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Leopold Göring, Obermeister der Zimmerer-Innung Starnberg.

Ausbildung 

Zimmerer-Obermeister wirbt um Abiturienten: „Mit einer Lehre verdient man mehr in Australien“

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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„Erst Kohle, dann Känguru“: Mit diesem Spruch wendet sich Leopold Göring, Obermeister der Zimmerer-Innung Starnberg, an die Öffentlichkeit. Der 38-Jährige wirbt dafür, dass Abiturienten erst eine Handwerkslehre machen, bevor sie Australien und die weite Welt erkunden.

Herr Göring, warum sollte ein Abiturient eine Zimmerer-Ausbildung anfangen?

Das Geld stimmt: Im ersten Jahr verdienen sie 1200 Euro brutto pro Monat, im zweiten 1475 Euro. Der größte Vorteil für sie ist, dass sie das Berufsgrundschuljahr überspringen und die Ausbildung in nur zwei Jahren absolvieren können. Dann ist immer noch eine Reise drin – und auf der kann man dann mit dem Gesellenbrief in der Tasche auch besser verdienen. Der Staplerführerschein wird in der Lehre bezahlt, der nutzt einem in Australien wirklich, dann muss man nicht wie viele andere Backpacker als Kirschenpflücker arbeiten.

Sprechen Sie etwa aus eigener Erfahrung?

Ich war tatsächlich selbst mit 25 in Australien, habe aber dort nicht gearbeitet. Trotzdem war ich an Baustellen teilweise geschockt, wie dort Häuser aus Dachlatten zusammengebaut werden. Das ist lange her, war aber eine gute Erfahrung

Wie hoch ist denn der Anteil von Abiturienten bei den Zimmerern?

Zahlen habe ich nicht, aber zwei der vier Lehrlinge, die ich ausgebildet habe, hatten Abitur. Ich glaube, dass gerade ein Umdenken stattfindet und das Interesse für Handwerksberufe wieder zunimmt. Allerdings gibt es in manchen Betrieben die Angst, dass die Leute nach der Ausbildung nicht bleiben und studieren wollen. Aber das sollen sie ja auch machen. Sie können ja später wieder zurückkommen.

Welche Studienfächer bieten sich als Zimmerer an?

In Rosenheim gibt es eine Hochschule mit Holzbau-Fakultät, Architektur oder Bauingenieurwesen bieten sich auch an. Aber auch die Meisterschule – der Meister ist ja international gleichgestellt mit einem Bachelor.

Wie profitiert ein Betrieb, wenn er Abiturienten einstellt?

Das ist nichts gegen die anderen, aber Gymnasiasten sind mathematisch schon fitter. Man muss viel rechnen bei uns – mit Winkelfunktionen oder Masseneinheiten. Dazu kommt, dass viele schon volljährig sind und einen Führerschein haben. Davon hat der Betrieb auch etwas.

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