Symbolischer Spatenstich (v.l.): Prof. Christian Juckenack (Air Tech Campus), CSU-Bundestagsabgeordneter Michael Kießling, Staatsministerin Kerstin Schreyer, Dr. Michael Rummel, Dr. Ralf Plieninger (beide Geschäftsführer Torqeedo), Michael Wellenzohn (Deutz AG) und Stefan Frey mit einem Modell eines Elektrobootmotors. Im Hintergrund ist der zukünftige Hauptsitz zu erkennen, der Bau hat schon längst begonnen.
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Mit dem Modell eines Elektrobootmotors (v.l.): Prof. Christian Juckenack (Air Tech Campus), CSU-Bundestagsabgeordneter Michael Kießling, Staatsministerin Kerstin Schreyer, Dr. Michael Rummel, Dr. Ralf Plieninger (beide Geschäftsführer Torqeedo), Michael Wellenzohn (Deutz AG) und Stefan Frey. Im Hintergrund ist der zukünftige Hauptsitz zu erkennen, der Bau hat schon längst begonnen.

Torqeedo zieht um – Rund 8500 Quadratmeter Büro- und Arbeitsflächen

Spatenstich für Weltmarktfüührer

  • Hanna von Prittwitz
    VonHanna von Prittwitz
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Veranstaltungen unter freiem Himmel bergen bei der derzeitigen Wetterlage ein gewisses Risiko. So fand auch der symbolische Spatenstich für den neuen Hauptsitz von Torqeedo auf dem Gelände des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen am Mittwochnachmittag von drohenden Wolken umgeben statt. Für kurze Reden reichte die Zeit gerade so. Gebaut wird ohnehin schon längst, die neuen Hallen wachsen bereits in die Höhe.

Oberpfaffenhofen - Torqeedo gilt als weltweit führender Anbieter für Schiffselektromotoren. Dr. Christoph Ballin und Dr. Friedrich Böbel gründeten Torqeedo 2005 einst in einer Bootshütte in Starnberg. Anlass war damals die Zulassungsbeschränkung für Verbrennungsmotoren auf dem Starnberger See – Ballin selbst hatte für sein Motorboot keine Lizenz erhalten. Damit war die Idee zum Elektrobootmotor geboren. Die beiden ehemaligen Gardena-Manager entwickelten von da an Hightech-Motoren mit Lithium-Batterien und höherem Wirkungsgrad. 2012 zog Torqeedo nach Gilching an die Friedrichshafener Straße. Die Firma Deutz, Diesel- und Gasmotorenspezialist aus Köln, übernahm Torqeedo im September 2017 und führt die Firma seither als Tochterunternehmen. Schon vorher hatte sich Torqeedo rasant entwickelt, an den Standorten in Gilching, Illinois (USA) und Bangkok (Thailand) arbeiten mehr als 200 Mitarbeiter. Der Umsatz wird auf bis zu 40 Millionen Euro geschätzt (Handelsblatt), offiziell lag er 2016 bei 25 Millionen.

Die Räume an der Friedrichshafener Straße wurden entsprechend knapp. Nun entsteht, wenige Meter von der Rollbahn des Flughafens entfernt, ein gewaltiger Neubau mit 3720 Quadratmeter Bürofläche, 4800 Quadratmeter Lager-, Produktions- sowie Forschungs- und Entwicklungsflächen. „Wir sind sehr froh, hier die Idee eines neuen Hauptsitzes angehen zu können“, sagte Dr. Ralf Plieninger, seit 2012 Torqeedo-Geschäftsführer. Die Räume ermöglichten direkten Kontakt und Austausch zwischen den verschiedenen Abteilungen. „Auf der Produktionsseite konsolidieren wir unsere drei aktuellen Produktionsstandorte zu einem, daher freuen wir uns auf eine erhöhte Auslastung, da das Personal zwischen den Produktionslinien wechseln kann. Und wir haben Raum für Wachstum mit weiterhin standardisierten Prozessen.“

Denn natürlich soll die Auslastung weiter steigen. Als Tochterunternehmen der Deutz AG geht es in Zukunft um die Weiterentwicklung der elektrischen Schiffsantriebe, auch in der Binnenschifffahrt gerät der Diesel zunehmend unter Druck. Bei der Politik ist das noch nicht ganz angekommen, war zwischen den Zeilen herauszuhören. Michael Wellenzohn von der Deutz AG wünschte sich entsprechend, „dass die Politik die Leistung in eine Reihe mit der Automobilität stellt bei den Förderungen“.

Zusagen diesbezüglich gab es bei der Grundsteinlegung eher nicht. Kerstin Schreyer, bayerische Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, beglückwünschte alle Beteiligten zu der gelungenen Symbiose am Standort. Sie unterstütze den Mittelstand, „wir müssen hier Anschub bringen, wir leben von ihm“. Ihren Kollegen vor Ort – neben Landrat Stefan Frey waren auch Weßlings Bürgermeister Michael Sturm und Gilchings Vizebürgermeister Martin Fink zugegen – sicherte sie politische Unterstützung zu. CSU-Bundestagsabgeordneter Michael Kießling schloss sich dem an.

Prof. Christian Juckenack sprach im Namen des Air Tech Campus Oberpfaffenhofen von der Herausforderung der Gewerbesituation auf dem Flughafengelände. „Wir sind uns der besonderen Lage bewusst. Die Flächen benötigen eine sanfte Entwicklung.“ Mit Torqeedo setze sich die Kooperation zwischen Unternehmen wie Dornier oder Flugtaxi-Bauer Lilium fort. Dabei spiele auch die Nähe zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine tragende Rolle. Das sah auch Dr. Michael Rummel so, seit 2019 Torqeedo-Geschäftsführer: „Wir freuen uns sehr, auch weiterhin ein Teil des Air Tech Campus zu sein.“ Sein Unternehmen profitiere von der Nähe zu zukunftsorientierten Unternehmen. Und er versprach, dass sich Torqeedo auch in Zukunft für „Made in Germany“ einsetzen werde: „Die Beibehaltung und der Ausbau des aktuellen Standortes sind das bestmögliche Ergebnis.“

Rundum zufrieden war auch Landrat Frey. „Ich bin hocherfreut, dass wir so ein tolles Unternehmen an diesem Standort haben.“ Mit dem Landratsamt hätten die Firmen einen Partner, „der versucht, Ihnen schnell etwas zu ermöglichen“, versprach er. Zwar seien die bürokratischen Anforderungen immens, „aber ich weiß, was Priorität hat und das sind Unternehmen wie dieses“.

Mittlerweile hatten sich die dunklen Regenwolken gefährlich genähert und öffneten schließlich ihre Schleusen. Schreyer und Frey mussten noch zum Spatenstich für einen Radweg in Krailling weiter (lesen Sie dazu auch Lokalseite 4), der Rest der Gesellschaft rettete sich in Shuttlebusse oder verharrte unter den im Wind flatternden Pavillons. Zu den Investitionskosten des neuen Standorts wollte Torqeedo keine Angaben machen. Auch zur Optik des Gebäudes nach Fertigstellung liegen keine Skizzen vor. Sicher ist nur: Es soll im nächsten Frühjahr bezogen werden.

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