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Haare schneiden mit iPhone-Lampe: Im Salon Sasa an der Maximilianstraße wusste man sich zu helfen.

Stromausfall 

Zappenduster in Starnberg

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Starnberg - Auf einmal geht nichts mehr. Wie unser Redakteur Thomas Kirmaier den Stromausfall in der Starnberger Innenstadt erlebte, lesen Sie hier:

Es ist Dienstagabend. Ich bin diesmal der Spätdienst des Starnberger Merkur und sitze in der Redaktion, um aktuell über den Gilchinger Stuhlstreit zu berichten. Das Licht brennt, das Telefon klingelt, die Kaffeemaschine zischt, der Computer läuft. Plötzlich, es ist 19.08 Uhr, macht es wusch, ich sitze im Dunklen – Stromausfall. Alles ist auf einen Schlag stockfinster. In der Maximilianstraße geht nichts mehr. Das einzige Licht, das wir aus dem Fenster sehen, ist der Schein des Mondes. Und halt: Ein Lkw parkt vor dem Tengelmann und lässt seine Scheinwerfer an. Rien ne va plus, nichts geht mehr, Starnbergs Zentrum wird von der einen auf die andere Sekunde eine Geisterstadt. Wir tapsen vorsichtig mit ausgestreckten Armen Richtung Bürotür. Im Treppenhaus die Idee: Das Handy muss doch funktionieren. Tut es. Die iPhone-Taschenlampe leuchtet mir den Weg. Auf diesen Kniff kommen auch die Damen und Herren aus dem nicht weit entfernten Friseursalon Sasa, die ihre Kunden von hinten mit der Taschenlampe anleuchten und ihnen die Haare schneiden. Entlang der Maximilianstrae treffe ich mehrere Menschen an, die ganz unterschiedlich auf den Blackout reagieren. „Was machen wir jetzt?“, fragen sich die Mitarbeiterinnen eines Drogeriemarktes, die gerade ihren Laden zusperren und ihre Alarmanlage scharf stellen wollen. Geht nicht. Kein Saft. Ein paar Meter diskutieren die Angestellten einer Metzgerei, wie sie heute heimkommen werden. Ihre Autos stehen in der Tiefgarage, das Tor ist elektrisch – und tot. Viele greifen zum Handy und rufen zu Hause an: „Schatz, ich weiß nicht, wann ich heute heimkomme, wir haben hier keinen Strom mehr.“ Vor einer Bäckerei kommt ein junger Mann auf mich zu. Ich sehe nur seine Umrisse und höre seine leicht bekifft klingende Stimme: „Äh, sorry, kann es sein, dass hier der Strom ausgefallen ist?“ Ich antworte superschlau: „Sieht irgendwie danach aus.“ Keine zehn Sekunden später stoppt ein Radfahrer vor mir. Ich erkenne ihn, weil seine Helmlampe heller leuchtet als alles andere zwischen Bahnhof See und Josef-Jägerhuber-Straße. „Das habe ich auch noch nicht erlebt“, sagt er – und flüstert auf einmal: „Das ist unsere Chance. Sie gehen in die Sparkasse und ich in die Sparda Bank. Die merken doch jetzt nix, wenn wir den Tresor ausräumen.“ Scherzkeks. Ich will wieder sehen! Auf einmal taucht ein netter Herr mit Taschenlampe hinter mir auf. „Wisst ihr, was da los ist?“ Wir recherchieren. Auskunft der Polizei: „Also in der Hauptstraße haben wir Strom, die Shell-Tankstelle ist auch hell erleuchtet.“ Der Spuk geht weiter. Ich gehe zurück in die Redaktion und drücke aus Gewohnheit auf Lichtschalter. Dabei geht doch nichts. Und dann, es ist 19.58 Uhr: wusch. Alles wird hell, der Computer beginnt zu rattern, das Telefon fährt sämtliche Systeme hoch, die Weihnachtsbeleuchtung der Stadt auf den Bäumen funkelt wieder. Hurra, alles wird gut. Später erfahren wir von der Pressestelle der Bayernwerk AG, dass ein Kabelfehler am Bahnhof Grund für die Finsternis war. Eine knappe Stunde Geisterstimmung ist vorbei. Ich bin sowas von bereit für das Fest des Lichts

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