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Back-Roll im italienischen Nachthimmel: Maximilian Preissinger wird auch für Fotoshootings und Videodrehs gebucht.

Snowboard

Deutschlands Olympiahoffnung kommt aus Starnberg

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Starnberg - Er ist der einzige männliche Snowboarder, der in den Disziplinen Slopestyle und Big Air dem deutschen Olympiateam angehört. Maximilian Preissinger hat gerade Abitur gemacht und konzentriert sich die nächsten Jahre ausschließlich auf die Vorbereitung zu den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang/Südkorea.

Endlich Abitur, endlich volljährig, endlich Autofahren. Maximilian Preissinger, der vor eine Woche seinen 18. Geburtstag feierte, fühlt sich so richtig frei. Und das, obwohl er einen so engen Terminplan hat wie kaum einer seiner Altersgenossen.

Preissinger ist Deutschlands Olympiahoffnung für die Winterspiele 2018 in Pyeongchang/Südkorea. Der 18-Jährige ist derzeit hierzulande der einzige männliche Snowboarder, der in den Disziplinen Slopestyle und Big Air (siehe Kasten) Chancen hat, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Neben ihm gehören in diesen beiden Freestyle-Kategorien noch Silvia Mittermüller (TSV Unterhaching) und Nadja Flemming (WSV Röhrmoos) dem deutschen Olympiateam an.

Jetzt, nachdem er die Schule abgeschlossen hat, kann sich der junge Starnberger voll und ganz seiner großen Leidenschaft, dem Snowboardfahren widmen. „Mehr oder weniger bin ich jetzt Snowboard-Profi“, sagt Preissinger, der sehr glücklich ist, dass er sein Abi mit einem Notenschnitt von 3,3 geschafft hat, obwohl er im letzten Schuljahr „nur etwa 50 Prozent im Unterricht“ war. Die anderen 50 Prozent verbrachte das Snowboard-Talent auf Gletschern und Schanzen – was nur möglich war, weil das Gymnasium Starnberg den Leistungssportler zu Training und Wettkämpfen freistellte. Ein weiteres Jahr Schule wäre nicht mehr vereinbar gewesen mit seinen sportlichen Ambitionen. Denn jetzt wird es richtig ernst.

Preissinger wohnt schon seit längerem in einer WG in Schladming, von wo er täglich auf den Dachsteingletscher fährt, um seine spektakulären, gut fünf Meter hohen Sprünge und Tricks zu trainieren. „Seit fünf Wochen bin ich praktisch jeden Tag für fünf Stunden auf dem Berg, nur für die Abiprüfungen bin ich immer heimgefahren“, erzählt Preissinger. Während ein Großteil seiner ehemaligen Schulkameraden auf eigene Faust um den Erdball reist, sieht Preissinger die Welt dank seines außergewöhnlichen Talents. Mitte August fliegt er für viereinhalb Wochen nach Australien „zum Schanzentraining“. Am 10. November beginnt dann die Weltcupsaison; in Mailand findet der erste von insgesamt 13 Wettkämpfen des FIS-Wettbewerbs statt, anschließend geht es weiter unter anderem nach Lake Placid, Moskau oder Tazawako (Japan).

Und dann gibt es ja noch die nicht vom Internationalen Skiverband FIS organisierten Wettbewerbe wie das Air & Style, eines der größten Freestyle-Snowboard-Festivals der Welt. „Ich hoffe, dass ich da wieder dabei sein darf“, sagt Preissinger. Eine Teilnahme an diesem Wettbewerb ist quasi der Ritterschlag für jeden Freestyle-Boarder. Nur die besten 24 Fahrer werden dazu vom Veranstalter eingeladen. In der vergangenen Saison hatte Preissinger erstmals die Ehre, bei der Air & Style-Tour in Peking und in Los Angeles zu starten. „Das war gigantisch. Ich konnte zwar nicht ganz mit den Super-Pros mithalten, aber es ist ein einmaliges Erlebnis, vor etwa 4000 Zuschauern seine Sprünge zu zeigen.“

Doch das Hauptziel ist und bleibt Olympia 2018. Für Maximilian Preissinger ist keine Frage, dass er die Qualifikationsnormen des Internationalen Olympischen Kommitees (IOC) und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) schaffen wird. Und sollte er auch weiterhin von Verletzungen verschont bleiben – bislang erlitt er in seiner Karriere nur einen Schlüsselbeinbruch –, dann sollte einer Reise nach Pyeongchang in zwei Jahren nichts im Wege stehen.

Slopestyle und Big Air

Slopestyle ist eine Wettkampfform, die aus dem Snowboarden und Freeskiing kommt. Dabei wird ein Parcours mit unterschiedlichen Hindernissen in einem zusammenhängenden Lauf durchfahren und von einer Jury bewertet. In vielen Skigebieten gibt es mittlerweile Funparks, die ähnlich aufgebaut sind wie ein Slopestyle-Parcours. Es gibt Kicker (Sprungschanzen) und Rails (Geländer) in verschiedensten Variationen. Der Parcours ist so gestellt, dass die Fahrer viele Möglichkeiten haben, die einzelnen Elemente zu kombinieren. Bei einem Wettbewerb wird darauf geachtet, wie der Fahrer die einzelnen Elemente nutzt (Kreativität), welche Tricks (Spins, Flips, Grabs backside oder frontside, Slides normal oder switch) er macht und wie er sie ausführt.

Beim Big Air handelt es sich um eine große Schanze, über die die einzelnen Fahrer springen und versuchen, dabei möglichst schwierige Tricks zu machen und zu stehen. Bewertet wird dies – wie zum Beispiel beim Kunstturnen oder Turmspringen – von Punktrichtern in den Kategorien Style, Schwierigkeit, Höhe des Tricks und Landung. Die so genannten Air-Tricks bestehen in der Regel aus Spins (Schrauben, Drehungen um die Körperlängsachse), Flips oder Rolls (Salti, Drehungen um die beiden Körperquerachsen) und Grabs (Griffe ans Brett), die auch miteinander kombiniert werden können. Die Anzahl der erfolgten Drehungen wird in Grad angegeben und in 180-Grad-Schritten gezählt: zum Beispiel ist ein five-fourty (540 Grad) eine Ein-Einhalb-Drehung. Ein schwieriger Sprung um drei Rotationsachsen ist zum Beispiel der Backside Cork (Backside-Drehung mit Back-Flip und Front-Roll). mib

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