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Podiumsdiskussion: Auf Kritik rasch reagiert

Tutzing - Schwer auszumachen waren zeitweise die inhaltlichen Unterschiede bei den Tutzinger Bürgermeisterkandidaten, als sie auf Einladung des Starnberger Merkur mit den Bürgern diskutierten. Aber eine schnelle Reaktion gab es bereits.

Das dürfte rekordverdächtig sein: Am Tag nach der von unserer Zeitung veranstalteten Podiumsdiskussion der drei Tutzinger Bürgermeisterkandidaten reagierte Rathauschef Dr. Stephan Wanner sofort auf einen der angesprochenen Kritikpunkte. Der Geschäftsmann Josef Thallmair hatte am Donnerstag vor Gefahren an der Ausfahrt aus dem neuen Einkaufszentrum Tengelmann/Aldi in Verbindung mit der viel befahrenen Lindemann- und der Bräuhausstraße gegenüber gewarnt. Wanner sagte er eine Prüfung zu. Gestern schob der Bürgermeister eine Presseerklärung nach: Die Gemeinde werde gemeinsam mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim eine Lösung finden.

Bilder der Podiumsdiskussion

Podiumsdiskussion in Tutzing

Über die Menge des Verkehrs mache man sich oft erst Gedanken, wenn die Leute gefährdet seien, folgerte der ÖDP-Bürgermeisterkandidat Rudolf Krug. Es war eine von vielen eher allgemein gehaltenen Bemerkungen, in die kritische Ansätze verpackt wurden. Obwohl es an brisanten Themen nicht fehlte, verlief der Abend weitgehend harmonisch. Doch oft wurde nur allzu deutlich, dass für zentrale Probleme kaum einer Patentrezepte kennt.

„Ich sehe gar nicht so große Unterschiede zwischen den Kandidaten“: Dieses Fazit zog Moderator Stephan Müller-Wendlandt, Redaktionsleiter des Starnberger Merkur, gegen Ende. Eine Wahlhilfe versuchte er den Tutzinger Bürgern durch eine letzte Frage zu verschaffen: Weshalb Tutzing einen Wechsel brauche, wollte er wissen - oder warum es der bisherige Bürgermeister verdient habe, im Amt zu bleiben. Aber auch da blieben die Wogen geglättet. Stephan Wanner warb um eine zweite Amtszeit, um Begonnenes fortführen zu können. Die CSU-Bewerberin Stefanie von Winning glaubt mit guter Moderation von Prozessen und überparteilicher Lösungssuche vorankommen zu können. Und ÖDP-Kandidat Krug sah nach 20-jähriger unternehmerischer Tätigkeit das Projektmanagement als sein „täglich Brot“. Gegenseitige Vorwürfe aber blieben aus. Die Bewerber schonten sich.

Mehr Kritik kam von Seiten der weit mehr als 250 Besucher, von denen viele im Roncallihaus mit einem Stehplatz vorlieb nehmen mussten. Viel Zeit nahm der Verkehr in Anspruch. Für eine wieder geforderte neue Durchfahrt zur Bundesstraße 2 sehen alle Kandidaten Probleme wegen des Landschaftsschutzes. Auch für eine neue Straße westlich entlang der Bahngleise von der Elly-Ney-Straße nach Garatshausen werden Schwierigkeiten gesehen.

„Die Hauptstraße ist der Horror schlechthin“, sagte Thallmair unter Beifall. Beklagt wurde ein „Tutzinger Parkverbotssystem“. Wegen zum Teil ungenügender Parkflächen bei Bestandsbauten sei die Parkzeit gestaffelt worden, sagte Wanner - hier eine Stunde, dort zwei Stunden. Kritisiert wurde auch die Situation in der engen Unterführung an der Heinrich-Vogl-Straße. Krug sagte, er kämpfe seit fünf Jahren vergeblich für einen Übergang in Tutzing-Nord beim Lidl-Markt. Wanner verwies auf Empfehlungen von Polizei und Behörden, die die Gemeinde berücksichtige.

An diesem Punkt kam es zu bemerkenswerten Ausführungen des ehemaligen Starnberger Polizeichefs Norbert Reller, der Gemeinderatskandidat der CSU ist. Er mahnte „etwas mehr Selbstbewusstsein“ an: „Nicht alles entscheidet das Straßenbauamt und das Landratsamt.“ Auch er selbst sehe mittlerweile Manches anders, Querungshilfen für Fußgänger seien notwendig, an der Einmündung der Oskar-Schüler-Straße in die Hauptstraße müsse eine Vollampel installiert werden.

Die Verschönerung des Ortskerns sei versprochen worden, erinnerte Thallmair. Mit 43 Bebauungs- und Flächennutzungsplänen versuche man, die Dinge zu ordnen, erwiderte der parteilose Bürgermeister Dr. Stephan Wanner - doch häufig entscheide das Verwaltungsgericht aufgrund von Einsprüchen. „Verwaltungsgericht heißt nicht, dass wir ausgeliefert sind“, erwiderte ÖDP-Kandidat Krug unter Hinweis auf einen umstrittenen Neubau an der Traubinger Straße, und mit Kritik an der Rathausverwaltung: „Wenn von der Gemeinde niemand dazu kommt, entscheidet der Richter halt - dann rutschen solche Bauten wie hinter Thallmair durch.“ Von Winning sieht aber „auch unterhalb der Bebauung“ viele Potenziale für eine bessere Aufenthaltsqualität, von der Sauberkeit bis zur Bepflanzung.

Zur Energiewende bekannten sich alle drei Kandidaten. Als kritisiert wurde, dass in dieser Hinsicht zu wenig geschehe, widersprach keiner von ihnen. Krug setzte sich für Energiekonzepte in den Ortsteilen, Bürgermodelle und individuelle Maßnahmen ein, auch Wanner plädierte für Entscheidungen auf Gemeindeebene, man dürfe nicht immer „auf Deutschland und Europa warten“.

Die klarste Abgrenzung zwischen den Kandidaten trat beim Dauerbrenner Seehof zu Tage. Während für von Winning und Wanner die Abkehr von der Hotelplanung kaum zu verhindern ist, pochte Krug auf den nach wie vor bestehenden Bebauungsplan, der eine Hotelnutzung vorschreibt. Auch mehrere Bürger wollten nicht verstehen, weshalb ein rechtskräftiger Bebauungsplan nicht durchgesetzt werde. Wanner sagte dazu, wenn der Eigentümer eine bestimmte Bebauung wünsche, müsse sich die Gemeinde mit diesem Wunsch auseinandersetzen. „Stimmt nicht“, entgegnete Krug. Niemand könne die Gemeinde zwingen, den Bebauungsplan zu ändern. Es gebe jedoch zurzeit im Gemeinderat eine Mehrheit für die Wohnbebauung. Hotelbetreiber stünden nicht Schlange, sagte dagegen von Winning. Sie hält deshalb eine Mischung von Wohnen und Gewerbe für richtig, allerdings nicht nach Maximalvorstellungen der Eigentümer. Krug kritisierte, ein Antrag der Freien Wähler, doch noch eine Hotelnutzung zu prüfen, sei nicht behandelt worden. Wanner verwies auf eine für April erwartete Präsentation der Eigentümer zu einem „Boutique-Hotel“ - dann aber wohl im Gegenzug mit noch größerer Wohnbebauung.

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