Starnberg: Nach heftigem Schüler-Mob vor Polizeiwache - Staatsanwaltschaft erhebt nun Anklage
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Aufnahme aus der verhängnisvollen Nacht: Vor der Polizeiwache in Starnberg Polizeiwache kam es zu einem Auflauf von Jugendlichen.

Nach Eskalation vor Polizeiwache

Schüler-Mob von Starnberg: Nun erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage - Die Liste ist lang

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Der Fall erregte großes Aufsehen: Im Sommer vergangenen Jahres wollte ein Schüler-Mob in Starnberg eine Polizeiwache stürmen. Nun erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage.

  • Zu einem Krawall am Rande eines Schulfestes kam es am 25. Juli 2019 in Starnberg.
  • Der Schüler-Mob sorgte für viel Aufsehen - nun steht die juristische Aufarbeitung der Fälle an.
  • Gegen elf Jugendliche wurde Anklage erhoben - sie sind keine Schüler des Gymnasiums Starnberg.
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Schüler-Mob von Starnberg: Schwere Vorwürfe nach Anklage - wichtige Fakten unberücksichtigt?

Update om 30. Mai, 9.06 Uhr: Hat die Staatsanwaltschaft München II bei den Ermittlungen rund um den Sturm auf die Starnberger Polizeiinspektion am 25. Juli 2019 wichtige Fakten unberücksichtigt gelassen? Diesen Vorwurf erheben die Münchner Rechtsanwälte Marco Noli und Markus G. Fischer gegenüber dem Starnberger Merkur.

Sie vertreten nach eigenen Angaben zwei der insgesamt elf angeklagten jungen Leute – und sie finden deutliche Worte: „Wir kritisieren, dass die Staatsanwaltschaft eine Version der Vorkommnisse publiziert, die sich nicht mit den in der Akte befindlichen Videoaufzeichnungen deckt.“ „Aus den in der Akte vorhandenen Videos ergibt sich eindrucksvoll, dass sich in der Situation direkt vor der Wache eine Personengruppe befand, die weit überwiegend friedlich war und deren Verhalten nicht als Landfriedensbruch zu werten ist. Vorausgegangen war die Festnahme eines dunkelhäutigen, damals 15-Jährigen, die von den feiernden Schülern als zu grob und möglicherweise rassistisch motiviert empfunden wurde.“ Einige Schüler hätten die Situation daher auch gefilmt.

Schüler-Mob von Starnberg: Schwere Vorwürfe der zuständigen Rechtsanwälte

Noli und Fischer bemängeln, dass die Staatsanwaltschaft diese Ermittlungsakten bislang weder dem Gericht noch der Verteidigung vorgelegt habe. Ihnen dränge sich der Verdacht auf, dass die Staatsanwaltschaft vor allem versuche, „vom damaligen Fehlverhalten der Starnberger Polizei abzulenken“, sagen sie. Es solle ein gewaltbereiter Mob kreiert werden, den es so nicht gegeben habe. „Die Staatsanwaltschaft tritt nunmehr wie eine PR-Agentur der Polizei auf, statt als ausgewogene Behörde zu agieren, und versucht, dadurch auf die gerichtliche Entscheidung Einfluss zu nehmen.“

Erstmeldung vom 28. Mai 2020

Starnberg - Zehn Monate nach den Krawallen vor der Starnberger Polizeiinspektion* steht die juristische Aufarbeitung der Vorfälle bevor. Die Staatsanwaltschaft München II hat gegen insgesamt elf junge Leute Anklage erhoben. Das erklärte deren Sprecherin, Oberstaatsanwältin Andrea Mayer, am Donnerstag (28. Mai).

„Den Angeschuldigten werden tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte, Widerstandshandlungen, Körperverletzungsdelikte, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Beleidigung und versuchte Gefangenenbefreiung vorgeworfen“, erklärt Mayer. Die Beschuldigten waren zum Tatzeitpunkt zwischen 15 und 19 Jahren alt. Nach Angaben Mayers stammen alle aus dem Landkreis Starnberg. Es handele sich jedoch nicht um Schüler des Gymnasiums, an dem damals das jährliche Sommerfest* stattfand. Vielmehr geht es um eine Gruppe junger Leute, die zeitgleich in der Nähe der Schule eine private Feier veranstalteten.

Starnberg: Schüler-Mob wollte Polizeiwache stürmen - 15-Jähriger ignorierte Platzverweis

Anlass der Auseinandersetzung war an jenem 25. Juli 2019, dass ein damals 15-Jähriger einen mehrfach ausgesprochenen Platzverweis ignorierte. Daraufhin nahmen ihn zwei Polizeibeamte in Gewahrsam und wollten ihn zur Wache bringen. „Hiergegen setzte er sich zur Wehr, während sich zeitgleich eine Gruppe aus etwa 40 bis 50 Personen, worunter sich die weiteren nunmehr Angeschuldigten befanden, zusammenrottete und die Freilassung des Angeschuldigten forderte“, erklärt Mayer. „In Richtung der Polizeibeamten erfolgten aus der Gruppe heraus Schläge, Tritte und Schubsen. Als die Polizeibeamten sich auf den Weg zur Dienststelle machten, wurden sie von mindestens der Hälfte der Personen der Gruppe schreiend verfolgt, wobei erneut aus der Gruppe heraus in Richtung der Polizeibeamten geschlagen und geschubst wurde.“

Schüler-Mob von Starnberg: Polizisten und Security-Mitarbeiter wurden massiv bedrängt

An der Dienststelle seien Polizeibeamte, aber auch Security-Mitarbeiter des Gymnasiums „weiterhin massiv von der Personengruppe durch Schreien, Schlagen und Schubsen bedrängt“ worden. Nachdem die Beamten sich in die Dienststelle begeben hätten, sei aus der Personengruppe heraus versucht worden, die Türe aufzuhalten und nach dem Schließen diese durch Tritte und Schläge zu beschädigen. Ein Schild und ein Briefkasten wurden durch Schläge beschädigt, ein Fenster der Dienststelle durch den Wurf einer Flasche und von Steinen.

Wie Mayer gegenüber dem Starnberger Merkur sagte, sind die Ermittlungen aus Sicht der Staatsanwaltschaft abgeschlossen. Der Prozess ist für den Herbst am Amtsgericht Starnberg geplant.

Die eingesetzten Polizeibeamten haben derweil keine rechtlichen Konsequenzen zu befürchten. Aus Reihen der Jugendlichen war der Vorwurf gekommen, dass zumindest ein Beamter einen 15-Jährigen mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe. Nicht zuletzt deshalb war das Dezernat für interne Ermittlungen des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) von Anfang an in die Untersuchungen eingeschaltet. „Das Verfahren in Richtung der Polizeibeamten wurde mangels Tatnachweises eingestellt“, teilt Mayer nun mit.

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