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Die Verwirrung wird durch den Brief ausgelöst, den Taugenichts (Christina Lütjering) und die alte Frau (Julia Draeger) lesen, im Hintergrund verfolgt von Taugenichts 2 (Julia Wensauer).

Gymnasium Starnberg

Kühnheit siegt

Starnberg - Es ist ein wahrhaft kühnes Projekt, das sich die P-Seminarler des Gymnasiums Starnberg vorgenommen haben – der „Taugenichts“, jene wunderbare romantische Novelle von Joseph von Eichendorff, als Theaterstück. Ein Jahr lang hat das P-Seminar Theater daran gearbeitet, hat den Text umgeschrieben, hat Handlungsstränge, Dialoge herausgearbeitet und alles zu einem Bilderbogen verknüpft. Die Premiere wird zur wunderbare Welturaufführung.

Zur Premiere der unter Leitung von Katja Böhm entstandenen „Welturaufführung“ des in „Der Taugenichts taugt mehr als nichts“ umbenannten Stückes bewiesen die Schüler, dass Kühnheit siegt und der Titel seiner Aussage alle Ehre macht.

Der Funke springt über, der Beweis ist geliefert. Der Taugenichts taugt auch auf der Bühne. Bei der Premiere zog das Publikum mit dem Müßiggänger nach Italien und zurück, wandelte auf den Wegen, die aus der Welt hinaus und in den gelebten Augenblick hinein führen mit der Botschaft: Wenn man sich nur treiben lässt, ist das Schicksal auch ein Abenteuer.

Die Leichtigkeit des Seins, sie kommt auch bei dieser Inszenierung rüber. Die neuen Theatervorhänge in der Schulaula werden mit aufgesteckten Blumen zur ländlichen Idylle, Vogelgezwitscher aus dem Off, paar Blumen am Bühnenrand unterstreichen das Landleben, eine schwarze Treppe dient als Schloss, eine Leiter als Baum, als Schiff, als Atelier. Das reicht. Dazu aber ein Taugenichts (Christina Lütjering), der wie aus dem Bilderbuch entsprungen ist. Kornblaue Hose, weißes Hemd, fransiger Strohhut.

Der Taugenichts wirbelt von Ort zu Ort, getrieben, ausgelassen, arglos. Geschickt dabei die Idee der Regie, einen zweiten Taugenichts als Figur zu installieren, der im Hintergrund das Geschehen der Handlung stumm kommentiert als Spiegel seines Innenlebens. Eine undankbare Rolle zwar, die Julia Wensauer tapfer von der ersten bis zur letzten Minute durchhält, aber eine der guten Einfälle, die diese Inszenierung aufwerten.

Daneben überzeugt die schauspielerische Leistung aller Beteiligten durch Leichtigkeit und Natürlichkeit, Charme, Tempo, Dynamik, spritzige Auftritte. Christina Lütjering als Taugenichts hatte nicht nur textlich einen Riesenpart zu bewältigen. Sie stand in jeder Szene im Mittelpunkt und trug die Szenen durch ihre Bühnenpräsenz, ihre überbordende Spielfreude und raumfüllende Körpersprache. Ein wahrer Wirbelwind, bisweilen, der aber auch gerne mal zur Ruhe kommt und in der Wiese liegend die Seele baumeln lässt.

Regisseurin Katja Böhm versteht es, aus allen Schauspielern das Beste zu holen, freut sich aber schon jetzt auf die Verstärkung der Theaterleitung durch Christian Lichtenegger, ein neuer Referendar, der die Premiere neugierig beäugte und als begeisterter Schultheaterleiter vorgestellt wurde. Das Ensemble lebt auf der Bühne. Schön auch das live gespielte romantische Liedgut von Antonia von Ellerts (Geige) und Valentin Windorfer (Gesang).

Die Mitwirkenden neben den Erwähnten: Michaela Graf, Judith Rörig, Giulia Kientz, Lisa Kopelke, Klara Six, Isabella Lüdecke, Lena Friedrich, Riva Aggias, Julia Draeger. Hannes Burger als Quotenmann gab einen herrlich komischen Spion ab. Die drei männlichen Lehrkräfte, die im Schlussbild mit im Boot saßen, blieben mit ihren kleinen Nebenrollen eher Randfiguren.

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