Planegg mit Stockdorf

Evangelische Fusion: „Wir haben nur Vorteile“

Stockdorf – Stockdorfer Protestanten fürchten nach Fusion mit der Waldkirche um die Zukunft ihrer Kirchengemeinde.

Die von den beiden evangelischen Kirchenvorständen beschlossene Fusion von Planegg mit Stockdorf gilt als sicher. Bei der offiziellen Anhörung mit Dekan Stefan Reimers machten die Stockdorfer aus ihren Sorgen keinen Hehl: Mit nur 800 Mitgliedern hätten sie Angst vor dem Untergang ihrer kleinen, überalterten Gemeinde, sagte ein Stockdorfer. Der Grund für die Fusion ist klar: Das Dekanat verliere jährlich etwa ein Prozent seiner Steuer zahlenden Christen, erklärt Reimers. Folge: Sowohl Waldkirche Planegg als auch Apostelkirche Stockdorf haben bereits je eine halbe Pfarrstelle eingebüßt. Beide Kirchenvorstände haben deshalb den Antrag auf Fusion gestellt (wir berichteten). Ziel: In zweieinhalb Jahren, rechtzeitig vor der Kirchenvorstandswahl, soll der Zusammenschluss verwirklicht sein. 

Lebendigkeit von Stockdorf "liegt an uns Menschen"

Mit insgesamt 3700 Gemeindemitgliedern – nämlich 2900 Planeggern und Kraillingern sowie 800 Stockdorfern – habe die bereits jetzt gut zusammen arbeitende Gemeinschaft im Würmtal auch eine „zukunftsfähige Größe“. Für beide Gemeinden sei die angepeilte Fusion auch eine Chance, betonte der Dekan. Doch Vorbehalte gab es unter den 49 versammelten Würmtaler Protestanten trotzdem. Die Sorge, dass die kleine Apostelkirche irgendwann ganz „untergehen könnte“, bestehe, erklärte Christian Rabe. Deshalb werde der dortige Kirchenvorstand ein Gremium bilden, das garantieren soll, dass Stockdorfer Aktivitäten wie Bibelreise oder Abendkirche weiterlaufen. „Wir möchten, dass der Sonntagsgottesdienst in Stockdorf weiterhin stattfindet“, forderte Jutta Jecht. 

In beiden Kirchen fänden auch nach der Fusion Gottesdienste statt, versicherte der Dekan. In beiden Gemeinden bleibe der Status quo mit Konfirmanden- und Kindergruppen oder Senioren-Nachmittagen bestehen, bekräftigte Sabine Baumgartner vom Vorstand der Planegger Waldkirche. Wenn sich Pfarrer Thomas Krusche voraussichtlich 2021 in den Ruhestand verabschieden wird, bekomme Stockdorf einen Nachfolger, der sich auf die Seelsorge konzentrieren kann, betonte der Dekan. Administrative Aufgaben seien künftig in Planegg angesiedelt. „Wer stellt sicher, dass Stockdorf lebendig bleibt?“, hakte ein Mann nach. „Das liegt an uns Menschen“, antwortete eine Planeggerin. 

Synergien der Fusion auch in der Kirchenmusik

„Wir haben nur Vorteile“, meinte die Stockdorfer Vertrauensfrau Yvonne Leidenfrost. Weil die Protestanten dort deutlich älter seien, „profitieren wir“ – zum Beispiel von der gemeinsamen Jugendbeauftragten Franziska Kleemann. In der Kirchenmusik entstünden ebenfalls Synergien: Aufführungen der Planegger Chöre seien künftig auch in der Stockdorfer Apostelkirche zu hören. Im nächsten Schritt leite er die Anregungen aus dem Würmtal weiter - an die Landeskirchenleitung, so der Dekan.

Von Christine Cless-Wesle

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