Die Rotunde der Evangelischen Akademie war Schauplatz des Workshops mit Dr. Auma Obama. Foto: Jaksch

Obama-Schwester begeistert 90 Schüler

Tutzing - Dr. Auma Obama weiß ihr Publikum zu fesseln. Beim Neujahrsempfang der Evangelischen Akademie Tutzing war das so. Und tags drauf bei einem Workshop mit 90 Schülerinnen und Schülern an gleicher Stelle war das nicht anders.

„You are your future - es liegt bei einem selber“. Das ist der Leitspruch von Dr. Auma Obama, ältere Halbschwester des US-Präsidenten. Diesen Satz wollte sie auch gestern an Schüler des Gymnasiums, der Benedictus-Realschule und der Mittelschule in Tutzing weitergeben - es hat geklappt.

Die Germanistin und Soziologin ist in Kenia geboren, hat in Deutschland studiert und ist Gründerin der Jugend-Stiftung Sauti Kuu (Starke Stimmen) in Kenia, die benachteiligten Kindern und Jugendlichen die Chance zu einer guten Persönlichkeitsentwicklung bieten will. Auf drei Dinge achtet Obama dabei besonders: Charakter, Ausbildung und spätere Erwerbsfähigkeit. „Ich nenne das den afrikanischen Stuhl. Das macht Sauti Kuu aus“, erklärt sie. Die Schüler lauschten gebannt. Schnell war ihnen klar geworden, vor ihnen steht eine Frau, die sich für die Jugend einsetzt und sie versteht.

Nicht nur mit Geld, das ist Obama sehr wichtig. „Wir geben nichts umsonst.“ Mit den jungen Leuten arbeiten, sie unterstützen und motivieren, das ist das Ziel von Sauti Kuu. „Die jungen Menschen sollen verstehen, dass sie ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen sollen. Sie merken dann, dass sie viel mehr erreichen können.“ Dazu müsse man das Selbstvertrauen der Kinder stärken. „Bevor man sich als arm definiert, weil man kein Wasser oder nur eine Hütte hat, muss man erkennen, wie viel Land man hat, dass man Eltern hat, die einen unterstützen.“ Eine enge Berliner Wohnung sei nicht unbedingt besser als freie Entfaltungsmöglichkeiten in Kenia. „Es gibt materielle und seelische Armut.“

Für die Tutzinger Schüler hatte sich die 53-Jährige etwas Besonderes ausgedacht. Zunächst schrieb jeder auf die Vorderseite eines Zettels einen Plan A fürs Leben. Der, den die Eltern oder Bekannte für einen wollen und wünschen. Auf die Rückseite kam Plan B, den man selber will. Diesen solle man sehr ernst nehmen, nochmal anschauen, genau überdenken, empfahl Obama. Dann sammelten die Schüler in Gruppen ihre Wünsche und Ängste zum Thema Charakterbildung, Ausbildung und Erwerbsfähigkeit. Es fielen Stichwörter wie Noten, Freiheit, zu hoher Leistungsdruck, Spaß und Geld im Beruf, zu viele Einflüsse von außen, ein schwieriges Schulsystem. Dinge die Obama nur zu gut versteht. „Viel wichtiger als Noten ist Anstrengung. Wenn sie zu 100 % stimmt und ein Vierer rauskommt, ist das okay.“

Auch für die Fragen der Schüler nahm sie sich Zeit. Warum sie die Organisation gegründet habe? „Dazu hat mich mein eigenes Leben sehr bewegt. Ich hatte selber kein Schulgeld, aber jemanden, der mich unterstützt hat, der an mich geglaubt hat.“ Das wolle sie den benachteiligten Kindern jetzt auch ermöglichen. Eine andere Frage beantwortete Obama mit einem Lächeln. Was sie denn an Deutschland so möge? „Ich mag deutsches Brot“. Ein Lachen ging durch den Saal. „Nein, das ist wirklich so.“ Eine ehrliche Antwort - genau so ehrlich, wie Auma Obama halt ist.

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