+
Vor 35 Jahren hat der Tennispark Starnberg seinen Betrieb aufgenommen. Die Halle ist sanierungsbedürftig, das Dach marode, der Boden müsste erneuert werden, die Beleuchtung hinkt dem Stand der Technik hinterher. FO

Tennispark Starnberg

Weißer Sport auf dem Abstieg

Starnberg - Der Tennispark Starnberg steht vor dem Aus. Inhaber Peter Lang hat die Halle dem Landratsamt als Flüchtlingsunterkunft angeboten. Auch wenn die Behörde nicht zugreifen sollte, sind die Tage der gesamten Anlage gezählt.

Die Anhänger des so genannten weißen Sports bewegen sich in Starnberg auf dünnem Eis, um im jahreszeitlichen Jargon zu bleiben. Die Bayerische Hausbau hat einen Großteil der Flächen verkauft, auf denen der TSV Starnberg am Riedener Weg seine Tennisplätze angelegt hat. Der neue Eigentümer möchte dort Wohnraum schaffen. Darüber haben wir bereits berichtet. Nun droht den Tennisspielern am Starnberger See, dass ihnen die einzigen Hallenplätze verloren gehen, und damit die Spiel- und Trainingsmöglichkeiten im Winterhalbjahr. Wenn es nach dem Wunsch von Tennispark-Betreiber Peter Lang geht, soll das Landratsamt ab Mai 2016, also nach Ende der Wintersaison, die Halle als Unterkunft für Asylbewerber nutzen. Dieses Angebot hat Lang der Kreisbehörde bereits unterbreitet. Er erhofft sich, dadurch seinen finanziellen Spielraum etwas zu erweitern. Denn momentan ist der Gürtel mehr als eng geschnallt.

Dabei hat die Halle dringenden Sanierungsbedarf. Das Dach ist marode und müsste erneuert werden. 2008 hat es bei einem Hagelunwetter schweren Schaden genommen. „4000 Einschläge“, sagt Lang, sind damals notdürftig geflickt worden. Seitdem hat sich nichts mehr getan. Denn eine Erneuerung des Daches kostet viel Geld, mindestens genau so viel dürfte die Entsorgung des alten kosten. Es handelt sich um Eternitplatten. Die enthalten Asbest – sind also Sondermüll. Der Boden der sechs Hallenplätze hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Ein neuer Belag würde eine mittlere sechsstellige Summe verschlingen. Und auch die Beleuchtung mit Leuchtstoffröhren ist nicht mehr auf dem Stand der Entwicklung. Eine Umrüstung auf energiesparende LED-Lampen bewegt sich ebenfalls im sechsstelligen Euro-Bereich.

Für das Dach hat Lang ein Angebot in der Schublade liegen. Für 250 000 Euro will eine Fachfirma die Sanierung durchziehen. Die wäre Voraussetzung, um eine Fotovoltaikanlage zu installieren. Auch dafür liegt ein Kostenvoranschlag auf dem Tisch: 1,7 Millionen Euro. Die Stromeinspeisung würde nicht nur zur Amortisation beitragen, sondern Lang noch einen Überschuss bescheren, um seine Verbindlichkeiten in Höhe von 1,5 Millionen Euro abzutragen, hat er sich vorrechnen lassen.

Lang hat allerdings diese Rechnung ohne die Stadt Starnberg gemacht, die Eigentümerin der Flächen ist, auf denen die Halle steht. Sie stimmt dem Energiesparprojekt nicht zu. Begründung: Die Beriebsdauer der Fotovoltaikanlage ist auf 20 Jahre ausgelegt und übertrifft damit die Laufzeit der beiden mit Lang abgeschlossenen Erbbaurechtsverträge um ein Vielfaches. Der 1978 für vier Hallenplätze abgeschlossene Vertrag ist nach 30 Jahren verlängert worden und läuft 2020 aus. Der zweite Vertrag für zwei Hallenplätze endet 2023. Lang hat zwar für beide Verträge noch eine weitere Option zur Verlängerung um zehn Jahre. Ober er diese Optionen aber ziehen kann bzw. wird, ist fraglich. Das hängt nicht nur von seiner finanziellen Situation ab. Peter Lang wird heuer Mitte März 80 Jahre alt.

Der Tennisparkbetreiber fühlt sich von der Stadt im Stich gelassen: „Die Starnberg legt wohl keinen Wert mehr auf die Sportnutzung.“ Schon seit einigen Jahren gibt es Begehrlichkeiten des benachbarten Baumarktes, sich auf das Tennisparkareal zu erweitern. Und Lang hat es schriftlich, dass die Stadt eine andere Nutzung ihres Grundstücks im Auge hat. Ähnliche Bestrebungen hegt auch die Bayerische Hausbau. Ihr gehören die Flächen, auf denen sich die acht Tennisplätze unter freiem Himmel befinden. Wie berichtet, wird über die Ansiedlung eines Mercedes-Autohauses auf dem Tennisparkgelände gemunkelt. Angeblich will der Autobauer seine Standorte in Starnberg (Petersbrunner Straße) und Gauting dort zusammenlegen.

Mit dem Angebot an das Landratsamt hat Lang nun die Reißleine gezogen. Er stellt sich eine Vereinbarung über drei Jahre vor. Die Halle umfasst 6750 m² überbauten Raum. Dazu zählen neben den Spielfeldern die Fläche der Sportgaststätte, die ehemalige Indoor-Golfanlage, das Büro, die sanitären Anlagen und Nebenräume.

Landratsamtssprechr Stefan Diebl bestätigt Langs Angebot. „Mehr gibt es aber noch nicht.“ Einmal seien bereits Mitarbeiter auf der Anlage bei Lang gewesen. „Am Donnerstag werden wir nochmals vor Ort sein, um zu schauen, ob die Halle überhaupt in Betracht kommt als Unterkunft“, sagt Diebl, „wenn ja, müssen wir auch noch mit der Stadt sprechen.“

Zwei Herzen schlagen in Lang’s Brust: Einerseits muss er sich finanzielle Beweglichkeit verschaffen, andererseits weiß er, mit einer anderen Nutzung der Tennishalle ist der weiße Sport an dieser Stelle dann passé. In der Wintersaion kommt Lang gut über die Runden. „Ich habe eine Auslastung von 100 Prozent.“ Aber: „Es fehlt der Sommer.“ Seit Jahren sind die Buchungen im Sommerhalbjahr rückläufig. Im vergangenen Jahr haben fast ausschließlich die Tennistrainer die Außenplätze bevölkert. Zwei der acht Spielfelder hat Lang in den beiden zurückliegenden Sommersaisons mangels Nachfrage schon gar nicht mehr herrichten lassen. Der Anfang vom Ende einer bisher 35-jährigen Tennispark-Ära?

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auto rollt samt Fahrer Straße hinunter
Starnberg - Rückwärts ist ein 78-Jähriger mit seinem Auto in Starnberg eine Straße hinuntergerollt - bis es krachte. Der Grund war eindeutig.
Auto rollt samt Fahrer Straße hinunter
Frey: „John präsentiert nur Scheinlösungen“
Starnberg - Tunnel oder Umfahrung? Die Starnberger Stadträte Patrick Janik und Stefan Frey üben im Interview scharfe Kritik an Bürgermeisterin John.
Frey: „John präsentiert nur Scheinlösungen“
Hanfelder Straße: John stellt am 23. Januar ihr Konzept vor
Starnberg – Im Gespräch mit dem Starnberger Merkur hatte sie es bereits angekündigt, jetzt steht der Termin fest: Bürgermeisterin Eva John lädt Anlieger und …
Hanfelder Straße: John stellt am 23. Januar ihr Konzept vor
Undosa wird ein Fall fürs OLG
Starnberg – Ursprünglich hätte das Undosa am Donnerstag vergangener Woche wieder die Gerichte beschäftigen sollen. Hätte – denn der zuständige Richter am Landgericht …
Undosa wird ein Fall fürs OLG

Kommentare