Zeit des Verzichts

„Radikales Fasten wäre nicht gut“

Nach Karneval, Krapfen und Konfetti ist nun die Zeit des Fastens angebrochen. Von Aschermittwoch bis Ostersonntag besinnt sich die christliche Gemeinschaft auf Jesus Christus. Er fastete und betete 40 Tage in der Wüste. Aber wie fasten eigentlich die Geistlichen im Landkreis? Und worauf können sie nicht verzichten? Wir haben nachgefragt.

Landkreis – Mehr als die Hälfte aller Deutschen fasten, glaubt Pfarrer Otto Gäng von St. Benedikt in Gauting. Die Schwierigkeit sei aber, richtig zu fasten. „Es geht nicht darum, sein Sixpack zum Vorschein zu bringen“, witzelt er. Beim Fasten geht es für ihn um „das Bewusstsein für Wertigkeit“. Gäng beschäftigt sich während der sieben Wochen mit Glaubensfragen und versucht, seine Umwelt mehr wertzuschätzen. Etwas, auf das er nicht verzichten kann? „Gibt es nicht.“ Denn Gäng hat als Militärpfarrer bei seinem Einsatz in Afghanistan sein „Leben in zwei Kisten gepackt, wobei eine völlig gereicht hätte“. Auskommen mit wenig Dingen gehört also längst zu seinem Alltag.

Pfarrer Czopf verzichtet auf Fernsehen und möchte die Natur genießen

Pfarrerin Angela Smart.

Pfarrerin Angela Smart von der evangelischen Kirchengemeinde Herrsching, Wörthsee, Seefeld streicht heuer die Fasten-Klassiker Alkohol und Süßigkeiten von ihrem Speiseplan. Niemals verzichten würde sie allerdings auf ihre Freunde und Familie – und auf ein Glas Wein am Ende der 40 Tage freut sie sich auch schon sehr, gibt sie zu. „Sich auf das Wesentliche beschränken“ sei der Sinn des Fastens, erläutert sie. Daher steht dieses Jahr bei den Protestanten die 40-Tage-Zeit unter dem Motto „ohne sofort“. Sprich, ohne ständiges Erreichbarsein via WhatsApp und ohne die alltägliche Hektik der modernen Kommunikation.

Pfarrer Tamas Czopf.

Pfarrer Tamás Czopf von der katholischen Pfarrgemeinde Starnberg betont einen ganz anderen Aspekt des Fastens. Denn „nicht Verzicht, sondern Gewinn“ sei der Dreh- und Angelpunkt der 40-Tage-Zeit. Was er damit meint? Bereits vor 3500 Jahren gaben die Juden ihr durch Fasten Gespartes an die Bedürftigen weiter. Diese soziale Dimension gehört für ihn mit zum Verzichten. Außerdem wird durch das Fasten „einiges freigeschaufelt“ und „der gläubige Christ besinnt sich auf seine Nähe zu Gott“. Die ginge im stressigen Alltag oft verloren. Czopf selbst verzichtet in der Fastenzeit auf technische Spielereien wie Fernsehen und Radio. So gewinnt er Zeit. Zeit, um in der Natur „wandern und spazieren zu gehen“. Denn darauf möchte er in keinem Fall verzichten.

„Fastenzeit spielt eine ganz wichtige Rolle“: Vorbereitung auf Ostern

Auch Franz von Lüninck verzichtet auf seinen Fernseher. Denn dieser und die abendliche Arbeit sorgen dafür, dass Gilchings katholischer Pfarrer ab und an zu spät ins Bett kommt. „Das passiert mir leicht.“ Deshalb wolle er auf Zeitverschwendung verzichten. Und nebenbei die Beziehung zu Gott und seinen Mitmenschen verbessern. „Ich achte darauf, wie ich mit den Leuten umgehe, will mir mehr Zeit für sie nehmen.“ Radikal zu fasten, lehnt er ab: „Mein Fokus liegt eher auf dem Maßhalten. Radikales Fasten täte mir nicht gut.“ Er bezeichnet sich selbst als „Fan von gutem Nachtisch und Kuchen“. Darauf und auf Süßigkeiten will er weitestgehend verzichten.

Pfarrer Stefan Koch.

Die 40 Tage möchte Starnbergs evangelischer Pfarrer Stefan Koch nutzen, um sich intensiv auf Ostern vorzubereiten. „Die Fastenzeit spielt da für mich eine ganz wichtige Rolle“, sagt er. Koch hat sich bereits einige Bibelauslegungen von Martin Luther bereit gelegt, um sie zu lesen. Aber auch verzichten möchte er: auf Alkohol, Fleisch und Süßigkeiten. Es gibt Ausnahmen, wie er zugibt: „Wenn ich zu Besuch bin, sage ich nicht: das darf ich nicht essen.“ Dafür möchte er mehrmals im Jahr fasten – etwa „zur zweiten Fastenzeit des Jahres im Advent“.

Von Lena Grögor , Carlos Pohle und Sebastian Raviol

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Urteil für schweigsamen Angeklagten
Urteil für schweigsamen Angeklagten
„Unsere kleine private Karibik“
Der schönste Tag am See ist nichts, wenn einem der Magen knurrt und die Kehle austrocknet. Ein Glück, dass es im Fünfseenland so viele tolle Kiosks gibt. Die schönsten …
„Unsere kleine private Karibik“
Gericht lässt Wohnung von Star-Regisseurin räumen
Donnerstag, 14 Uhr in Gilching: Ein Mann betritt das Grundstück im Talhof. In der Hand einen Brief. Es ist der Bescheid für die Zwangsräumung – und sie gilt Regisseurin …
Gericht lässt Wohnung von Star-Regisseurin räumen
Der Pfarrer und die Freude am Mysterium
Erstmals zum Patrozinium spielte im Marienmünster das theatrum sacrum eine Rolle. Die beeindruckende Heilige Bühne im Hochaltar zeigte zum Hochfest Mariä Himmelfahrt die …
Der Pfarrer und die Freude am Mysterium

Kommentare