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So könnte die Starnberger Seepromenade mit einem Bahntunnel aussehen.

Starnberger Seeanbindung

Ideen für einen Bahntunnel mit Promenade

Starnberg - Die Idee vom Bahntunnel am See wollen einige Starnberger nicht aufgeben. Vor einer Entscheidung über die Seeanbindung legen sie ein neues Konzept vor.

Die Chance für den Tunnel soll gewahrt werden – den Tunnel für die Bahn. Lutz J. Janssen, der vor Monaten einen Plan für einen so genannten Kompakttunnel vorgelegt hatte, und der Architekt Sebastian Blum wollen verhindern, dass die Seeanbindung im April zu den Akten gelegt wird. Noch vor der nächsten Sitzung des Projektausschusses Bahnhof See möchten sie den Stadträten, Bauverwaltungen und Vertretern der Wirtschaft sowie der Seenverwaltung ihre Vorstellungen näher bringen und dafür werben, noch einmal ganz neu nachzudenken.

Starnberg ohne die oberirdischen Bahnanlagen am See – das war bei bisherigen Architektur-Wettbewerben stets ausgeschlossen, weil man es wegen der Kosten für unrealistisch hielt. Janssen gibt den Gedanken aber nicht auf. Er hat nicht nur seine Idee vom Kompaktbahntunnel verfeinert, sondern sich auch mit Architekten Blum zusammengetan. Dessen Vater hatte einen Bahntunnel im Jahr 2000 schon einmal in die Diskussion gebracht. Im Rahmen der Runden Tische wurde dieses Projekt jedoch unter Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger wegen zu hoher Investitionskosten als nicht realisierbar eingestuft.

Ein Bahntunnel war seither kein Thema mehr, allenfalls ging es noch um die Tieferlegung der Bahnanlagen am See. Die Seeanbindung dieser Variante hatte Pfaffinger bis zum Ende seiner Amtszeit noch bis zur unterschriftsreifen Vereinbarung mit der Bahn gebracht. Statt darüber abzustimmen beschloss der dann neu gewählte Stadtrat aber eine Plausibilitätsprüfung für die finanzielle und technische Seite der Planung in Auftrag zu geben. Das Ergebnis will Bürgermeisterin Eva John am 21. April vorlegen. Janssen befürchtet, dass die Investition wesentlich mehr als die bisher genannten 63 Millionen Euro erfordern wird – und ebenso, dass ein Bahntunnel zwangsläufig teurer sein müsse, also brauche nicht erst darüber nachgedacht werden. Das will er verhindern.

Mit Blums Engagement ist ein städtebauliches Konzept entwickelt worden, das eine hohe Refinanzierung der Baukosten für den Bahntunnel ermöglichen soll – durch die Vermarktung von direkt auf dem Tunneldach neu gebauten Häusern. Sei sollen nicht höher werden als der denkmalgeschützte Bahnhof, senkrecht zum Seeufer stehen, damit der der Öffentlichkeit gewidmete Bereich zwischen den Neubauten großzügig bleibt und Aufenthaltsqualität bietet, mit Cafes, Biergärten, kommerzieller Nutzung oder Grün. Blum hat das Beispiel der Herrschinger Promenade vor Augen. Vor den Häusern verliefe die neu konzipierte Promenade. Zwischen ihr und dem Seeufer könnten Bereiche geschaffen werden, die in verschiedenen Formen zum Aufenthalt am Wasser einladen. Wohnungen sollten im zentralen Promenadebereich in Obergeschossen angeboten werden, im Erdgeschoss auch ab Seespitz Richtung Osten und am Rand des im Bau befindlichen Parks auf der Schiffswiese, den Blum um ein Wasserbecken ergänzt.

Fast 600 Meter Seezugang

Janssen hat seinen Bahntunnel zwischen dem Undosa und der Nepomukweg-Unterführung geplant, auf Bohrpfähle gestellt, damit das Gewicht Tunnel und Neubauten nicht im Seeton absinken lässt. Sein Kompakttunnel ist niedriger als bisher untersuchte Tunnel und damit billiger. Ein barrierefreier Zugang zum See wäre so zwischen dem Museum im Westen und der Kaiser-Wilhelm-Straße im Osten auf etwa 590 Meter Länge möglich. Damit in den neuen Gebäuden nichts vibriert und unten fahrende Züge nicht zu hören sind, sind technische Lösungen mitgeplant. „Wenn wir noch Einblick in ein Bodengutachten genommen haben, können wir die Gesamtkosten ausrechnen“, sagt Janssen, der sich bisher nicht auf Zahlen hatte festlegen wollen. Seine Aussage war stets, dass ein Kompakttunnel für die Stadt günstiger wäre als die Seeanbindung mit Gleisverlegung. In Janssens ersten Konzepten war eine durchgehend Überbauung des Tunnels nicht vorgesehen.

Nach seinen Vorstellungen soll die Stadt über seinen Plan mit der Bahn reden, bevor der Vertrag über die Gleisverlegung zwischen diesen beiden Partnern Ende 2017 verjährt.

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