Konterfei als Kunst in Kreidefarbe (vorne v.l.): Die Schüler Lea, Ali, Erik, Tobias und Azad sowie (hinten v.l.) Kunstlehrerin Heike Longeron, Schüler Niclas, Förderschullehrerin Birgit Zettl, Pflegekraft Nadja Rassinger und Schüler Karl in Aktion auf dem Kirchplatz.
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Konterfei als Kunst in Kreidefarbe (vorne v.l.): Die Schüler Lea, Ali, Erik, Tobias und Azad sowie (hinten v.l.) Kunstlehrerin Heike Longeron, Schüler Niclas, Förderschullehrerin Birgit Zettl, Pflegekraft Nadja Rassinger und Schüler Karl in Aktion auf dem Kirchplatz.

Kunstaktion „Mia kean zamm“

Ein Zeichen für Inklusion: Franziskus-Schüler sprayen ihre Gesichter auf Starnberger Kirchplatz

Die Gesichter von 16 Schülern der Starnberger Franziskus-Schule prangen nun auf dem Kirchplatz. Anlass der Kunstaktion: das 50. Jubiläum der Lebenshilfe. Das Anliegen ist: „Mia kean zamm“ – alle Menschen mit und ohne Behinderung gehören zusammen.

Starnberg – Es war fast ein Happening auf dem Kirchplatz. Menschen sprühten Neonfarben auf Schablonen und setzten ihre Porträts auf die Pflastersteine. Dazu erklang die Gitarre von Erik Berthold. Die Aktion war Teil der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Starnberger Lebenshilfe. Die Akteure waren Schüler der Franziskus-Schule, die sich damit in den Fokus der Öffentlichkeit setzen wollten. Denn das Motto der Kunstaktion lautete: „Mia kean zamm“, also „Wir gehören zusammen“, und zwar alle Starnberger, mit und ohne Behinderung. „Die Kinder sind in den Alltagsbegegnungen der Menschen weniger präsent“, sagt Lebenshilfe-Sprecherin Annette Werny. „Ziel ist, dass wir als Gleichberechtigte wahrgenommen werden.“

Die Franziskusschule ist als Förderschule mit Schwerpunkt auf geistiger Behinderung eine Einrichtung der Lebenshilfe. Schon lange stand fest, dass Lehrer und Schüler im Jubiläumsjahr ein besonderes Projekt starten. Der Einfall kam schließlich von Kunstlehrerin Heike Longeron: „Wir hatten im Unterricht Banksy durchgenommen und auch über die Stolpersteine gesprochen, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern. So kam ich auf die Idee.“ Die Umsetzung erfolgte in einem vielschrittigen Prozess und war aufwendig. Angefangen hat es mit dem Anfertigen der Portraits, der Schablonenherstellung und schließlich dem Sprayen. Eineinhalb Jahre waren die Schüler damit beschäftigt.

Neue Gelegenheit zum Kontakte knüpfen am Donnerstag

Der letzte Teil war der aufregendste. „Der Spannungsbogen war kaum auszuhalten, immer wieder kamen die Fragen von den Kindern: ,Was machen wir dann? Welche Leute treffen wir und wie werden sie reagieren?‘“, erzählt Longeron. Ziel der Aktion war vor allem, in Kontakt zu treten. Am Donnerstag, 22. Juli, haben Franziskus-Schüler und Starnberger nochmals Gelegenheit dazu: Dann ist für 9 Uhr eine weitere Kunstaktion geplant. Los geht’s am Gymnasium, dann geht es weiter zur Grundschule, zum TSV, Bürgerpark und Seebad bis zur Geschäftsstelle der Lebenshilfe an der Leutstettener Straße.

Werny und Longeron haben die Erfahrung gemacht, dass Menschen oft nicht wissen, wie sie mit geistig Behinderten umgehen sollen. „Man kann offen auf einander zugehen und normal miteinander reden, denn jeder hat Stärken und Schwächen“, sagt Longeron.

Niclas Esapovic liebt die „tolle Stimmung mit Musik“. Sein Gesicht strahlt auf dem Kirchplatz in leuchtendem Gelb. Weitere Porträts sind vor dem Eiscafé GelatOk, am Tutzinger-Hof-Platz, Maximilianstraße und Starnberger Museum zu sehen.

Chiara Kessel

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