Suche nach Ausweichmöglichkeiten

Herrsching - Die Verunsicherung ist groß, nun kochen auch die Emotionen hoch: Nach dem Brand in der Bahnhofstraße 38 bleibt die dort untergebrachte Herrschinger Insel nun doch geschlossen.

Schon am Donnerstag vergangener Woche war die soziale Anlaufstelle Herrschinger Insel für einen Tag geschlossen worden. Leiterin Barbara Maier-Steiger wollte aber die Stellung halten, während sie ihren Mitarbeiterinnen freistellte zu kommen (wir berichteten). Unterdessen war ein Brandsachverständiger vor Ort. Die im ersten Stock ausgebrannte Wohnung wurde leergeräumt, Brandgeruch und Wasserschäden werden zurzeit mit Lüftern und Ozongebläse bekämpft. Ob dies gesundheitsschädlich ist, wissen die Beteiligten nicht. Als der Vorstand der Herrschinger Insel sich am Montag zusammenfand und Barbara Maier-Steiger über Beschwerden klagte, wollten Vorsitzende Christa Ackermann und ihre Stellvertreterinnen Ernestine Schachtner und Prof. Renate Lanius die Verantwortung nicht länger übernehmen: Die Geschäftsstelle wurde geschlossen.

Die Gemeinde wurde um einen Gesprächstermin vor Ort gebeten, der gestern stattfand. Bürgermeister Christian Schiller hatte nicht nur sämtliche mit dem Brandfall und der Sanierungsmaßnahme befassten Mitarbeiter aus dem Rathaus im Gefolge, er hatte auch die CSU-Gemeinderäte Christina Reich und Willi Welte dazugebeten. Diese haben Mittwochabend einen geradezu alarmierenden Eilantrag eingereicht, in dem darum gebeten wird, für die Herrschinger Insel eine alternative Unterbringung zu stellen. Gefahr im Verzug wollte Schiller so aber nicht erkennen.

Bei dem Treffen stellte er zunächst einmal fest, dass er die gewünschte Unbedenklichkeitsbescheinigung weder aussprechen noch schriftlich formulieren werde: „Ich bin kein Experte.“ Bislang kenne auch Schiller nur die Aussage des Brandgutachters, der der Gemeinde die notwendigen Maßnahmen vorschlug, die auch sogleich eingeleitet wurden. In den Räumen der Herrschinger Insel wurden zum Beispiel Ozon- und die Heizlüfter aufgestellt. Freilich schaffen diese keine behagliche Atmosphäre, und der auffällige Ozongeruch ist nicht angenehm. Wie lange die Geräte in Betrieb sein müssen, konnte Schiller auch nicht sagen. „Wir müssen auf die Aussage des Architekten warten.“ Schiller bat um Geduld, der Bauausschuss hatte erst am Montag das Architekturbüro Stoll aus Gauting beauftragen können, ein Fachbüro, das sich mit Brandsanierungen auskenne.

„Es ist eine Situation, die wir uns alle nicht wünschen“, so Schiller. Der Bitte, eine Alternative zu stellen, wollte und konnte er an dieser Stelle nicht nachkommen. „Das ist eine Entscheidung des Gemeinderates.“ Schiller machte wenig Mut: „Die Gemeinde hat keine Redundanz“, sprich alternative Unterbringungsmöglichkeiten. Die Vorschläge seiner CSU-Ratskollegen schloss er aus (Kasten) und geriet sich mit Christina Reich fast in die Haare. Er hatte die Beauftragte für Sozialwesen um Vorschläge gebeten und zerriss diese nun gestern geradezu in der Luft. Der Rathauschef versprach allen Anwesenden, die „Kommunikationswege zu optimieren“ und bat um Geduld, bis sich der Architekt ein Bild gemacht hat. Und er bat um Verständnis, denn kurzfristig gebe es keine Alternative.

Zwischenlösung und Alternativen:

Christina Reich, die als Gemeinderätin Sozialbeauftragte ist und damit kooptiert im Vorstand, ist vom ersten Tag seit dem Brand auf der Suche nach einer Lösung für die Herrschinger Insel, deren Räume in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Räume der Herrschinger Tafel blieben unbeschadet, die Mittwochsausgabe dort erfolgt deshalb weiterhin wie gewohnt, während die Insel-Geschäftsstelle zurzeit nur telefonisch oder per E-Mail erreichbar ist, z (0 81 52) 993 80 30.

Als Insel-Leiterin Barbara Maier-Steiger dem Vorstand am Montag berichtete, dass ihr „speiübel“ sei, waren alle, so auch Christina Reich, alarmiert. Hilfesuchend hatte sie sich an Ratskollegen gewandt und fand bei Willi Welte Unterstützung.

In einem Eilantrag bitten die beiden CSU-Gemeinderäte, der Herrschinger Insel übergangsweise Räume in der alten Post zur Verfügung zu stellen oder Bürocontainer aufzustellen. Die Reaktion des Bürgermeisters war für beide überraschend: Statt einer möglichen Vorbesprechung, standen gestern beim von Schiller kurzfristig anberaumten Gespräch in großer Runde alle Zeichen auf Konfrontation. Schiller erinnerte, dass die Post im November der Feuerwehr zur Verfügung gestellt wurde und für Container fehle nicht nur ein Standort, eine Genehmigung würde Monate dauern. Selbst dann müsste dort erstmal die Familie aus der ausgebrannten Sozialwohnung untergebracht werden, die derzeit im Landschulheim logiert. Entscheiden muss am Montag der Gemeinderat, „ich werde dem nicht zustimmen“, so Schiller.

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