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Wünscht sich mehr Beamte: Starnbergs Polizeichef Bernd Matuschek.

Kriminalitätsstatistik

Mehr Einbrüche, aber nicht diesen Winter

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Mehr Straftaten in fast allen Bereichen weist die Kriminalitätsstatistik für die Kreisstadt Starnberg und die Seegemeinden für das Jahr 2016 aus. In den vergangenen Wochen gab es aber gute Nachrichten.

Starnberg – „Wir haben anfangs gedacht, die Zahlen gehen durch die Decke.“ Vor einem Jahr fürchtete Bernd Matuschek, Leiter der Polizeiinspektion Starnberg, das Schlimmste für die Kriminalität im Jahr 2016. Doch im Lauf des Jahres beruhigte sich die Lage, am Ende stand ein Zuwachs der Straftaten um 6,7 Prozent auf 2213 Fälle. Das entspricht einer Straftat alle vier Stunden. Mit Flüchtlingen hat der Anstieg nach Einschätzung der Polizei fast nichts zu tun.

Die Gesamtlage

Mit dem Zuwachs um 6,7 Prozent liegt die Inspektion – zuständig für Starnberg, Berg, Pöcking, Feldafing und Tutzing – im Durchschnitt. Im Kreis waren es 6,2 Prozent. Die so genannte Häufigkeitszahl (Straftaten im Verhältnis zur Einwohnerzahl) lag 2016 bei 4320 und damit etwas höher als im Kreis (3675). Die Zahl für Bayern liegt bei 6870.

Flüchtlinge tauchen in der Statistik nicht auf. „Die Auswirkungen sind sehr gering“, sagt Inspektionsvize Frank Brosch. „Von Taten bekommen die Bürger fast nichts mit.“ Beispiel: In einer Unterkunft geraten Afghanen aneinander und prügeln sich. Das macht zwei Verfahren und zwei Verdächtige. 156 der 1216 Tatverdächtigen, die die Polizei im Jahr 2016 ermittelt hatte, waren Flüchtlinge. Der Anstieg der Kriminalität, betont Matuschek, liege eher weniger an den Flüchtlingen. „Die Helferkreise sind Gold wert“, lobte er, weil sie vielfach die Lage beruhigten.

Die Delikte

Steigerungen gab es 2016 in fast allen Bereichen, außer bei Betrug und Fahrraddiebstahl. Einbrüche stehen in der öffentlichen Wahrnehmung ganz vorne. Zwar stieg deren Zahl laut Kriminalstatistik 2016 von 43 auf 73 und damit um rund 70 Prozent, doch stammen die meisten Taten aus dem Winter 2015/16. Damals, sagt Matuschek, habe sich im Oberland offenbar eine Bande festgesetzt. In diesem Winter – von Oktober bis gestern – waren es im Inspektionsbereich nur 14 Einbrüche. Deutlich gestiegen ist die Zahl der Ladendiebstähle (von 49 auf 93), was auf den verstärkten Einsatz von Ladendetektiven zurückzuführen sei. Nur in sechs Fällen waren es Asylbewerber, in 38 Fällen Rumänen. Den Zuwachs bei Rauschgifttaten erklärt sich Brosch unter anderem mit Handydaten, die bei Verdächtigen gefunden werden. Der Anstieg beim Raub von drei auf acht hat weniger mit der Sicherheitslage in den Orten als vielmehr in der S-Bahn zu tun. Allerdings sind auch kuriose Fälle dabei: Beim Turnier des Bayern-Fanclubs Schickeria in Percha wagten sich Löwen-Fans in die Nähe. Einem wurde das Trikot gewaltsam entrissen – ein Raub. Raub war auch, dass ein Rentner in Feldafing einem anderen Rentner die Tasche entriss, um den Inhalt zu prüfen. Er dachte fälschlicherweise, der andere füttere Hunde nicht mit Leckerlis, sondern mit Giftködern.

Die Verdächtigen

Im vergangenen Jahr wurden 1216 Verdächtige ermittelt: 951 Erwachsene, 101 Heranwachsende (18 bis 21 Jahre alt), 121 Jugendliche und 43 Kinder (unter 14 Jahren). Letztere fallen vor allem durch Ladendiebstahl und Sachbeschädigung auf, aber auch durch Körperverletzung. Hintergrund: Prügeln sich zwei Schüler, verlangen Krankenkassen nicht selten eine Strafanzeige, damit der Verursacher die Kosten trägt. Bei den Jugendlichen sind es meist Drogendelikte (Cannabis) und Diebstähle.

Die Aufklärung

Fast zwei Drittel aller Straftaten werden aufgeklärt. Die Quote lag 2016 bei 61,5 Prozent, ein Prozentpunkt mehr als 2015. Sie steigt seit Jahren und hat den höchsten Wert seit 2012 erreicht. Die Quote variiert je nach Delikt und auch nach Ort: Starnberg 60,8 Prozent, Tutzing 67 Prozent, Berg 60,4 Prozent, Pöcking 58,5 Prozent und Feldafing 57,9 Prozent.

Die Prävention

Matuschek würde gerne mehr Beamte auf die Straßen schicken, doch lässt dies die Personaldecke nicht zu. Von mehr als 60 Beamten nach Soll hat die Inspektion häufig weniger als 50 – aus Gründen wie Abordnung, Ausbildung oder Krankheit. Derzeit sieht man in Starnberg mehr Beamte zu Fuß. In den einbruchsträchtigen Zeiten hatte Matuschek mehrfach rund 30 Bereitschaftspolizisten zur Verfügung, die abends von Haus zu Haus gingen und die Bürger sensibilisierten. Das zeigt Wirkung: Es gebe mehr Hinweise auf Verdächtige und Verdächtiges als früher. Wichtig sei, ergänzt Kai Motschmann als Leiter Einsatz, Beobachtungen sofort zu melden. Nur dann könne die Polizei auch effektiv tätig sein. Mit mehr Personal rechnet Matuschek frühestens 2019 – wenn die vom Freistaat eingestellten Beamten ausgebildet sind.

Die besonderen Fälle

Einige Sachverhalte aus 2016 bleiben stärker in Erinnerung. Wie der Flossenmann, der im Starnberger See an Dampfer heranschwomm und sich als Künstler entpuppte. Eine Anzeige dazu liege beim Landratsamt. Motschmann geht von einem höheren Bußgeld aus, weil der Mann vorsätzlich und fortgesetzt gehandelt habe. Die Aufklärung einer Serie von Diebstählen im Klinikum und Einbrüche durch einen Pfleger wertet die Polizei als großen Erfolg. Der Verdächtige sitzt in Haft. Einen anderen Erfolg hat die Inspektion einer Beamtin zu verdanken, die bei einer Meldung aus Nordbayern über kleine Goldklumpen (Nuggets) bei geschnappten Einbrechern sofort schaltete – die stammten aus einem Einbruch in Berg.

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