Haben ihre Gärtnerei herausgeputzt: Hans-Peter und Bianca Hübsch aus Inning. 
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Haben ihre Gärtnerei herausgeputzt: Hans-Peter und Bianca Hübsch aus Inning. 

Erste Öffnungen am Montag

Zwischen Vorfreude und Unsicherheit: Friseure, Kosmetiker, Baumärkte und Gärtnereien vor dem Neustart

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Bedarf für Haus und Garten und die sogenannten „körpernahen Dienstleistungen“ stehen Verbrauchern ab Montag wieder zur Verfügung. Während Gärtnereien und Baumärkte genügend Platz haben, um mit einem Ansturm fertig zu werden, herrscht in der Kosmetikbranche und bei Friseuren eine gewisse Unsicherheit vor dem Neustart.

Landkreis - Kosmetik- und Nagelstudios wurden besonders hart von den Corona-Maßnahmen getroffen. Seit dem 1. November sind sie bayernweit geschlossen. „Wir waren doch sehr überrascht, als es dann auf einmal ohne Vorankündigung hieß, wir dürfen nun auch wieder öffnen“, sagt Petra Ortcykrova, Inhaberin des Ladens „Medical Beauty“ in Starnberg. Auch Sabine Hager, die das Nagelstudio „Bine’s Nails“ in Gilching betreibt, ist verwundert. „Die Kommunikation der Regierung ist total schwammig. Laut Vorgaben dürfen wir nur Maniküren und Gesichtspflege anbieten. Aber was ist denn mit den vielen anderen, ähnlichen Dienstleistungen?“ Die Branche ist verunsichert. Dennoch sind die Inhaber froh, bald wieder eine Perspektive zu haben. Katharine Hamann, Geschäftsführerin der Schönmacherei in Gauting: „Die Verluste der letzten Monate werde ich so schnell nicht wieder drin haben, aber immerhin kann ich mir und meinen Kunden wieder etwas Lebensqualität mit meinem Geschäft zurückgeben.“

Findet die Kommunikation der Regierung schwammig: Sabine Hager in ihrem Gilchinger Nagelstudio. 

Friseure rechnen mit Hochkonjunktur

Um Lebensqualität geht es auch vielen Kunden von Friseurläden, die seit dem 16. Dezember coronabedingt auf einen Haarschnitt verzichten mussten. Ab nächster Woche darf nun wieder geschnitten werden. Allerdings kämpfen vor allem kleinere Friseurgeschäfte mit den neuen Vorschriften. Denn künftig soll nur eine Person pro zehn Quadratmeter Ladenfläche eingelassen werden dürfen. Die Friseure selbst werden dabei neuerdings miteinberechnet. „Wir haben das Glück, einen recht großen Laden zu besitzen, wer aber nur 30 Quadratmeter und zwei Mitarbeiter hat, hat da schon ein großes Problem“, gibt Angelika Baur zu bedenken, Betreiberin der „Hairsociety“ in Gilching. Dennoch rechnen die Friseurbetriebe mit Hochkonjunktur in den nächsten Wochen. Michael Frenzel, der einen Laden in Gauting betreibt, sagt: „Sobald die Türen am Montag aufgehen, erwarten wir einen totalen Ansturm, über die nächsten Wochen wird das dann aber auch wieder abflauen.“ Finanziell waren die vergangenen Monate für viele Inhaber eine Belastung. Doch Benno Hagenbucher aus Starnberg erklärt: „Finanziell muss man auf solche Krisen vorbereitet sein. Wer die Krise bis Montag überstanden hat, der wird sich in den kommenden Wochen auch wieder aufrappeln können.“

Gärtnereien: Viel Platz, wenig Sorgen

Gerade noch rechtzeitig komme die Entscheidung der Politik, sagt Hans-Peter Hübsch von der gleichnamigen Gärtnerei in Inning. „Sonst hätten wir viele Pflanzen wegwerfen müssen.“ Mit viel Kundschaft, aber nicht mit einem echten Ansturm rechnet er ab Montag. Maximal 65 Kunden will er gleichzeitig reinlassen. „Laut Regierung dürften es doppelt so viele sein“, sagt Hübsch. Aber diesen Wert erreiche man selbst an „Großkampftagen“ wie dem Samstag vor dem Muttertag nicht. Schon die Zahl der Parkplätze schränke die Kundenzahl ein. Und: „Sobald es eng wird, muss jeder einen Einkaufswagen nehmen“, kündigt Hübsch an.

Dass sich die Abstände locker einhalten ließen, sagt auch sein Kollege Adalbert Fischer von der gleichnamigen Gärtnerei in Starnberg. Aber er merkt auch an: „Es ist fast ein bisschen zu warm, die Leute sind ganz wepsig.“ Fischer rechnet mit Pflanzen-Wünschen, die man normalerweise erst Mitte März erfüllen könne.

Erde, Jungpflanzen, Mulch und mehr: Fünf Lkw erreichten Stefan Dorns „Manufaktur für Grünes“ in Erling alleine am Mittwochvormittag. Mit dem Entladen kam er fast nicht mehr hinterher. „Es war nicht geplant, dass alle auf einmal kommen“, sagt er. Den Gartenbereich darf Dorn nun am Montag öffnen, selbst produzierte Lebensmittel verkauft er bereits seit einer Woche. Ein Bank-Kredit habe ihm geholfen, den Lockdown zu überstehen. Gerade die Floristik, die etwa 50 Prozent des Geschäfts ausmache, sei im Januar und Februar stark eingebrochen.

Baumärkte: Nur ein Elternteil mit Kind darf bei Hagebau rein

Der Hagebaumarkt, der in Starnberg an der Gautinger Straße angesiedelt ist, will Familienausflüge unterbinden. Laut Pressemitteilung darf ab Montag nur ein Elternteil mit je einem Kind rein. Man gehe mit „nochmals verbessertem Hygienekonzept“ an den Start. „Wir empfehlen unseren Gesellschaftern, lediglich einen Besucher auf 50 Quadratmetern Verkaufsfläche zuzulassen – und das, obwohl die Vorgaben einen Besucher pro 20 Quadratmeter erlauben würden“, erklärte Hagebau-Geschäftsführer Jan Buck-Emden. Allein aufgrund der baulichen Gegebenheiten – hohe Decken, konstanter Luftaustausch über das Gartencenter – tendiere die Ansteckungsgefahr nahezu gegen null. Man werde darauf achten, dass der persönliche Kontakt auch auf den Parkplätzen auf ein Minimum reduziert werde.

„Wir sind gewappnet“, sagt Sabine Holzner, Prokuristin für die Heimwerker-Läden „Hobbyland“ in Gilching und Herrsching. Dort hatte man sich zuletzt gegen das „Click & Collect“-Angebot entschieden. Der Aufwand „für zehn Kunden am Tag“ wäre laut Holzner nicht wirtschaftlich gewesen. Nun können wieder maximal 40 Leute gleichzeitig in die Märkte.

Gregor Scheu und Tobias Gmach

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