+
Nicht nur die Adventskränze kommen in Spanien gut an. Der Starnberger Simon Döbrich erlebt als Pfarrer gerade seinen ersten Advent in Madrid.

Pfarrstelle in Spanien

"Der Wahnsinn!" Starnberger Pfarrer erlebt ersten Advent in Madrid

Madrid/Starnberg – Der Starnberger Simon Döbrich hat vor drei Monaten eine Pfarrstelle in Madrid angetreten. Vieles ist ungewohnt. Und dann gibt es aber die Momente, in denen Bayern ganz nah ist.

Der malerische kleine Innenhof, dem man durchqueren muss, um in die Friedenskirche in Madrid zu gelangen, ist für gewöhnlich ein Ort der Ruhe mitten im hektischen Zentrum der spanischen Metropole. Doch an diesem Advents-Wochenende drängen sich die Menschen durch die Eingangstore. Es duftet nach Glühwein, nach Stollen und Lebkuchen, sogar nach Nürnberger Rostbratwürsten. Für viele duftet es sogar nach einem Stück Heimat.

Dieses Advents-Wochenende ist etwas Besonderes. Vor allem für Pfarrer Simon Döbrich. Der gebürtige Starnberger hat Anfang September seinen Dienst in der Kirche der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Madrid angetreten. Es ist das erste Mal, dass er die Adventszeit in Spanien miterlebt. Und noch ist er mit dem Staunen nicht ganz fertig. „Es ist der Wahnsinn“, sagt er.

Selbstgebackene Platzerl, Adventskränze und Glühwein gehören nicht unbedingt zum Weihnachtsbrauchtum in Spanien. Doch all das kommt gut an auf dem großen Weihnachtsbasar. Döbrich gibt zu: Er muss sich noch daran gewöhnen, wie sich die Kirche dieser Tage in eine große Markthalle verwandelt. Aber er weiß, dass der Basar eine wichtige Einnahmequelle für die Kirchengemeinde ist.

Denn die ist lediglich Vertragspartner der Evangelischen Kirche Deutschlands und bekommt deshalb nur geringe Mittel. Die Kirchensteuer vermisst er schmerzlich, dass kann Döbrich schon nach drei Monaten in Spanien sagen. Ihr hat er als Pfarrer große Unabhängigkeit verdankt – in Madrid wird er vom Kirchenvorstand bezahlt. Außerdem ist die Kirchensteuer wichtige Voraussetzung für die soziale Betreuung. Seine Kirche in Spanien ist auf die Beiträge der rund 1400 Mitglieder und auf freiwillige Spenden angewiesen.

Die Finanzierung ist vermutlich der größte Unterschied zu seiner vorherigen Pfarrstelle im fränkischen Selb. „Dort hat die Evangelische Kirche für 60 Prozent der Kindergartenplätze gesorgt“, erzählt er. Die klassische Gemeindearbeit und die seelsorgerischen Aufgaben sind in Spanien in den Hintergrund gerückt.

Hier in Madrid ist Simon Döbrich viel mehr als Botschafter seiner Kirche unterwegs. „Die deutschen Lutheraner genießen hier einen guten Ruf. Sie gelten als theologisch gut ausgebildet und sehr strukturiert“, erzählt er. Die Ökumene funktioniert sehr gut, er tauscht sich regelmäßig mit anderen Pfarrern aus. Seine hervorragenden Spanischkenntnisse kommen ihm dabei sehr zu Gute.

Die Sprache hat er in Nicaragua gelernt, wo er einige Jahre gelebt und auch seine heutige Frau Ligia kennengelernt hat. Döbrichs Vater Wolfgang ist ebenfalls Pfarrer. Er war viele Jahre Landesbeauftragter der Evangelischen Kirche in Bayern für Zentralamerika. Er hat eine Stiftung zur Föderung der Ausbildung dort gegründet. Sein Engagement hat Simon Döbrich geprägt. Für den heute 39-Jährigen stand von kleinauf fest, dass er auch Pfarrer werden möchte.

Nach sechs Jahren in Selb hatte er sich gewünscht, noch einmal eine Stelle im Ausland anzunehmen. Seit dem 1. September lebt er mit seiner Frau Ligia und seinem vierjährigen Sohn David im Pfarrhaus in Madrid. Und so ungewohnt der Weihnachtsbasar in der Kirche auch ist – er bedeutet auch ein Stück Heimat für Simon Döbrich.

Die Adventskränze sind längst ausverkauft, als der Gottesdienst an diesem Sonntag vorbei ist. Doch an dem Stand, an dem es Bratwürste und Erbsensuppe gibt, steht noch immer eine lange Schlange. Und bei den für spanische Verhältnisse winterlichen zehn Grad floriert auch der Glühwein-Verkauf. Pfarrer Döbrich gönnt sich nach dem Gottesdienst aber lieber ein Weißbier und gesellt sich damit zu den Menschen. Schon jetzt steht fest: An seinen ersten Advent in Spanien wird er sich wohl noch lange erinnern.

Nicole Langenbach

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Der „Revolver“-Mann und die Beatles: Ausstellung mit Klaus Voormann
Die neue Ausstellung der Reihe „nah - fern“ in der Schalterhalle des historischen Bahnhof See beschäftigt sich mit Klaus Voormann und seinem legendären …
Der „Revolver“-Mann und die Beatles: Ausstellung mit Klaus Voormann
David Göttler: „Berge sind meine längste Beziehung“
Der gebürtige Starnberger David Göttler ist einer der Stars beim Tag des Berges am 28. Mai auf Kloster Andechs. Der Starnberger Merkur hat mit ihm über seine …
David Göttler: „Berge sind meine längste Beziehung“
Er hatte nur Turnschuhe an: Polizei schnappt nackten Jogger
Zwei Frauen meldeten der Polizei einen Mann, der nur mit Turnschuhen bekleidet im Wald unterwegs war. Die Beamten wurden schnell fündig.
Er hatte nur Turnschuhe an: Polizei schnappt nackten Jogger
Brandopfer von Tutzing: Benötigt wird alles
Nach dem Feuer vom vergangenen Sonntag versuchen Ehrenamtliche fieberhaft, den Familien zu helfen, die ihr Zuhause verloren haben. Der Gutachter schätzt den Schaden …
Brandopfer von Tutzing: Benötigt wird alles

Kommentare