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TSV Gilching

Trainer soll Mädchen beim Duschen gefilmt haben

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Ein 44 Jahre alter Trainer des TSV Gilching-Argelsried soll über Jahre hinweg Mädchen und junge Frauen in Umkleidekabinen, Toiletten und Duschen gefilmt haben. Vor einem Jahr wurde der Mann deswegen fristlos entlassen. Nun beginnt die juristische Aufarbeitung des Falls.

Gilching – „Man kann in die Menschen nicht hineinschauen“, sagt Peter Kramer, Präsident des mit über 3000 Mitgliedern größten Sportvereins im Landkreis Starnberg. Der beschuldigte 44-Jährige habe die 2006 gegründete Einrad-Abteilung fast von Beginn an unterstützt. „Er war ein tragendes Mitglied und sehr beliebt“, sagt Kramer.

Obwohl der Computerfachmann beruflich stark eingespannt gewesen sei, war er auch mit Begeisterung bei Wettkämpfen und Trainingslagern stets dabei. Und dann das. Ende 2015 erhielt Kramer, der selbst ehemaliger Polizeibeamter ist, den Anruf einer Sachbearbeiterin der Kriminalpolizei.

Die Ex-Freundin des 44-Jährigen hatte bei dessen Auszug aus der gemeinsamen Wohnung in Umzugskartons Seifenspender und Feuerlöscher gefunden, in denen kleine Kameras montiert waren. Danach entdeckte sie auf dem PC des Mannes Filmmaterial – und erstattete Strafanzeige.

„Die Kripo hat uns sofort informiert“, sagt Kramer. Der Verein habe umgehend gehandelt: „Wir haben ihn fristlos entlassen und die Eltern informiert“, sagt Kramer. Diese Maßnahme sei bei einigen Beteiligten auf Widerstand gestoßen: „Er war nicht einsichtig und hat dagegen interveniert.“ Viele Eltern hätten den 44-Jährigen ebenfalls verteidigt. Die Kripo dagegen nahm sofort auch die Umkleiden und sanitären Anlagen des Vereins unter die Lupe. „Man hat aber nichts mehr gefunden.“

68 Familien wurden angeschrieben


Die Anzahl der Betroffenen ist Kramer nicht bekannt. Laut Staatsanwaltschaft München I, die gegen den Einrad-Fahrer ermittelt, wurden insgesamt 68 Familien angeschrieben, geprüft würden noch 30 Fälle. Die betroffenen Kinder und jungen Frauen sollen zwischen zehn und 18 Jahre alt sein.

Der TSV war an den Ermittlungsarbeiten intensiv beteiligt. Die Einrad-Abteilungsleitung musste die Filme sichten. Dabei geht es laut Kramer um „massenhaft Material, bestimmt 400 Stunden“. Tragischerweise sei die Abteilungsleiterin auch persönlich betroffen: Bei einer Reise nach Montreal 2014 zur Einrad-Weltmeisterschaft soll der 44-Jährige auch diese und ihre Töchter in einer Wohnung aufgenommen haben. Gegenüber unserer Zeitung wollte sich die Abteilungsleiterin am Freitag nicht äußern. Nur so viel: „Es ist furchtbar.“

„Wir tun alles, um so etwas zu verhindern. Aber es lässt sich offensichtlich nie ausschließen“, sagt Kramer betroffen. Alle Trainer und Übungsleiter müssten alle zwei Jahre ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. „Dabei würde das alles vier Jahre reichen.“ Sportler, Eltern und Betreuer seien angehalten, verdächtige Beobachtungen zu melden und aufeinander aufzupassen. „Aber wenn jemand vorher nicht aufgefallen ist und wenn nichts vorgefallen ist, nutzt auch ein Führungszeugnis nichts.“

Nicht der erste Fall in Gilching


Es ist nicht das erste Mal, dass der TSV Erfahrungen dieser Art macht. Ungern denk Kramer an einen Fall vor zwei Jahren zurück. Damals trennte man sich von einem laut Führungszeugnis unbescholtenen Rhönrad-Trainer, der daheim jedoch auf schlimmste Weise seine Familie misshandelte – und dafür auch ins Gefängnis kam. Vereinsmitglieder waren jedoch nicht betroffen. Das ist dieses Mal anders.

Für Kramer gibt es aber auch einen kleinen Trost: „Offensichtlich hat der Trainer das Material nur für sich genutzt und nichts ins Internet gestellt.“ Es gebe auch keine Anhaltspunkte für körperliche Übergriffe. Die Ermittlungen dauern an.

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