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Die Tutzinger Gilde und zahlreiche weitere Vereine aus dem Landkreis Starnberg bereichern traditionell den Wiesnumzug. Bislang hat noch keiner der Vereine seine Teilnahme für dieses Jahr abgesagt.

Terrorgefahr beim Wiesnumzug

„Sonst müssten wir alle im Bett bleiben“

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Die Angst vor möglichen Terroranschlägen sitzt tief. Deswegen sagte unter anderem der Heimat- und Trachtenverein Bernried seine Teilnahme am traditionellen Wiesnumzug ab. Was denken die eingeladenen Vereine aus dem Landkreis Starnberg über das Thema?

Am Ende waren es nur noch drei von 65 gemeldeten Mitgliedern aus Bernried, die am Umzug teilnehmen wollten. Deshalb teilte der Vorstand mit, dass man in diesem Jahr auf eine Teilnahme ganz verzichtet (wir berichteten).

Für Stefan Pfeifer von der Hechendorfer Blasmusik ist das keine Option: „Wenn wir sämtliche Gefahren ausschließen wollten, müssten wir zu Hause im Bett bleiben“, sagt er. Allerdings räumt er ein, dass das Thema Sicherheit bislang im Verein noch nicht diskutiert worden ist. „Sicher ist eine gewisse Gefährdungslage erkennbar“, meint Pfeifer. Allerdings „hätten die Terroristen genau das erreicht, was sie wollen, wenn wir jetzt klein beigeben und die Veranstaltung absagen.“ Seit 1986 ist die Hechendorfer Blasmusik dabei. Heuer zum 31. Mal in Folge. „Es ist schon eine Ehre, wenn man zum Wiesnumzug eingeladen wird. Natürlich spielt da jetzt auch die Überlegung herein, dass man im kommenden Jahr vielleicht nicht mehr gefragt wird, wenn man heuer absagt“, so Pfeifer weiter. Mit rund 30 Vertretern wollen die Hechendorfer im September beim Wiesnumzug dabei sein.

"Ich weiß nicht, ob ich dieses Jahr auf die Wiesn gehe"

Nicht eingeladen sind in diesem Jahr die Mitglieder des Heimat- und Volkstrachtenvereins Starnberg, berichtet die 1. Vorsitzende Judith Bucher. Jetzt könne man auch nicht mehr für die Bernrieder einspringen, meint sie. Allein die Vorbereitung des Festwagens würde rund drei Monate dauern. Bucher äußerte großes Verständnis für die Entscheidung der Trachtler aus Bernried: „Ich bin Mama von zwei Kindern und weiß auch nicht, ob wir dieses Jahr auf die Wiesn gehen.“

Mit knapp 100 Mann wollen die Mitglieder des Trachtenvereins „Kienthaler“ aus Andechs-Erling in München anrücken. „Natürlich denkt der eine oder andere im Verein darüber nach, ob es sicher genug ist, beim Umzug mitzulaufen und anschließend auf der Wiesn zu feiern“, sagt der 1. Vorsitzende Christoph Benedikter auf Anfrage des Starnberger Merkur.

Andererseits habe er noch nie Sorgen um die Sicherheit gehabt, wenn er am Wiesnumzug teilnimmt: „Wir waren schon drei oder viermal dabei. Da stand alle 50 bis 100 Meter ein Polizist. Ich nehme an, dass die Sicherheitsvorkehrungen in diesem Jahr noch verbessert werden.“ Passieren könne immer und überall etwas, so Benedikter. „Aber wenn der liebe Herrgott mich holen will, dann holt er mich“, so sein Fazit.

Dennoch nehme man im Verein die Sorgen der Teilnehmer – neben dem Trachtenverein sind auch die Blaskapelle und die Trommlergruppe mit von der Partie – ernst. Deswegen denke man darüber nach, ob man in dem Schreiben, das im Vorfeld des Wiesnumzugs an die Mitglieder geschickt wird, ein Angebot unterbreite: „Wir fahren in der Regel mit zwei Bussen nach München. Es wäre denkbar, dass einer der Busse direkt nach dem Umzug wieder nach Hause fährt und alle mitnimmt, die nicht anschließend noch auf die Wiesn wollen“, denkt Benedikter laut nach.

"Ich lass mir von Terroristen nicht unsere Traditionen kaputtmachen"

Auch die Tutzinger Gilde wird am Umzug teilnehmen. Die 1. Vorsitzende Carola Falkner meinte: „Ich lass mir nicht von Terroristen unsere Traditionen kaputtmachen.“ Insgesamt 125 Trachtler aus Tutzing wollen mit ihrem Vierspänner beim Großereignis dabei sein.

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