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Die alte Stockdorfer Dorfeiche (r.) musste später der Sparkassenfiliale weichen.

Stockdorfer Harmsplatz

Der Eichenkrieg und seine Folgen

1956 tobte im Ortsteil Stockdorf der „Eichenkrieg“. Lehrer Alfons Köbele kämpfte erbittert um den Erhalt des Baumes am Harmsplatz. Heute steht dort das Sparkassengebäude, das künftig anders genutzt werden soll.

Stockdorf – 1964 baute die ehemalige Gemeindesparkasse Gauting ihr Filialgebäude am Harmsplatz in Stockdorf, schreibt der Gautinger Chronist Karl Mayr. Doch davor tobte ein langer Streit: Dem schon 1956 geplanten Haus stand nämlich eine mächtige Eiche im Wege. Der 200 Jahre alte Baum war seit April 1938 als Naturdenkmal geschützt, schreibt Mayr. Dessen ungeachtet hatte der damalige Gautinger Gemeinderat in der Nachkriegszeit mit 14:1 die Fällung beantragt – beim Landratsamt in Starnberg.

Als das publik wurde, entbrannte zwischen dem Stockdorfer Lehrer und Kreisheimatpfleger Alfons Köbele und dem Sparkassendirektor ein heftiger Kleinkrieg um den Erhalt der Dorfeiche, berichtet der Chronist. „Dieser Baum ist ein Wahrzeichen und Herzstück unseres Dorfes und ist kerngesund“, schrieb Köbele 1956. Als der Lehrer seine Schüler während der Unterrichtszeit von Haus zu Haus ziehen ließ, um Unterschriften für den Erhalt der Dorf-Eiche zu sammeln, bezichtigte ihn der Sparkassendirektor „der aufwieglerischen Tätigkeit“. Erst Regierungsdirektor Wilhelm Baumann schaffte eine „gütliche Einigung“, schreibt der Chronist. 1964 wurde die Sparkassenfiliale endlich gebaut – neben das Naturdenkmal.

Nochmals ins Gespräch kam die Eiche etwas später: Nach dem starken Novembersturm 1969 waren nämlich Äste gebrochen und auf die Straße gefallen. Heute gibt‘s die alte Dorfeiche nicht mehr an dieser Stelle: Auf der kleinen Grünfläche am Mitterweg/Bahnstraße hat die Gemeinde Gauting später einen Ersatzbaum gepflanzt, weiß der Stockdorfer Gerhard Nafziger, Vorsitzender der Freunde des Würmtals.

Das ehemalige Sparkassengebäude wird umgekrempelt. Das Geldinstitut hat seine Filiale im vorigen Sommer geräumt. In Abstimmung mit der Sparkasse wird die Gemeinde im Erdgeschoss ein Begegnungszentrum für alle Stockdorfer einrichten, sagt Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger. Und das Stockdorfer Bürgerbüro soll von der alten Schule ins Sparkassenhaus gegenüber umziehen, dann wird es barrierefrei zu erreichen sein. Ein Architekt ist dabei, eine Machbarkeitsstudie samt Kostenplan zu erstellen. Eine neue Toilettenanlagen muss eingebaut werden. Kellerräume will die Gemeinde für ihr überquellendes Archiv nutzen, erklärt Kössinger. Mietpreis und Umbaukosten müssten noch mit der Kreissparkasse ausgehandelt werden. Die Verhandlungen laufen noch.

Ein Stockdorfer habeInteresse gezeigt, das neue Begegnungszentrum ganztags zu betreiben. Doch den Untermietvertrag werde die Gemeinde öffentlich ausschreiben, sagt die Bürgermeisterin. Erklärtes Ziel: Bürgerzentrum und das Begegnungszentrum sollen im kommenden Herbst starten. Dann ist Platz frei für die Mittagsbetreuung des Eltern-Kind-Programms (EKP) in der alten Schule. Zum 30. Jubiläum des EKP im September soll der Umbau in beiden Häusern erledigt sein.

Christine Cless-Wesle

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