+
Winter-Paddler Manuel Stanuschewski

SUP im Winter

"Im Winter gehört der See Dir allein"

  • schließen

Percha - Wenn andere den Kamin anfeuern, schlüpft Manuel Stanuschewski in den Trockenanzug und paddelt über seinen geliebten Starnberger See.

Die Idylle ist trügerisch. Zwar hat die tiefstehende Wintersonne für die Jahreszeit noch ordentlich Kraft und sorgt am Seeufer für frühlingshafte Temperaturen, das Wasser des Starnberger See indes ist sechs Grad kalt. Fällt man rein, bleiben einem normalerweise nur wenige Minuten, bevor jede Rettung zu spät ist. „Alles eine Frage der Ausrüstung“, sagt Manuel Stanuschewski und zieht den Reißverschluss seines Trockenanzuges nach oben. Er ist begeisterter Stehpaddler – gerade im Winter. „Schau doch raus“, meint Stanuschewski und zeigt raus aufs Wasser. Spiegelglatt liegt der See da, ein paar aufgeregte Enten zanken sich mit den miesepetrigen Schwänen. Man merkt es dem Münchner an: Er will raus aufs Wasser, in die Natur, die Einsamkeit, die Ruhe, die da draußen auf ihn wartet. Dabei hat er erst vor zweieinhalb Jahren zum ersten Mal auf einem SUP-Brett gestanden.

„Eine Freundin hat mich damals mitgenommen“, sagt Stanuschewski. Gleich beim ersten Mal stand Casey, sein Hund, mit auf dem Brett. Seitdem sind die beiden unzertrennlich. So lange das Wetter es zulässt – also eigentlich immer, wenn nicht gerade Sturm herrscht – sind Manuel und Casey unterwegs auf den Seen in Oberbayern. Gern auf dem Kochelsee, dem Eibsee an der Zugspitze. Aber besonders häufig auf dem Starnberger See. „Da sind wir nicht mal eine halbe Stunde mit dem Auto unterwegs“, sagt der Stehpaddler. In der Regel starten die die beiden von Percha aus. Paddeln über den See bis zu einem hübschen Waldstück, in dem sich Casey austoben kann. Ist das nicht eine höchst wackelige Angelegenheit, wenn da auch noch ein Hund auf dem Brett herumturnt? Manuel Stanuschewski lacht: „Ins Wasser gefallen sind wir noch nicht. Aber wenn ich nach rechts schaue und Casey links ein Eichkatzerl gesehen hat, kann es schon ein bisschen schwierig werden, das Gleichgewicht zu halten.“ Neben dem Hund hat Stanuschweski immer die Kamera dabei.

Die Fotos, die er auf dem See und bei seinen Entdeckungstouren macht, veröffentlicht er auf seinem „Instagram“-Profil. Das ist ein soziales Netzwerk ausschließlich für Bilder. Die Zahl seiner Fans stieg derart schnell an, dass der Hersteller seines Boards auf den winterfesten Stehpaddler aufmerksam wurde. „Die haben angeboten, mich zu sponsern“, berichtet er. Wird man damit reich? „Nein, nein. Der Hersteller meinte, es wäre schön, wenn auf den Bildern immer das aktuellste Board zu sehen ist. Seitdem bekomme ich jedes Jahr das neueste gestellt. Hab ich nichts gegen“, sagt Manuel und grinst. Bei den langen Touren, die er im Sommer unternimmt – das können gern 30 Kilometer und – „merkt man wirklich jedes Gramm beim Paddel.“ Gerade im Winter sei wichtig, die passende Ausrüstung zu haben, so der passionierte Stehpaddler. Dazu gehört neben dem Trockenanzug, der im Falle eines Falles dafür sorgt, dass er nicht auskühlt, wenn das Board doch einmal kentern, auch eine Smartwatch. Das sind im Prinzip mit dem Handy gekoppelte Minicomputer für das Handgelenk. Darauf lässt Manu permanent das Wetterradar laufen. Ein bisschen Regen macht nichts, aber Sturmböen können sehr schnell sehr gefährlich werden. Im Sommer – der Paddler und sein Hund machten gerade Pause auf der Roseninsel bei Pöcking – meldete die Uhr, dass ein Sturmtief im Anmarsch ist. „Da habe ich nach Kräften gepaddelt, um rechtzeitig vor dem Unwetter wieder am Ufer in Percha zu sein“, sagt Stanuschewski. Verdammt anstrengend. Und irgendwie umsonst: Das Sturmtief zog vorbei.

Aber auch wenn er im Winter den See ganz für sich allein hat, ihn nicht mit Seglern oder Ruderern teilen muss – aufpassen muss man schon. Doch die Ruhe und wunderschöne Natur würden das Risiko aufwiegen, sagt der Stehpaddler, klettert auf sein Brett und paddelt los. Die Zeit drängt: In wenigen Stunden wird es dunkel. Weite Touren sind da nicht drin. Aber nächsten Sommer, da will er endlich seinen eigentlichen Rekord brechen: Von Percha im Norden bis Seeshaupt im Süden und zurück – an einem Tag: „Da muss man aber morgens um sieben starten, wenn man es schaffen will.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Auto rollt samt Fahrer Straße hinunter
Starnberg - Rückwärts ist ein 78-Jähriger mit seinem Auto in Starnberg eine Straße hinuntergerollt - bis es krachte. Der Grund war eindeutig.
Auto rollt samt Fahrer Straße hinunter
Frey: „John präsentiert nur Scheinlösungen“
Starnberg - Tunnel oder Umfahrung? Die Starnberger Stadträte Patrick Janik und Stefan Frey üben im Interview scharfe Kritik an Bürgermeisterin John.
Frey: „John präsentiert nur Scheinlösungen“
Hanfelder Straße: John stellt am 23. Januar ihr Konzept vor
Starnberg – Im Gespräch mit dem Starnberger Merkur hatte sie es bereits angekündigt, jetzt steht der Termin fest: Bürgermeisterin Eva John lädt Anlieger und …
Hanfelder Straße: John stellt am 23. Januar ihr Konzept vor
Undosa wird ein Fall fürs OLG
Starnberg – Ursprünglich hätte das Undosa am Donnerstag vergangener Woche wieder die Gerichte beschäftigen sollen. Hätte – denn der zuständige Richter am Landgericht …
Undosa wird ein Fall fürs OLG

Kommentare