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Komplizierte Rettung: Feuerwehrleute mussten den verletzten Radfahrer aus dem Hang tragen.

Mountainbiker nach Wald-Tour im Krankenhaus

Zahl der Unfälle um 30 Prozent gestiegen: Radfahren ja, aber nicht querfeldein

Das Fahrrad ist in der Corona-Krise für viele das Fortbewegungsmittel der Wahl. Das hat Konsequenzen: Die Zahl der Radlunfälle steigt in einigen Gebieten wie am Starnberger See an.

Landkreis – Radfahren ist gesund, während der Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Krise allein oder zu zweit auch erlaubt – und offensichtlich zunehmend gefährlich. Am Starnberger See ist die Zahl der Radlunfälle in diesem Frühjahr um 30 Prozent gestiegen. Wer auf normalen Wegen strampelt, macht alles richtig – wer mit dem Mountainbike durch den Wald brettert, bringt sich in Gefahr und verstößt vielfach gegen das Naturschutzgesetz.

Es gibt viele Mountainbiker, die normalerweise in die Berge fahren oder andere Touren machen, was derzeit nicht zulässig ist. Also fahren manche in der Umgebung, teils auch quer durch den Wald. „So ziehen die Hänge im Mühlthal nördlich von Leutstetten vermehrt Mountainbike-Fahrer an, die dort auf wilden ,Trails’ mitten im Wald ihre ,Downhill-Bahnen fahren‘“, stellt Oliver Jauch, Verkehrssachbearbeiter der Starnberger Polizei, fest. 

Vor zwei Wochen stürzte ein Radfahrer schwer im Mühltal, am Mittwochabend ein zweiter. Ein Starnberger (42) war mit einem Bekannten (33, Unterhaching) auf Wegen unterwegs, die im Lauf der Zeit dadurch entstanden seien, dass „Radfahrer abseits der eigentlichen Wege quer durch den Wald“ unterwegs gewesen seien. Beim Sprung über eine künstlich angelegte Rampe verlor der Starnberger die Kontrolle über sein Rad und stürzte auf den Rücken. Feuerwehrleute aus Leutstetten und Starnberg mussten den Verletzten aus dem Wald tragen, er kam ins Krankenhaus.

Mountainbiken im Wald verboten, nimmt jedoch zu

In dieser Form habe es das bisher nicht gegeben, sagt Michael Rattelmüller, Kommandant der Leutstettener Feuerwehr. Nun seien regelrechte Furchen im Wald erkennbar. Dass im Wald und auf dem Feld mehr Radfahrer unterwegs sind, hört man aus vielen Orten, auch wenn die Unfallzahlen nicht überall steigen, wie die Polizeichefs von Herrsching und Gauting, Erich Schilling und Ernst Wiedemann, erklären. Mountainbiken im Wald ist jedoch verboten.

„Sowohl das Bayerische Waldgesetz als auch das Naturschutzgesetz untersagen das Radfahren auf Waldflächen außerhalb der vorgesehenen Wege. Die beiden Radfahrer müssen nun mit einer Bußgeldanzeige rechnen“, erklärt Oliver Jauch. Zudem: Genau solche eigentlich vermeidbaren Einsätze seien es, die die Retter in der Corona-Krise unnötig belasteten und gefährdeten.

Manchen fehlen Unrechtsbewusstsein und Einsicht

Die Jäger wissen schon lange von der Überlastung des Waldes, und nicht nur am Tag. „Es ist unglaublich, wen man nachts im Wald trifft“, sagt Hartwig Görtler, Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Das Recht, die Natur zu betreten, heiße nicht, dass man sie auch nach Belieben befahren dürfe. Manchen fehle Unrechtsbewusstsein oder Einsicht, und viele wüssten so wenig über die Natur, dass sie gar nicht merkten, was sie anrichten. Jeder für sich glaube, er schade der Natur nicht, vergesse aber, dass die Masse ganz andere Wirkung habe.

Görtler plädiert schon lange dafür, in Bayern wie in anderen Bundesländern zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten Betretungsverbote für Wälder zu erlassen. Er hat dabei auch Wild und andere Tiere im Blick, die „auch mal Ruhe brauchen“. Wenn nachts Leute mit starken Stirnlampen durch den Wald joggten oder radelten, störe das beispielsweise den Tag-Nacht-Rhythmus vieler Tiere.

Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden

Für das Starnberger Landratsamt ist die Rechtslage absolut eindeutig: Laut Bayerischem Naturschutzgesetz ist Radfahrer auf Straßen und geeigneten Wegen in Wald und Flur erlaubt – auf allen anderen Flächen, die nicht für den öffentlichen Verkehr freigegeben sind, ist es verboten. Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden. In der Kreisbehörde sind einige Beschwerden eingegangen – auch von Waldbesitzern, die sogar eigens angelegte Schanzen vorfanden.

Auch in Fürstenfeldbruck mehren sich die schweren Radunfälle seit den Ausgangsbeschränkungen. Besonders auf einem illegalen MTB-Trail durch den Wald ist es schon zu zwei schlimmen Unfällen gekommen, ein Mann starb sogar.

Zu einem tödlichen Unfall kam es am Rohnberg am Schliersee, als ein Mountainbiker auf der Abfahrt mit einem Baum kollidierte.

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