+
Sie retteten einer Frau das Leben: Ludwig Gröber (v.l.) und Wolfgang Bürkle erhielten dafür von Ministerpräsident Markus S öder in der Residenz die Bayerische Rettungsmedaille. 

Bayerische Rettungsmedaille

Lebensretter aus Krailling, Stockdorf und Gilching

  • schließen
  • Victoria Strachwitz
    Victoria Strachwitz
    schließen

Ministerpräsident Markus Söder hat am Mittwoch Lebensretter mit der Bayerischen Rettungsmedaille und der Christophorus-Medaille ausgezeichnet. Darunter auch einige Helden aus dem Landkreis Starnberg.

Gauting/Gilching – Wenn es um Leben oder Tod geht, können Regeln in den Hintergrund rücken. Gestern wurden zwei Mitglieder der Stockdorfer Feuerwehr mit der Bayerischen Rettungsmedaille geehrt. Sie haben nicht richtig gehandelt und trotzdem alles richtig gemacht.

Wolfgang Bürkle kennt die Regeln der Feuerwehr genau. Der 40-jährige Kraillinger war bis voriges Jahr stellvertretender Kommandant der Stockdorfer Feuerwehr. Und er hält sich an die Regeln. Grundsätzlich. Einmal machte er eine Ausnahme. Zu Recht, wie sich herausstellte. Und so bekamen er und sein Kamerad Ludwig Gröber (24) aus Stockdorf gestern von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in der Münchner Residenz die Bayerische Rettungsmedaille verliehen. Sie hatten ihr Leben riskiert, um ein anderes zu retten.

Im Ernstfall wenige Minuten entscheidend

Das Ereignis, für das Bürkle und Gröber jetzt ausgezeichnet wurden, liegt rund zwei Jahre zurück. Als Einsatzleiter und Fahrer erreichten die beiden damals das Haus an der Kobellstraße in Stockdorf, in dem ein Schwelbrand ausgebrochen war, als erste. Sie öffneten die Tür des brennenden Hauses und sahen eine Frau am Boden liegen. Was nun? Eigentlich müssen sie auf Kameraden und Ausrüstung warten. „Nein, da hilft jetzt nichts“, sagte Bürkle. Dann ging alles ganz schnell. Zusammen mit seinem Kameraden Gröber ging er in das Haus – ohne Atemschutz –, trug die Frau ins Freie und übergab sie dem gerade eingetroffenen Rettungsdienst. „Die Dame hat da nicht mehr geatmet“, erinnert sich Bürkle. Im Ernstfall können wenige Minuten einen entscheidenden Unterschied machen. Und so retteten Bürkle und Gröber der älteren Dame durch ihre selbstlose Aktion das Leben. Einige Tage später sei sie wieder bei Bewusstsein gewesen. Auch eine Frau vom Pflegedienst führten sie aus dem komplett verqualmten Haus. Eigentlich habe diese noch selber laufen können, aber wie so viele habe sie die Gefahr von Rauch wohl falsch eingeschätzt, meint Bürkle. Das Feuer sei sehr klein gewesen. „Die meisten Leute haben mehr Angst vor Feuer als vor dem Rauch.“ Dabei sei dieser gefährlicher. So retteten sie an diesem Tag gleich zwei Leben.

Bürkle ist über seine Auszeichnung dankbar. Gleichzeitig hegt er Zweifel. Er habe schon gefährlichere Einsätze erlebt und ausgerechnet in diesem Fall habe er die Regeln missachtet. Sie hätten warten müssen, bis ihre Kameraden mit der Ausrüstung vor Ort sind, meint er. Es sei nicht gelaufen, wie es hätte laufen sollen. An seinem Handeln zweifelt er jedoch keineswegs: „Ich habe mich damals so entschieden und würde das auch heute wieder machen.“ Dass Bürkle heute nicht mehr stellvertretender Kommandant ist, liegt nicht an seinem mutigen Einsatz. Das habe berufliche Gründe. „Der Erfolg hat gerechtfertigt, dass wir gesagt haben: Es hilft nichts.“ 

Christophorus-Medaille für Gilchinger

Die Christophorus-Medaille erhielten Laurenz Mehl aus Gilching und sein Freund Dominik Magyar aus Alling. Den Tag vor knapp einem Jahr hatten sich die beiden etwas anders vorgestellt: Am 29. August 2017 wollten sich Dominik Magyar  und Laurenz Mehl gerade gemütlich auf einem Steg am Weßlinger See niederlassen, als sie plötzlich Hilfeschreie hören. 

Ausgezeichnet: Laurenz Mehl (l.) und Dominik Magyar.

Etwa 100 Meter vom Steg entfernt sieht Dominik, damals 17 Jahre alt, eine Frau im Wasser. Sie rudert mit den Armen, taucht unter, ruft um Hilfe. Die beiden Burschen überlegen keine Sekunde, reißen sich die Klamotten vom Leib und springen ins Wasser. Zuvor hatte Dominik im Gebüsch noch ein Surfbrett entdeckt. Er erinnert sich an das, was er als Kind bei der Wasserwacht gelernt hat: „Es ist einfacher, eine Person auf einem Surfbrett an Land zu bringen, als durchs Wasser abzuschleppen.“ 

Die beiden Freunde erreichen die Frau zeitgleich mit einem Pärchen, das die Situation ebenfalls beobachtet hat. Die 76-jährige Frau ist offensichtlich mit den Beinen in Schlingpflanzen hängen geblieben und in Panik geraten. Gemeinsam befreien die Retter die Frau und bringen sie mit dem Surfbrett sicher an Land. „Ich bin einfach nur dankbar, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war“, sagt der damals 18-jährige Laurenz. In der Staatskanzlei nahmen die beiden für ihren Einsatz gestern von Ministerpräsident Markus Söder die Christophorus-Medaille entgegen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kellerbrand rechtzeitig „gehört“
Einem Rauchmelder hat eine Pöckingerin zu verdanken, dass sie das Feuer in ihrem Keller frühzeitig entdeckte. 40 Feuerwehrleute waren im Einsatz.
Kellerbrand rechtzeitig „gehört“
Feuriger Abend für 30 Ehrenamtliche
Ein Feuer in einer kleinen Sauna hat am Mittwochabend zu einem Feuerwehreinsatz in Berg geführt - einige Schritte vom Gerätehaus entfernt.
Feuriger Abend für 30 Ehrenamtliche
Erneuter Raub-Alarm: Polizei sucht Zeugen
Die Polizei sucht Zeugen eines Raubüberfalls auf einen Getränkemarkt an der Starnberger Straße in Gauting. Eine sofort eingeleitete Fahndung am Dienstagabend, bei der …
Erneuter Raub-Alarm: Polizei sucht Zeugen
Afghanische Familien sind sich nicht grün
Die Polizei ermittelt gegen Mitglieder zweier afghanischer Familien. Es geht unter anderem um Beleidigung und Körperverletzung.
Afghanische Familien sind sich nicht grün

Kommentare