Sie feierten das 100. Bestehen der Ambulanten Krankenpflege (v.l.): Jutta Witzenhausen-Rommel, Pfarrer Peter Brummer, Schwester Maria Birgit, Schwester Josefa Knab, Geschäftsführer Armin Heil, Rainer Wiesmeier und der Augsburger Bischof Dr. Bertram Meier.
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Sie feierten das 100. Bestehen der Ambulanten Krankenpflege (v.l.): Jutta Witzenhausen-Rommel, Pfarrer Peter Brummer, Schwester Maria Birgit, Schwester Josefa Knab, Geschäftsführer Armin Heil, Rainer Wiesmeier und der Augsburger Bischof Dr. Bertram Meier.

Große Anerkennung bei Festgottesdienst

100 Jahre Ambulante Krankenpflege: Viele Tutzinger ermöglichen „Pflege ohne Stoppuhr“

„Eine Pflege ohne Stoppuhr“: Das war nicht das einzige Kompliment für die Ambulante Krankenpflege, die in Tutzing nun ihr 100-jähriges Bestehen feierte.

Tutzing – Mehrmals brandete in der Pfarrkirche St. Joseph in Tutzing am Sonntag Beifall auf: Applaus für die Ambulante Krankenpflege beim Festgottesdienst zu deren 100-jährigem Bestehen mit Augsburgs Bischof Dr. Bertram Meier. Der Verein sei bei der Gründung „eine sozial innovative und mutige Idee“ gewesen, sagte Schatzmeister Dr. Thomas von Mitschke-Collande.

Innovation zeigte sich auch beim Festgottesdienst: Pfarrer Peter Brummer, der Vorsitzende der Krankenpflege, begrüßte die Mitfeiernden coronabedingt in der Kirche, im Brunnenhof, im Roncallihaus und zu Hause mittels Livestream.

„Vergessen Sie die Pflege nicht“: Das hatte Armin Heil, Geschäftsführer der Krankenpflege, Bischof Meier 2020 nach seiner Amtseinführung gebeten. Daran erinnerte er nun – und wiederholte es. Wegen des Pflegenotstands hat sich Heil schon oft besorgt geäußert. Weiter vertieft wurde dieses Thema am Sonntag nicht. Heil äußerte Anerkennung für den Vorstand, weitere Unterstützer und alle Mitarbeiter. Beispielhaft erwähnte er die stellvertretende Geschäftsführerin Lizzy Stellwag, die seit 36 Jahren dabei ist. Jeder zehnte Tutzinger Haushalt ist laut Mitschke-Collande Mitglied des Vereins. Jahr für Jahr Beiträge und Spenden in sechsstelliger Höhe ermöglichten Pflege „ohne Stoppuhr in der Hand“. Schwester Josefa Knab sei mit ihrer jahrzehntelangen Tätigkeit als „Engel von Tutzing“ zum „Gütesiegel und Markenzeichen“ geworden, sagte Bischof Meier.

Schwester Josefa, die heuer 100 Jahre alt wird, war unter den Ehrengästen, ebenso wie Heils Vorgängerin Schwester Maria Birgit Baur, Vertreter der evangelischen Kirche, der Missionsbenediktinerinnen, die die Krankenpflege mitgegründet haben, und der Gemeinde. Koalitionen von Kirche und Kommune gebe es auch heute noch, freute sich der Bischof. Da zeige sich, dass „der konkrete Mensch“ Vorfahrt habe. Diesen Gedanken griff auch Bürgermeisterin Marlene Greinwald auf: „Das Wichtigste ist das Menschliche – das haben wir in Tutzing.“ Sie sprach von einer „wunderbaren Symbiose“. Auch auf das Thema Sterbehilfe ging Bischof Meier ein. Im Bundestag werde schon über „assistierten Suizid“ debattiert. „Unsere Verantwortung für Hochbetagte und Todgeweihte kann sich nicht in moralischen Appellen erschöpfen“, sagte er. Ethik sei wichtig, aber: „Es müssen Taten folgen.“ Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Waltraud Brod wünschte, der Bischof möge mitwirken, „festgefahrene hierarchische Strukturen in der Kirche aufzulösen“. Er selbst sagte dazu, in Deutschland wollten die einen bremsen, die anderen Schritte setzen, die in Rom unter Umständen negativ quittiert würden. Dabei verwies er auf die Kritik am „Responsum ad dubium“, mit dem der Vatikan Segnungen homosexueller Paare abgelehnt hat. Er versuche nicht den Weg der Mittelmäßigkeit, fügte er hinzu, sondern den Weg einer guten Mitte zu gehen.

Lorenz Goslich

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