Bereit für ein spannendes Projekt: Im Jugendtreff Nepomuk trafen sich am Samstag die Jugendlichen Yael Kremer, Enia Perusko, Michael Lech, Roberta Salerno, Leonie Egerland, Iona Marin-Iana, Luca Müller und Chayenne Perusko mit VHS-Leiterin Christine Loibl (l.), VHS-Vorsitzendem Tim Weidner (5.v.l.), Dozent Martin Schneider (Mitte), Bürgermeister Patrick Janik (7.v.r.) sowie Theresa Eichinger (2.v.r.) und Daniel Ternyik (r.) vom städtischen Jugendtreff.
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Bereit für ein spannendes Projekt: Im Jugendtreff Nepomuk trafen sich die am Projekt Beteiligten.

Wunsch nach weiterem Jugend-Treffpunkt

Im städtischen Jugendtreff Nepomuk ist am Samstag das Projekt Demokratieführerschein gestartet. Acht junge Leute wollen nun ein gemeinsames Anliegen erarbeiten und letzte Endes auch in den Stadtrat bringen.

Starnberg – Sie ist erste Schülersprecherin, besucht die Berufsfachschule für Kinderpflege und würde gerne ihre Anliegen den kommunalen Politikern vortragen. Deshalb nimmt die 15-jährige Ioana Marin-Iana aus Starnberg gemeinsam mit sieben anderen Jugendlichen am „Demokratieführerschein“ teil – eine Kooperation von Volkshochschule Starnberger See und Jugendtreff Nepomuk Starnberg. Am Samstag war die Auftaktveranstaltung des Projekts im Jugendtreff.

„Demokratie ist eine Herzensangelegenheit und in vieler Hinsicht gefährdet“, sagte Tim Weidner. „Es kommt auf die Jugend an, dass es mit der Demokratie weitergeht.“ Weidner ist nicht nur SPD-Stadtrat, sondern auch Vorsitzender der VHS und hat gemeinsam mit VHS-Leiterin Christine Loibl das Projekt „Demokratieführerschein“ organisiert.

Bei diesem handelt es sich um einen Führerschein zum „Mitmischen in der Stadt“. Die Jugendlichen verfolgen über mehrere Seminare hinweg kommunalpolitisch aktiv ein selbst gewähltes Anliegen oder Projekt und lernen so politische Hintergründe und damit die Demokratie besser kennen. Moderator der Seminare ist der freiberufliche Politikwissenschaftler Martin Schneider. „Das Projekt endet mit einer Sitzung im Stadtrat“, erklärte er. „Dort dürfen zwei oder drei Freiwillige das Anliegen der Gruppe vortragen.“

Um Ideen zu sammeln und ein solches gemeinsames Anliegen zu finden, kamen die Teilnehmer nun zusammen. In Kleingruppen warfen sie kritische Blicke auf Starnberg und diskutierten Verbesserungsmöglichkeiten. „Ich wünsche mir ein Jugendcafé am See“, sagte Ioana Marin-Iana. „Draußen gibt es kaum Möglichkeiten für uns, sich zu treffen.“ Die bisher einzige Möglichkeit sei der Jugendtreff selbst. Dort erfuhr sie auch vom Demokratieführerschein. Ebenso die Starnberger Gymnasiastin Chayenne Perusko (16): „Eine überdachte Aufenthaltsmöglichkeit im Freien wäre super.“ Das sei gerade in diesen Zeiten sinnvoll, da so auch bei schlechtem Wetter Treffen an der frischen Luft möglich wären. „Ich hoffe, dass unsere Vorschläge umgesetzt werden können.“ Bürgermeister Patrick Janik sagte, er sei offen für die Anliegen der jungen Leute. „Demokratie ist ziemlich kompliziert, aber sehr spannend und interessant“, betonte er.

VHS-Leiterin Loibl hatte die Idee des Demokratieführerscheins in den Landkreis gebracht. Entwickelt wurde er in Rheinland-Pfalz. Auf einer Fortbildung hatte Loibl davon erfahren und setzte das Projekt bereits 2019 gemeinsam mit der Jugendfeuerwehr Tutzing um. „Damals haben die Jugendlichen einen Antrag auf Erweiterung des ÖPNV vorgetragen“, sagte sie. „Die Umsetzung wurde beschlossen. Auch die Idee zum Jugendbeirat in der Kommunalpolitik ist daraus entstanden.“ Loibl hofft auf einen ähnlichen Erfolg in Starnberg.

Nach sechs Stunden Seminar einigte sich die Gruppe auf ein gemeinsames Anliegen: die Einrichtung eines Jugendcafés oder eines weiteren Jugendtreffpunktes in Starnberg. Dass die Räumlichkeiten im Nepomuk wieder coronabedingt schließen müssen, hindert die Jugendlichen nicht an ihrem Projekt. „Wir sind darauf vorbereitet und stellen auf online um“, sagte Loibl. Auch Dozent Markus Schneider war zufrieden mit dem Auftakt des Demokratieführerscheins. „Die Jugendlichen sollen sich eine eigene, kritische Meinung bilden und lernen, was man selbst tun kann und will.“

Vanessa Lange

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