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Der Traum vom Eigenheim droht zu platzen: Verena Röhrig-Wöllner, Lars Röhrig, Alexander Hills, Afra Lorbacher, Simon Lorbacher und Stefan Engels (v.l.) sind nicht gut auf die Stadt zu sprechen. Foto: peter Schiebel

Zusage war schon fix

Stadt macht großen Fehler: Eigenheim-Traum für Familien vor dem Aus - neuer Kosten-Hammer

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Panne in Starnberg: Im Rahmen des Einheimischenmodells „Am Wiesengrund“ wurden Familien bereits Zusagen gemacht - jetzt droht eine bittere Enttäuschung.

  • Der Stadt Starnberg ist bei der Vergabe von Grundstücken ein folgenschwerer Fehler unterlaufen
  • Familien hatten bereits Zusagen für den Bau von Eigenheim bekommen
  • Betroffene Bewerber sind frustriert, Anwälte empört

Update vom 28. November 2019, 16.20 Uhr: Nach der folgenschweren Panne bei der Grundstücksvergabe gibt es nun die nächste Diskussion über das Einheimischenmodell Am Wiesengrund in Starnberg. Die Kosten für die Erschließung haben sich gegenüber ursprünglichen Berechnungen offenbar vervielfacht.*

Starnberg/Bayern: Stadt mit schwerem Patzer - Traum vom Eigenheim platzt

Erstmeldung vom 27. November 2019

Starnberg – Die Finanzierung mit derBank: längst erledigt. Die Angebote von Baufirmen: bereits eingeholt. Selbst mit dem Küchenbauer hat sich Lars Röhrig schon per Handschlag geeinigt. Bloß: Seit einem knappen Monat ist völlig offen, ob der Starnberger zusammen mit seiner Ehefrau Verena Röhrig-Wöllner im Rahmen des Starnberger Einheimischenmodells Am Wiesengrund jemals ein Reihenhaus bauen kann.

Das Ehepaar gehört zu jenen 23 Bewerbern, die von der Stadt bereits eine Zusage erhalten hatten, nun aber aufgrund eines dicken Patzers im Rathaus wieder bangen müssen. Zusammen mit anderen Betroffenen nutzten die Röhrigs am Montagabend die Bürgerversammlung der Stadt, um auf ihre Situation hinzuweisen.

Patzer der Stadt Starnberg - Der konkrete Fall

Wie berichtet*, ist der Stadt bei der Bewertung der 268 Bewerbungen für die 51 Reihenhausgrundstücke ein folgenschwerer Fehler unterlaufen. Eine Familie erhielt zehn Punkte weniger als ihr zustand. Mit der korrekten Punktzahl wäre die Familie gleichauf im ersten Viertel gelandet mit 39 weiteren Bewerbern. 23 von ihnen bekommen ein Grundstück, 17 gehen leer aus. Problem: Der Fehler fiel erst auf, nachdem die Rangfolge der punktgleichen Bewerber schon ausgelost war – ohne jedoch die Familie zu berücksichtigen.

Familien in Starnberg droht bittere Enttäuschung: Brisante Briefe

Nach der Auslosung im Ferienausschuss des Stadtrats am 31. Juli informierte die Stadt mit Schreiben vom 1. und 2. August die Bewerber über das Ergebnis. Bei Röhrigs knallten im übertragenen Sinn die Sektkorken, ebenso bei Stefan Engels. „Ich lebe seit 14 Jahren in Söcking, bin verheiratet und habe drei Kinder“, sagte er am Montag. Der Zuschlag war die Chance für die Familie, ihre Zukunft in der Stadt zu sichern.

Zwar meldete sich der Anwalt der zu niedrig bewerteten Familie bereits wenige Tage später im Rathaus, die Verwaltung informierte die Bewerber allerdings erst mit Datum vom 30. Oktober, also knapp drei Monate später, über den Fehler und die Folgen: Sie will die Plätze neu auslosen. „Da bricht alles zusammen“, sagte Engels im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Zumal ihm seit August zweimal im Rathaus bestätigt worden sei, dass alles in Ordnung sei. Simon Lorbacher, ein weiterer Bewerber, sprach vom „worst case“.

„Wenn ich als Kaufmann ein Geschäft abschließe, dann halte ich mich daran“, sagte Engels enttäuscht – gab sich aber auch kämpferisch: „Zum Glück gibt es ein Verwaltungsrecht, und wir genießen sehr großen Schutz.“

Starnberger Rechtsanwältin: „Es gibt schon beauftragte Häuser“

Bis zum vergangenen Freitag hatte die Verwaltung den 40 punktgleichen Bewerbern eine Frist eingeräumt, zu dem beabsichtigten neuen Verfahren Stellung zu beziehen. Die Starnberger Rechtsanwältin Annette Kriebel, die zehn Parteien vom Wiesengrund vertritt, hat sich für ihre Mandanten geäußert. Darunter sind auch Familien, deren aktuelle Vermieter bereits Eigenbedarfskündigungen verschickt haben. „Es gibt schon beauftrage Häuser.“

Kriebel verwies auf das Verwaltungsverfahrensgesetz, das den Bürgern einen Vertrauensschutz einräumt. Heißt: Die Bewerber sollen sich durch einen Verwaltungsakt wie geschehen darauf verlassen können, dass sie die Grundstücke auch erhalten. Sollte die Stadt anders entscheiden, empfehle sie ihren Mandanten, entsprechende Rechtsmittel einzulegen, sagte Kriebel gestern dem Starnberger Merkur. Der Stadt droht im schlimmsten Fall also eine Klagewelle der 23 Bewerber.

Bürgermeisterin Eva John kündigte am Montag an, im Januar das weitere Vorgehen im Stadtrat beraten zu wollen – also gut fünf Monate nach den August-Briefen bezüglich der Zuweisung der Grundstücke. Bis dahin soll der Rechtsberater der Stadt die eingegangenen Schreiben bewertet haben. „Wir halten es für sehr schwer und zu spät, sich erst im Januar mit uns in Verbindung zu setzen“, sagte Stefan Engels dazu.

Starnberg: Anwältin empört - Der Zeitplan

John hält eine frühere Beratung für nicht möglich. In der Bürgerversammlung bekannte sie aber: „Ich möchte nicht in Ihrer Situation stecken.“ Die Verwaltung habe sich bereits „mehrmals und vielfältig für dieses Versehen“ entschuldigt.

Anwältin Kriebel hatte in der Zwischenzeit Akteneinsicht für ihre Mandaten beantragt – ihr seien im Rathaus allerdings nur Auszüge und Kopien gezeigt worden, und die lückenhaft und zum Teil auch geschwärzt. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte Kriebel. „Eine Originalakte habe ich nicht gesehen, weder am PC noch im Leitz-Ordner.“ Aufgeben kommt für die Ehepaare Röhrig, Engels und Lorbacher bislang dennoch nicht infrage. „Ich habe nach wie vor die Hoffnung, dass wir ein Grundstück am Wiesengrund bekommen“, sagte Lars Röhrig.

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