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Hier nicht: Der Innenhof seiner Werkstatt könnte eine Auffrischung gut gebrauchen. Das weiß Betreiber Hermann Straub. Auf die Masche der Teer-Betrüger ist der 52-Jährige aber nicht reingefallen.

Teer-Betrüger

Opfer? Ich nicht!

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Stockdorf – Teer-Betrüger machten zuletzt den Landkreis unsicher. Ein Stockdorfer Werkstatt-Betreiber erklärt, was es mit der Masche auf sich hat – und wie er ihr entging.

Eigentlich sollte Hermann Straub aus Stockdorf nur das nächste Opfer sein. Die Teer-Betrüger haben bereits in Wörthsee, Egling und Dachau Halt gemacht. Wir berichteten über ihre Masche: Meist britische oder irische Bauarbeiter warten mit einem Teerwagen und dem Angebot auf, den Innenhof zu teeren – günstig, versteht sich. Das böse Erwachen kommt erst später: Der Teer ist meist von schlechter Qualität, der Preis völlig überzogen. Hermann Straub fiel nicht darauf herein. 

Betrüger wählten Innenhof wohl gezielt aus

„Ich kenne die Masche. Die waren schon vor einigen Jahren mal da“, sagt der 52-Jährige. Nachdem der Betrüger bei seiner Schreinerei klopft, ruft Straub die Eigentümerin des Gebäudes an. „Mich geht es ja nichts an, ich bin ja nur der Pächter.“ Eine halbe Stunde lang wartet der Brite derweil im Innenhof. „Er hatte eine Warnweste an und sprach sehr gut Deutsch“, berichtet Straub. Sein Gegenüber sei überzeugend aufgetreten. „Er sagte, er habe von einer Baustelle Teer übrig.“ Der müsse natürlich schnell verwendet werden. Die Eigentümerin winkte allerdings sofort ab. „Sie hatte schon mal schlechte Erfahrungen gemacht.“ Keine Rechnung, zudem eine schlechte Leistung. 

Dass sich manche Menschen von dem Auftreten der Betrüger überrumpeln lassen, kann Straub gut nachvollziehen. „Da möchte ich einen sehen, der noch ein Vergleichsangebot einholt.“ Zumal es eben zu der Masche gehört, dass die Arbeiten ganz schnell erledigt werden müssten. Schließlich habe die Arbeiter den Teer ja schon dabei. Der Betrüger hat den Schreiner nicht zufällig ausgewählt. „Der Teer im Innenhof ist bereits 40 Jahre alt, da springen die Burschen natürlich drauf an.“ Begeistert sei auch der Hausmeister von dem vermeintlich guten Angebot gewesen. „Der Hof sollte nämlich schon lange geteert werden.“ Der Anruf bei der Eigentümerin erledigte den Betrugsversuch – zum Glück. Denn viel Freude hätte man nach den Arbeiten nicht gehabt, ist Straub überzeugt. 

Schlechte Qualität: Spätestens "im Winter tritt dann der Schaden ein"

„Teer ist eine heikle Sache. Es muss eine mindestens vier Zentimeter dicke Schicht aufgetragen werden.“ Die Betrüger würden genau dabei aber sparen und lediglich 1,5 Zentimeter auftragen. „Im Winter tritt dann der Schaden ein“, erklärt Straub. Unter der Witterung breche die zu dünne Schicht auf. Die Arbeiter seien dann selbstverständlich nicht mehr zu erreichen – Visitenkarte oder Rechnung gibt es nicht. Bei Straub kreuzte nur ein Betrüger auf. Unterstützer, glaubt er, kämen wohl dann, wenn es ans Arbeiten geht. Als Briten identifiziert hat ihn der 52-Jährige erst, als dieser den Innenhof als „parking lot“ bezeichnete. Er sei „Ende 30, Anfang 40“ gewesen. Straub vermutet, dass die Betrüger Kaltteer aus dem Baumarkt verwenden. „Sonst müssten sie sich mehrmals am Tag neuen heißen Teer besorgen.“ Inzwischen scheinen die Betrüger weitergezogen – Straub bleibt also nur noch, weitere potenzielle Opfer zu warnen.

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