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Spezialist für Kopfbedeckungen: Das Geschäft „Breiter Hut & Mode“ (hier Mitarbeiterin Monika Klatzka) schließt. 

Viele Läden stehen leer

Der Starnberger Einzelhandel kämpft mit dem Internet - und mit dem Image der Stadt

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Viele Läden stehen schon leer, weiteren blüht dieses Schicksal demnächst. Nun verlässt ein tief verwurzeltes Modegeschäft die Stadt. Für Einzelhändler-Sprecher Gerald Funk ist nicht nur das Internet das Problem, sondern auch das Starnberger Image.

Starnberg – Wie schnell sich ein weltweiter Strukturwandel vor der Haustür bemerkbar machen kann, erstaunt Gerald Funk schon etwas:„Dass hier so viel leer steht, war vor drei, vier Jahren noch undenkbar“, sagt er. Funk ist Vorsitzender der Starnberger Cityinitiative, ein Zusammenschluss von 80 Einzelhändlern, Hauseigentümern und Gastronomen. Seiner Aussage nach stehen aktuell acht Läden leer – „und noch einmal so viele werden zur Vermietung angeboten“.

Schluss ist Ende des Monats bei „Breiter Hut & Mode“ an der Hauptstraße. Es kämen einfach zu wenig Kunden, die Frequenz lasse seit Jahren nach, sagt Geschäftsführer Alexander Breiter. „Um sich einzukleiden, fahren die Leute eher nach München. Kleinigkeiten bestellen sie im Internet.“ Und von ein paar Socken könne man nicht leben.

Breiter ist kein Einzelfall. Das Papierwarengeschäft „Papeterie“, die Buchhandlung Greiner, die ehemalige Seeapotheke, das Koffer- und Taschengeschäft „Bagboard“, das Spielwarengeschäft und die Lederboutique an der Hauptstraße: Sie alle treten oder traten den Rückzug aus Starnberg an. Für Einzelhandel-Sprecher Funk ist das „ein Phänomen von Flensburg bis Garmisch“. Die voranschreitende Digitalisierung beklagen und auf Menschen schimpfen, die nur noch online Produkte ordern, will er nicht. Stadt, Händler und Gastronomen müssten sich gemeinsam auf das veränderte Konsumverhalten einstellen: „Die Menschen kommen nicht mehr in die Stadt, um gezielt etwas zu kaufen“, sagt Funk. Man müsse sie beim Bummeln für sich gewinnen, Sitzmöglichkeiten und allgemein „Orte mit hoher Aufenthaltsqualität“ schaffen.

„Der Ruf ist schlechter als die Wirklichkeit“

Ein Faktor ist für Funk auch das schlechte Starnberger Image. „Es heißt oft, hier ist ständig Stau, und es gibt keine Parkplätze. Aber der Ruf ist schlechter als die Wirklichkeit – auch im Vergleich mit anderen Städten.“ Der Händler räumt allerdings ein, dass er auch in seinem eigenen Kochgeschäft „Cucinella“ an der Maximilianstraße wegen der Kundenfrequenz zu kämpfen habe.

Finanzielle Sorgen bereitet Alexander Breiter die Aufgabe der Starnberger Filiale kaum. Es sei ohnehin die umsatzschwächste des Unternehmens, und das Online-Geschäft laufe gut. Die vier Mitarbeiter kommen in den Münchner Filialen am Isartor und Marienplatz des selbstbetitelten größten Huthauses Europas oder in Tochtermärkten unter. „Aber mir tut es um unsere treuen älteren Kundinnen leid, die nicht so einfach nach München fahren können.“ Den Laden in seinem Geburtshaus in Starnberg zu schließen, findet Breiter vor allem „aus emotionaler Verbundenheit sehr schade“. Leere kehrt nach den Sanierungsarbeiten dort allerdings nicht ein: Die Familie vermietet die Räumlichkeiten ab März an das Einrichtungshaus „Alamati Design“. Die Firma betreibt seit 1989 mit Standortwechseln und Unterbrechungen Filialen in der Stadt. Sie vertreibt antike Möbel, Gemälde, Kunstgegenstände und vor allem klassische und Designer-Teppiche.

Rupprecht: „Tolle Stadt, tolles Publikum“

Sehr gute Erfahrungen mit dem Standort Starnberg hat die Buchhandlung Rupprecht gemacht, die im September an der Maximilianstraße eine neue Filiale eröffnete. „Das Geschäft ist super angelaufen. Für uns ist das eine tolle Stadt mit einem Publikum, das sich für Bildung, gesellschaftliche und kulturelle Themen interessiert“, sagt Geschäftsführer Johannes Rupprecht. Der Laden habe bewusst auch am Samstagnachmittag bis 17 Uhr geöffnet – „weil da die meisten zusperren“. Der Buchhändler führt vor, wie sich Online- und Offline-Geschäft verbinden lassen. „Viele Kunden bestellen auf unserer Internetseite, holen ihre Bücher aber im Laden ab“, sagt Rupprecht. So sparen sie sich den Zirkus mit dem Zahlungsverkehr und müssen ihre Daten nicht im Internet hinterlassen.“

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