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Ein Gefühl größtmöglicher Freiheit verspürt Eva Lischka, wenn sie mit ihrem Brett über die Wellen gleitet.

Eva und ihr Traum vom Surfen

Starnbergerin surft bei WM in Kalifornien - trotz ihres Handicaps

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Wellenreiten ist Eva Lischkas Leidenschaft. Trotz Handicap surft die Starnbergerin seit zehn Jahren. Inzwischen so gut, dass sie im März zur Weltmeisterschaft nach Kalifornien fährt. Um die Reise zu finanzieren, sammelt ein Verein nun Spenden für sie und ihren Teamkollegen.

Starnberg – Wer mit ihr spricht, merkt es der stets gut gelaunten 30-Jährigen kaum an. Doch Eva Lischka leidet an einer Cerebralparese. Das bedeutet: Aufgrund der Erkrankung sind ihre Motorik und ihre Koordinationsfähigkeit von Geburt an eingeschränkt. Treppensteigen ohne sich am Geländer festzuhalten oder auf einem Bein stehen, das fällt ihr schwer. Doch behindern lassen will sich die Starnbergerin davon nicht. Trotz ihres Handicaps betreibt sie einen Sport, den viele vielleicht nicht gerade als den naheliegendsten sehen: Sie surft.

Angefangen hat alles in der 11. Klasse an der Montessorischule Biberkor. Ihre Klasse sollte zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls zusammen eine Reise machen. Und entschied: Es soll nach Spanien zum Surfen gehen. „An dem Tag, als das beschlossen wurde, war ich krank“, erinnert sich Lischka. Erst war sie etwas skeptisch. Doch ihr damaliger Sportlehrer konnte sie überzeugen, trotzdem mitzufahren. Und dann war da der Surflehrer in Spanien. Er wollte nicht, dass genau eine Person aus der Gruppe nicht mitsurft. Also half er Lischka. „Der hat einfach an mich geglaubt“, erzählt die Starnbergerin. Er sollte recht behalten.

Balance und Koordination werden durch den Sport besser

Sie versuchte es. Erst im Liegen, dann auf allen Vieren. Inzwischen stellt sie sich den Wellen sogar kniend. „Je mehr ich gesurft bin, desto besser wurden Balance und Koordination“, erzählt Lischka im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Nur um ins Wasser zu kommen, braucht sie noch etwas Hilfe. Seit jener Klassenfahrt 2009 kehrt sie jeden Sommer in das Surfcamp zurück. Surfen bedeutet für sie Freiheit. Weil das Wasser ihr „keine Grenzen setzt“. Mit den Wellen, ihrem Surfbrett und sich selbst allein zu sein, ist für Lischka „aktive Meditation“.

Mittlerweile kennt sie die Surferparadise rund um den Globus, war schon Wellenreiten vor Marokko, Australien, Portugal. Dort nahm sie vergangenen Sommer an der ersten inklusiven Europameisterschaft im Surfen teil. Und brachte gleich eine Silbermedaille in der Frauendivision und einen 4. Platz für Deutschland mit nach Hause.

Im März geht es zur WM nach San Diego

Nun haben sie und ihr Teamkollege Johannes Laing aus Mainz sich für die Weltmeisterschaft für Surfer mit Handicap qualifiziert, die in zwei Monaten, vom 11. bis zum 15. März in San Diego (Kalifornien) über die Bühne geht. Die beiden gehen für Deutschland an den Start, bilden das Nationalteam für Wellenreiter mit Behinderung des Deutschen Wellenreitverbandes (DWV). Laing surft als Rollstuhlfahrer auf einem Spezialboard liegend, Lischka tritt in der Kategorie der knienden Surfer an.

Aber die Teilnahme an dem internationalen Wettbewerb ist kostenintensiv. Die beiden brauchen ein rollstuhlgerechtes Mietauto und eine Unterkunft vor Ort. Auch die Flüge und die Startgebühr müssen von den Sportlern selbst finanziert werden. Zudem wäre eine Begleitperson wünschenswert. Um die beiden zu unterstützen, sammelt der Deutsche Wellenreitverband daher über die Internetseite „GoFundMe“ Spenden für Lischka und Laing.

Allein in den ersten 24 Stunden sind knapp 900 Euro zusammengekommen. Am Donnerstagabend wurde die 2000-Euro-Marke geknackt, am Samstag die 3000. „Flüge und Unterkunft sind schon drin“, sagt Lischka. Ziel ist es, insgesamt 5000 Euro für die Reise über Spenden zu generieren. Sollte mehr zusammenkommen oder etwas übrig bleiben, wollen Lischka und Laing den Betrag an den Wellenreitverband spenden, um auch andere Surfer mit körperlichen Einschränkungen zu unterstützen.

Wer spenden möchte, findet weitere Informationen unter www.gofundme.com/im-rollstuhl-zur-wellenreiterwm-2020.

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