellt: Fatma Yilmaz, Leiterin des Söckinger Fortschritt-Kinderhauses (r.), und Sabrina Freiwald vom Kita-Team. © Fortschritt

Traditionelle Hierarchien und Quartalsziele hinter sich lassen und stattdessen voll auf selbstorganisierte Teams und sinnstiftende Arbeit setzen: Das strebt das gemeinnützige Kita-Unternehmen Fortschritt an.

Söcking – Der Hauptsitz des Kita-Trägers, der mit seiner konduktiven Förderung für gehandicapte Kinder bekannt wurde, ist zwar in Niederpöcking. Der Weg in die unternehmerische Zukunft begann aber in Söcking. Das Kinderhaus „Kind & Natur“ sei der Vorreiter eines „umfassenden Organisationswandels“ für alle 36 Fortschritt-Einrichtungen und die Verwaltung, schreibt Sprecherin Verena Fahrion in einer Pressemitteilung.

Tatijana von Quadt, die Ende Juni 2019 die Geschäftsführung von ihrem Vater Peter übernahm, treibt den Wandel voran. Seit März ist das Söckinger Kinderhaus die sogenannte Proto-Einrichtung dafür. Fahrion berichtet: „Die ersten Ergebnisse der Projektarbeit liegen nun vor und haben nicht nur das Team des Kinderhauses positiv überrascht.“ Mithilfe des Expertennetzwerks Ouishare habe man neue Regeln, Prozesse und Arbeitsmethoden ausgearbeitet. „Sie schaffen ein positives Umfeld, um komplexe Probleme zu lösen und Innovationskraft zu fördern.“ Dahinter steckt das Konzept des „Teal-Unternehmens“. Leitende Funktionen gibt es in solchen sehr wohl, allerdings keine klassischen Befehle von oben. Die Teams lösen ihre Probleme in der Gruppe und wählen auch mal unkonventionelle Methoden.

Entscheidungen fallen jetzt immer aus der Gruppe

Der Startschuss für das Projekt Proto-Einrichtung fiel im März – online während des Corona-Lockdowns. „Das war die erste Herausforderung und etwas ganz Neues. Beides haben wir gut gemeistert“, sagt Kinderhausleiterin Fatma Yilmaz. Das Team habe eine Vision, Kernziele und ein Leitbild erarbeitet. Das Wichtigste: Jedes Kind soll sich durch Vertrauen und Geborgenheit in seinem Wesen im Kinderhaus angenommen fühlen und seine individuelle Persönlichkeit entfalten können.

Eine Herausforderung war auch die Zeit nach dem ersten Lockdown. Die Zusammensetzung der Notgruppen änderte sich mindestens wöchentlich, genau wie Regeln und Richtlinien. „Da der Aufwand wuchs, verlegten wir die Projektsitzungen in unsere Freizeit“, sagt Sabrina Freiwald aus dem Kita-Team. Eine Hürde, die man gemeistert habe, weil alle hinter dem Teal-Ziel stünden. Ohne das Proto-Projekt hätte man nie erfahren, „wie viel Wissen und Potenzial in unserem Team steckt“. Die Entscheidungsfindung habe sich geändert. Es müssten nicht immer alle alles entscheiden, aber man entscheide immer aus der Gruppe.

Der Prozess zeige, wie verantwortungsvoll und abwechslungsreich der Erzieher-Beruf sei, findet Freiwald. „Wir sind Mini-Manager“, betont sie. Deshalb will sich das Kinderpfleger- und Erzieher-Team für ein starkes Berufsbild einsetzen und mehr Gehör finden. „Wir legen die Grundsteine für unsere Zukunft.“ Ein ungelöstes Problem bleibt aber vorerst noch: die Zeitfrage. Schließlich sollen die Kinder – abgesehen von jeglicher Organisation – nicht zu kurz kommen.  

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