+
Vor dem Landgericht muss sich ein 23-jähriger Starnberger wegen versuchten Mordes verantworten.

23-Jähriger vor Gericht

Wodka geklaut - und dann fast totgefahren

Starnberg - Weil er einen Mann mit dem Auto fast zu Tode gefahren hat, muss sich ein 23-jähriger Starnberger vor dem Landgericht München II verantworten. Die Anklage lautet auf versuchten Mord.

Im März 2013 hatte er in Pöcking Wodka gestohlen, zwei Monate später musste ein marokkanischer Asylbewerber (33) diesen Diebstahl fast mit dem Leben bezahlen. In Starnberg wurde er vom Sohn des Ladeninhabers wiedererkannt und mit dem Auto auf dem Gehweg zusammengefahren.

Gleich drei Verteidiger und ein eigener Gutachter empfingen den aus Afghanistan stammenden Angeklagten im Sitzungssaal. Der gab an, kaum ein Wort seiner vermeintlichen Muttersprache zu sprechen. Als zweijähriger Bub war er nach Deutschland gekommen. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann - und landete im väterlichen Betrieb. Dort nahm sich das Opfer eine Flasche Wodka mit - ohne zu bezahlen. Der 33-jährige Marokkaner flüchtete und konnte nicht ermittelt werden.

Zwei Monate später sah ihn der Angeklagte vor seiner Wohnung in Starnberg erstmals wieder. Er lief auf ihn zu, schrie ihn an und warf erbost dessen Jacke zu Boden. Der Marokkaner, des Deutschen nicht besonders mächtig, interpretierte den Auftritt als blinden Eifersuchts-Anfall, nachdem er zuvor eine Frau nach dem Weg zum Krankenhaus gefragt hatte. Rasch wechselte er die Straßenseite und lief stadtauswärts den Berg hinauf. Als der Angeklagte ihm nicht nachkam, wähnte er sich in Sicherheit, steckte sich seine Ohrstöpsel in die Ohren und hörte Musik - bis ihn ein Auto erfasste und er durch die Luft schleuderte. Es war der Angeklagte, der mittlerweile seinen Wagen geholt hatte. Er verfolgte mit Tempo 40 den Marokkaner, fuhr mit unverminderter Geschwindigkeit auf den Gehweg und erfasste den 33-Jährigen von hinten. Der prallte mit dem Kopf gegen die Frontscheibe, schleuderte gegen einen Zaun oberhalb der Böschung, verlor das Bewusstsein und rollte zum Straßenrand. Der Fahrer flüchtete.

Vor Gericht schwieg er zu dem Tatvorwurf. Seine Anwälte bestritten, dass er sein Opfer verletzen oder gar umbringen wollte. Trotz nicht vorhandenen Vorsatzes wurde ein Täter-Opfer-Ausgleich von 4000 Euro geleistet. In einem Brief an die Schwester des Opfers begründete er den Unfall mit mangelnden Fahrkünsten. „Ich habe die Kontrolle über das Fahrzeug verloren, nachdem ein Reifen geplatzt war.“ Der Prozess dauert an.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Der Biber als Landschaftsarchitekt im Ampermoos?
Spaziergängern bietet sich im Ampermoos ein Landschaftsbild, das manch einem Sorge bereitet: Biber haben zahlreich Bäume stark angenagt. Doch die Untere …
Der Biber als Landschaftsarchitekt im Ampermoos?
Sammelbecken Freie-Wähler-Liste
In Sachen Frauenquote sind die Freien Wähler aus Tutzing vorbildlich: 50 Prozent der Liste ist weiblich.
Sammelbecken Freie-Wähler-Liste
Rupert Steigenberger: Anführer einer jungen Liste
Die Mitglieder der Bürgergemeinschaft waren sich bei ihrer Aufstellungsversammlung einig: Einstimmig nominierten sie Rupert Steigenberger für das Bürgermeisteramt und …
Rupert Steigenberger: Anführer einer jungen Liste
Bürger mit vielen Wünschen: 596 Anregungen zur Ortsentwicklung in Seefeld
596 Beiträge gibt es zur Ortsentwicklung in Seefeld. Die gilt es aufzuarbeiten. Die Gemeinde kündigt eine große Veranstaltung zur Bürgerinformation an.
Bürger mit vielen Wünschen: 596 Anregungen zur Ortsentwicklung in Seefeld

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion