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Alles andere als leer ist es dieser Tage in einem Tutzinger Kindergarten (Symbolfoto)

Kindergärten in Corona-Zeiten

12 Kinder gleichzeitig in Notbetreuung: Tutzinger Pfarrerin übt Kritik

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Die evangelische Pfarrerin Beate Frankenberger sorgt sich um die Erzieherinnen im kirchlichen Kindergarten „Arche Noah“ in Tutzing. In einem Brief an die Redaktion des Starnberger Merkur kritisiert sie die seit Montag geltende Ausweitung der Notbetreuung – sprich die Voraussetzung, dass statt bisher beide nur noch ein Elternteil systemrelevant arbeitstätig sein muss.

Tutzing/Pöcking „Damit widerspricht das bayerische Sozialministerium den zuvor beschlossenen Schutzmaßnahmen. Denn nun werden die Gruppen für die Notbetreuung zwangsweise größer“, schreibt Frankenberger.

Im Arche-Noah-Kindergarten hätten am Dienstag zwölf Kinder notbetreut werden müssen. Frankenberger: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum es für den nicht systemrelevanten Elternteil nicht möglich ist, die Kinder zu Hause zu betreuen, wie es in allen anderen Familien auch ist.“ Das Ministerium gefährde die Sicherheit der Pflegerinnen und Erzieherinnen, die zum Teil selbst zu Hause Menschen aus Risikogruppen betreuten. Außerdem werde auch für die Kinder und für deren Angehörige das Risiko breiter gestreut. Das Fazit der Pfarrerin: „Ich kann diese Anordnung nicht mit gutem Gewissen umsetzen.“

Die bisherigen Anordnungen – vom Betretungsverbot für Kindergärten bis zur Notbetreuung – habe sie nachvollziehen können. Die angesprochene Ausweitung gilt nach einem Beschluss der Bayerischen Staatsregierung am Wochenende seit Montag: Erziehungsberechtigte dürfen die Notbetreuung in Anspruch nehmen, wenn ein Elternteil im Bereich Gesundheitsversorgung oder Pflege arbeitet.

Wer arbeitet in der „kritischen Infrastruktur“?

Die Rede ist auch vom Bereich der „kritischen Infrastruktur“ – dazu gehören zum Beispiel auch Rettungsdienst, Feuerwehr, Altenpflege, Behindertenhilfe, Medien, Verkehrsbetriebe, Energie- und Wasserversorger, die „kindeswohlsichernde Kinder- und Jugendhilfe“ oder Telekommunikationsdienste. Eine Übersicht über die Berufsgruppen sind auf der Internetseite des Sozialministeriums unter www.stmas.bayern.de/coronavirus-info zu finden.

Auch die Gemeinde Pöcking, die selbst einen Kindergarten betreibt, stellte das Thema Notbetreuung zuletzt vor Probleme – bis eine Lösung gefunden wurde. Das Kita-Personal hatte sich zunächst aus Gesundheitsbedenken geweigert. Die Gemeinde leistete anschließend Überzeugungsarbeit. Nun gibt es einen Pool von fünf Erzieherinnen, die sich um Kinder von Eltern kümmern, die in der kritischen Infrastruktur beschäftigt sind. 

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