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Jobcenter Chef Gerhart Schindler (l.) im Gespräch mit Andreas Theile (r.).

Demonstration

Monatelanges Warten aufs Geld

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Starnberg - Beim Starnberger Jobcenter kam es zu massiven Verzögerungen in der Antragsbearbeitung. Jetzt protestierten die Betroffenen.

Die „Versammlung“ war bestens abgesichert: Vier Beamte der Polizeiinspektion Starnberg warteten am Montagmorgen auf die fünf Demonstranten aus Herrsching, die sich für eine Protestveranstaltung vor dem Jobcenter angekündigt hatten. Ihr Vorwurf: Eine Mitarbeiterin des Jobcenters verschleppe mutwillig die Genehmigungen von Leistungen, fordere immer wieder die selben Unterlagen an.

Für die Betroffenen sagt der Organisator der Protestveranstaltung, Andreas Theile, habe das dramatische Konsequenzen: „Uns droht die Obdachlosigkeit, weil teilweise seit Monaten nicht mehr die Miete überwiesen wird.“ Eine Frau aus Herrsching berichtet, dass sie Anfang Dezember den Antrag auf Hartz IV gestellt habe. Bis heute sei nichts auf dem Konto eingegangen. „Ich muss mir das Geld für die Krankenversicherung leihen“, klagt die Frau. Von Miete oder Lebenskosten ganz zu schweigen. Es ist kalt und ungemütlich an diesem Montagmorgen, während die Polizisten mit Andreas Theile verhandeln.

Der zitiert Paragraphen, während er sich an einem riesigen Plüschlöwen festhält, die Beamten wiederum meinen, die Versammlung hätte angemeldet werden müssen. Dann kommt Gerhart Schindler, der Leiter des Starnberger Jobcenters, vor die Tür und bittet die Protestierenden herein. Selbst Maya, der Husky darf mit in den Besprechungsraum. Die Betroffenen aus Herrsching machen ihrem Herzen Luft. Sie fühlen sich „pauschal kriminalisiert“ und „drangsaliert“. Schindler bemüht sich derweil um Deeskalation. Offen schildert er die massiven Personalprobleme, die es im vergangenen Jahr im Jobcenter gegeben habe. „40 Prozent des Personals haben über ein halbes Jahr gefehlt“, sagt Schindler. 

Da sei einiges zusammengekommen: Krankheiten, Versetzungen, Schwangerschaften. Das brachte die Mitarbeiter an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. „Normalerweise haben wir 40 Mitarbeiter, davon zwölf in der Leistungsabteilung. Jeder dieser Mitarbeitern betreut im Schnitt 150 Fälle“, berichtet der Chef des Starnberger Jobcenters. Gleichzeitig seien alle drei Mitarbeiterinnen im Empfangsbereich der Agentur ausgefallen, mussten durch Sachbearbeiter ersetzt werden. „Jetzt verstehe ich, warum hier nie jemand telefonisch zu erreichen ist“, entgegnet Protest-Chef Andreas Theile. Aber bei allem Verständnis für die internen Probleme: „Uns drohen die Vermieter mit Kündigung, wenn wir die Miete nicht bezahlen.“

 Schindler nimmt die Namen aller Anwesenden auf, verspricht zu prüfen, warum es derart lange gedauert hat. Aber Gesetz ist Gesetz, sagt er: „Steuerfinanzierte Leistungen wie Hartz-IV können nur gewährt werden, wenn alle Unterlagen vorliegen.“ Dann soll es aber jetzt wieder schneller gehen.

 „Wir haben in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit und dem Landratsamt erhebliche Anstrengungen unternommen, um neue Mitarbeiter zu finden und sind jetzt wieder voll besetzt“, sagt der Leiter des Starnberger Jobcenters. Der Gesetzgeber schreibe vor, dass maximal 15 Tage vergehen dürfen, bis ein Bescheid ergeht, wenn alle Unterlagen vorliegen. „Das haben wir in den letzten Monaten nicht geschafft. Aber jetzt arbeiten wir den Rückstand auf“, verspricht Schindler. Das reicht auch den Protestierenden. „Ich bin froh, dass wir einen Gesprächsprozess in Gang setzen konnten“, sagt Andreas Theile.

Draußen vor der Tür warten immer noch zwei Polizisten.

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