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Tante-Emma-Laden mit Live-Küche: Das Geschäft von Van Nam Nguyen an der Bahnstraße in Stockdorf ist zu Recht ein echter Geheimtipp unter den Einheimischen. Bereits seit 15 Jahren kümmert er sich um seine Kunden.

Einzelhandel

Stockdorfs geheimes Serviceparadies

Es gibt sie noch, die kleinen Einzelhändler und Dienstleister mit individuellem Angebot – zum Beispiel an der Bahnstraße in Stockdorf. Doch die Selbstständigen fühlen sich von der Gemeinde Gauting vergessen.

Stockdorf – „Das ist für die Frau Doktor“, ruft „Herr Nam“ seiner Köchin zu. An der Bahnstraße in Stockdorf ist die Welt noch in Ordnung. Da kennt „Herr Nam“, der dort einen Tante-Emma-Laden mit vietnamesischen Gerichten betreibt, seine Kundschaft persönlich. Service wird auch im Friseursalon, im Kosmetikstudio, in der Apotheke und im Blumengeschäft groß geschrieben.

Doch die Einzelhändler haben ein Problem: „Nur Wenige wissen, dass es uns gibt“, ärgert sich Friseurmeisterin Elfriede Lechner. „Stockdorf ist ein so nettes, gemütliches Dörfchen“, schwärmte die Stockdorfer Friseurin in der Gautinger Bürgerfragestunde vor der Gemeinderatssitzung. „Doch die Einzelhändler an der Bahnstraße fühlen sich vom Rathaus im Hauptort verlassen.“

Kein Wort über Stockdorf im Jahresbericht

Stockdorf komme im Gautinger Jahresbericht gar nicht vor. Während im Hauptort „jedes Blumenbeet“ fotografiert werde, gebe es für Stockdorf noch nicht einmal Leucht-Schilder für die Geschäfte. Stattdessen fragten Passanten, die zufällig an den Läden der Bahnstraße vorbeikommen: „Seit wann seid‘s denn Ihr da?“, empörte sich die Friseurmeisterin.

„Die Gautinger Broschüre war ein Tätigkeitsbericht“, antwortete Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger. Im Folgeheft komme Stockdorf sicher vor. Denn heuer werde ja der dortige Bahnhof barrierefrei ausgebaut. Und in der ehemaligen Sparkassen-Filiale entstehe das neue Bürgerbüro mit Treffpunkt. Keine Hoffnung machte sie den Händlern bezüglich der Reklame-Schilder: „Das war ein Ratsbeschluss.“

Wirtschaftsförderer Dr. Fabian Kühnel werde mit einer Werbeaktion für die Läden an der Bahnstraße beauftragt, denn: „Wir haben Stockdorf im Blick.“

Bummel durch die Geschäfte

Das hat auch die Friseurmeisterin. Weil Stockdorf ein „so netter Ort“ ist, kam Elfriede Lechner wieder an die Würm zurück: Gleich um die Ecke ihrer ehemaligen Lehrmeisterin Gabriele Pfeilhofer eröffnete die Stockdorferin 2011 ihren eigenen Salon. An diesem Vormittag wäscht Elfriede Lechner einer Stammkundin den Kopf – mit geübten Massagegriffen.

Es ist ruhig. Weil die Unterführung an der Baustelle Bahnhof schon gesperrt ist, kommen an den Läden mit den hübsch bepflanzten Frühlingsbeeten fast nur Fußgänger und Radlerinnen vorbei. Doch normalerweise ist es bei „Herrn Nam“ nebenan jeden Mittag voll, sagt Elfriede Lechner. Der gebürtige Vietnamese betreibt sein Lebensmittelgeschäft mit „Live-Köchin“ schon seit 15 Jahren. 40 Prozent seiner Kunden sind Webasto-Mitarbeiter, sagt „Herr Nam“, der eigentlich Van Nam Nguyen (sprich: Nüen) heißt.

Der Rest sind Anwohner aus Stockdorf. Darunter auch junge berufstätige Mütter, die mittags ein zubereitetes Gericht mitnehmen. Die älteren Damen kennt Herr Nam aus seiner Anfangszeit: Damals hatte ihm die unvergessene Stockdorfer Gemeinderätin und Fabrikantin Hildegard Stickl-Schmidt das Ladenlokal zu günstigen Konditionen vermietet. Von den einst 40 Kundinnen aus der Generation 80 plus leben noch 20 in Stockdorf, sagt Nam. Zehn Damen beliefert der Händler regelmäßig mit Milchprodukten, Gemüse und frisch zubereitetem Mittagessen. „Deren berufstätige Kinder sind mir sehr dankbar“, berichtet er.

Kosmetik, Friseur, Apotheke, Blumenladen - alles da

Zwei Türen weiter behandelt Fachkosmetikerin Stefanie Müller gerade eine Kundin. Lächelnd informiert Apothekerin und Heilpraktikerin Elisabeth Zehetbauer über ihre Arzneimittel. Die Katharinen-Apotheke gibt es schon seit 1950 in Stockdorf, erklärt die Inhaberin. Nur Eines stört die Apothekerin: Wenn sie Notdienst habe, werde im Infodienst stets Bahnstraße 37 in „82131 Gauting“ gedruckt.

Suchende Patienten mit akutem Asthmaanfall riefen da schon verzweifelt an: Keiner wisse nämlich, dass ihre Apotheke in „82131 Stockdorf“ sitze.

Der Duft zarter Topfnelken lockt in die „Sonnenblume“ gegenüber. Floristin Emmy Wangler aus Planegg hat das Stockdorfer Geschäft vor neun Jahren übernommen. „80 Prozent“ seien Stammkunden, sagt die Würmtalerin – und bindet dabei ein Sträußchen mit blassrosa Rosen und saftig grünem Frauenmantel. Sie hoffe, dass ihre Kunden ihr treu bleiben, wenn die Unterführung im Sommer vorübergehend gesperrt sein wird – auch für Radler und Fußgänger, sagt die Floristin. Wäre schade, wenn die Stockdorfer abwanderten. Denn Emmy Wangler „Sonnenblume“ gibt‘s schon seit drei Jahrzehnten im Würmtal. Von Christine Cless-Wesle

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