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300 Menschen demonstrieren für ein Miteinander, für Frieden und Gerechtigkeit: Zum vierten Mal gingen die Tutzinger mit Kerzen auf die Straße.

Lichterkette in Tutzing

„Das Große beginnt im Kleinen“

Rund 300 Menschen haben an der vierten Tutzinger Lichterkette für Frieden und Gerechtigkeit teilgenommen. Sie war gleichzeitig der erste große öffentliche Auftritt der neuen Bürgermeisterin Marlene Greinwald.

Tutzing – Lückenlos war sie nicht: Die vierte Lichterkette für Frieden und Gerechtigkeit in Tutzing zog am Mittwoch zwar etwa 300 Menschen an. Nach dem Start vor der katholischen Kirche bildeten sich die Kette streckenweise recht gut bis zur evangelischen Kirche, wo deren Chor schon wartete. Doch dann gingen viele weiter zum Rathaus – auf der Hörmannstraße blieb die Kette unvollendet.

Am Rathaus hatte die neue Bürgermeisterin Marlene Greinwald ihren ersten großen öffentlichen Auftritt. Sie dankte den Mitorganisatoren – Pfarrgemeinden, Akademien und Schulen – und sagte: „Das Große beginnt im Kleinen, und es ist mein Ziel, den Zusammenhalt weiter zu stärken.“ Das bedeute nicht, dass alle immer einer Meinung sein müssten – aber fairer Umgang miteinander sei wichtig.

Tutzings Altbürgermeister Dr. Alfred Leclaire äußerte er sich zu Beginn vor der Kirche St. Joseph stolz darüber, dass sich Deutschland in ein europäisch-überstaatliches System von Institutionen und Regeln eingeordnet habe, die wirksam gewährleisteten, dass die Europäer seit 73 Jahren in Frieden leben dürften: „Unserem Denken ist die Abgrenzung gegenüber Menschen fremd, die aus anderen Ländern zu uns kommen.“ Die Lichterkette sei kein Protest „gegen“, sondern „für“ etwas, betonte der katholische Pfarrer Peter Brummer. Und Udo Hahn, der Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, war sich sicher: „Wachsende kulturelle Vielfalt schwächt das gemeinschaftliche Miteinander nicht.“

„We are the world“ hatten gleich zu Beginn zwei Chöre, einer von der Realschule und die „Blue Notes“, in vollem Sound gesungen. Pfarrer Brummer freute sich besonders über viele junge Teilnehmer. Für sie brachte Anna-Maria Stöckerl konkrete Wünsche vor, darunter Bildungs-, Arbeits- und Wohnmöglichkeiten im Ort, mitreden können und gehört werden. In Tutzing leben Menschen aus mehr als 100 Nationen, sagte Brummer.

Aufmerksam wurde ein persönlicher Fall verfolgt: Der Senegalese Sada Ndour hat die mündliche Verkäufer-Prüfung bestanden, erzählte sichtlich erfreut Uli Pötzl, in dessen Bio-Markt der Afrikaner eine dreijährige Ausbildung absolviert hat. Die schriftliche Abschlussprüfung hat der 38-Jährige noch nicht geschafft, wie er später gegenüber dem Starnberger Merkur sagte. Aber er will sie bald wiederholen. Vor fünf Jahren war Sada Ndour einer der ersten Flüchtlinge im Tutzinger Ortsteil Kampberg gewesen. Heute lebt er in Starnberger Containern. Aber er ist nur geduldet – ein Status für immer nur drei Monate.

Die evangelische Pfarrerin Dorothee Geißlinger-Henckel, Sada Ndour und Martin Held, langjähriger Studienleiter der Evangelischen Akademie in Tutzing, brachten es vor der evangelischen Kirche in Gebetform gleich dreisprachig auf den Punkt: „Gemeinsam wollen wir uns besser verstehen lernen.“

Lorenz Goslich

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