Rentner fährt Frau an

Starrsinn verblüfft selbst die Richterin

Percha - Als völlig uneinsichtig erwies sich ein Rentner aus München, der in Percha versehentlich eine Frau angefahren hatte. Verurteilt wurde er trotzdem.

Ein lauer Sommerabend vor den Perchaer Seestubn nahm vor knapp einem Jahr ein böses Ende: Beim Ausparken fuhr ein Rentner aus München eine Motorradfahrerin an, verletzte sie so am Knie und machte sich danach ungerührt aus dem Staub. Von Einsicht gab es bei dem 76-jährigen Münchner im Prozess nicht die geringste Spur.

Der Opel-Fahrer leugnete vor dem Starnberger Amtsgericht bis zuletzt hartnäckig die Kollision, für Richterin Christine Conrad und Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich lag der Schuldspruch in Sachen Unfallflucht und fahrlässiger Körperverletzung jedoch auf der Hand. Der Geldstrafe (50 Tagessätze à 30 Euro) nebst einmonatigem Fahrverbot ließ Richterin Conrad klare Worte folgen: „Ich habe selten einen Angeklagten gesehen, der dermaßen starrsinnig ist. Da kann man wirklich nur von manifester Uneinsichtigkeit sprechen.“

Laut Anklage war der Rentner seinen Opel Anfang August beim Vorwärts-Ausparken mit der Stoßstange frontal gegen das Knie einer soeben vom Motorrad abgestiegenen Neuriederin gefahren. „Plötzlich habe ich einen Wupps bekommen und mein Bein war eingeklemmt zwischen Motorrad und Stoßstange“, so die 50-Jährige, die ihre Schmerzen durch laute Schreie kundtat und hernach mit Knieprellung in die Klinik gebracht werden musste. „Das war unmöglich, eine totale Frechheit“, stellte die Geschädigte noch im Gerichtssaal fest.

Unbeeindruckt blieb hingegen der 76-jährige Angeklagte: „Eine Berührung hat es überhaupt nicht gegeben. Es ist gar nichts passiert.“ Im Prozess berief sich der Rentner auf 58 Jahre unfallfreies Autofahren und war sich bis zuletzt keiner Schuld bewusst. Trotz übereinstimmender Aussagen der Augenzeugen ließ sich der Münchner keineswegs umstimmen und wiederholte beharrlich: „Ich habe niemanden angefahren.“

Bei eindeutigem Geschehen und dokumentierten Verletzungen lief die renitente Haltung des Rentners ins Leere und veranlasste Staatsanwalt Heidenreich zur psychologischen Gesamteinschätzung: „Ich glaube, dass hier eine gehörige Portion Verdrängung mitspielt.“

Rubriklistenbild: © fkn

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