Einkaufen in Zeiten der Corona-Krise: Auf dem Wochenmarkt am Kirchplatz hielten die Kunden  freiwillig zwei Meter Abstand voneinander.

Sie dürfen geöffnet haben

Wochenmärkte: Ein Stück Alltag in der Corona-Krise

Wochenmärkte dürfen weiterhin öffnen, um die Versorgung der Bürger mit Lebensmitteln zu gewährleisten. Wegen des Coronavirus passen Standbetreiber und Kunden aber ihr Verhalten an. Ein Rundgang am Donnerstagmorgen über den Kirchplatz.

Starnberg – Am Stand des Bauernhofs Ziegler gibt es weder ein Schild mit Verhaltensregeln noch mündliche Anweisungen – trotzdem halten am Donnerstagmorgen alle wartenden Kunden freiwillig einen Abstand von zwei Metern zueinander ein. Zeitweise stehen 14 Frauen und Männer an, um – trotz Coronavirus – frische Kartoffeln, Eier und Gurken zu kaufen. Die Standbetreiber auf dem Starnberger Kirchplatz tragen dazu bei, die Grundversorgung der Bürger mit Lebensmitteln zu garantieren. Deshalb erlaubt die Stadt den weiteren Betrieb der Wochenmärkte.

Susanna Held (56) ist extra zum Markt in die Kreisstadt gekommen. Sie will sich mit den Händlern solidarisch zeigen. Denn sie weiß, wie hart die Zeiten werden können. In Tutzing führt sie zusammen mit ihrem Mann Gebhard Held einen bekannten Buchladen, den sie am Mittwoch wegen der behördlichen Auflagen schließen musste: „Wir haben aber gemerkt, dass viele Kunden regional denken und auch bei uns online bestellen statt bei großen Internethändlern“, sagt sie.

Und so will sie jetzt Lebensmittelhändler aus der Region mit ihrem Einkauf unterstützen. Langfristig könnte diese Form des Konsums eine positive Entwicklung für die Region sein, sagte sie.

Um regionale Händler zu unterstützen, kam Susanna Held aus Tutzing nach Starnberg

„Ich versuche, ohne Verpackung einzukaufen. Deswegen finde ich es super, dass die Märkte weiterhin für uns da sind“, sagt Gisela Grunwald. Die 50-Jährige aus Starnberg ist eine treue Kundin des Gemüsebauern – und sie kaufte nicht nur für ihre vierköpfige Familie, sondern auch für zwei 80 Jahre alte Nachbarn ein: „Ich musste sie fast ein bisschen überreden, sich was mitbringen zu lassen“, sagt die zweifache Mutter. „Aber es geht zurzeit darum, Verantwortung zu übernehmen und füreinander da zu sein.“

Salat, Gurken, Obst, Kartoffeln für das Püree zum Abendessen – fast alles kann sie auf ihrer Einkaufsliste abhaken. Lediglich ein zweites Glas Hühnerbrühe bekommt die Informatikerin nicht mehr – ausverkauft.

Für die Standbetreiber ist der weitere Betrieb der Märkte eine Erleichterung: „Solange es geht, bleiben wir für unsere Kunden da“, sagte Andreas Lechner, Inhaber der Metzgerei Lechner. Um 6 Uhr morgens hat er seinen Stand aufgebaut – bis auf einen Betreiber waren auch alle weiteren zwölf Kollegen da. Eine Absprache wegen des Virus habe es unter den Kollegen aber nicht gegeben, sagt Lechner. Berufsbedingt desinfizierten sich aber alle auf dem Markt ständig die Hände.

Witz, gute Laune und frisches Fleisch kann Andreas Lechner an seinem Stand den Starnbergern bieten.

Seit 28 Jahren kommt der 65-Jährige aus Farchant bei Garmisch auf den Kirchplatz. Dass seine Kunden ohne Aufforderung Abstand zueinander halten, erfreut den erfahrenen Standbetreiber. Trotzdem beobachtet er: „Es ist eine Grund-Unsicherheit zu bemerken, unsere Kunden zahlen auch vermehrt mit Karte.“ Und mit seinen Witzen und Sprüchen hält der Viehzüchter seine Kundschaft bei Laune. Viele seien schließlich froh, dass es auch in Zeiten der Krise weiterhin eine persönliche Beratung gibt, berichtet Lechner. „Anonym ist man in jedem Supermarkt“, sagt er. „Der Marktbesuch gibt den Starnbergern ein Stück Alltag zurück.“

Neben dem großen Metzgerstand parkt ein kleiner, roter Transporter auf drei Rädern. Die Ladefläche seiner Ape hat Günter Zech zum „Café Piccolino“ umgebaut – und schenkt dort „den besten Cappuccino“ aus, wie er behauptet. Auch am Donnerstag war das Heißgetränk gefragt: „Mein Betrieb läuft heute eigentlich so wie immer“, sagt der 58-jährige Starnberger. „Aber es sind weniger ältere Kunden da als sonst.“

Gedanken um eine mögliche Schließung der Märkte mache er sich zurzeit nicht: „Wenn wir nicht mehr öffnen dürften, müsste ich eben in meinem Garten spazieren gehen und abwarten“, sagt er. „Es kommt jetzt darauf an, zu verstehen, dass jeder Einzelne durch sein Handeln zur Bewältigung der Krise beitragen kann“, sagte der Café-Betreiber.

Nach diesen Worten bestellt ein Kunde auch schon den nächsten Cappuccino. Hinter ihm warten weitere Kunden darauf, ihren bestellen zu dürfen – alle in zwei Meter Abstand zueinander.

Alice Beckmann-Petey

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