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Die Tutzinger Abiturienten: Ein Viertel von ihnen hat auf dem Abi-Zeugnis eine Eins vor dem Komma. 

Gymnasium Tutzing

Aufs eigene Urteil vertrauen, nicht aufs Smartphone

Gymnasialdirektor Bruno Habersetzer war durchaus zufrieden mit dem Abitur-Jahrgang 2017: Von 81 zur Reifeprüfung angetretenen Kandidaten hatten es diesmal 77 geschafft, darunter 20 mit einer Eins vor dem Komma.

Tutzing – Eine der drei Jahrgangsbesten mit einem Notenschnitt von 1,2 unterzieht sich demnächst sogar der Hochbegabten-Prüfung eines bayerischen Elite-Förderprogramms. Ansonsten meldete der Schulleiter: „Keine besonderen Vorkommnisse.“

Dass vier der Prüflinge heuer vor allem im Kernfach Deutsch in die mündliche Nachprüfung mussten, um ihr Reifezeugnis zu erlangen, beschäftigte Habersetzer, selber Lehrer in einigen Sprachfächern, dennoch ein bisschen: „Die Schüler hatten es beim schriftlichen Deutsch-Abitur diesmal unter anderem. mit einem romantischen Gedicht von Gottfried Keller zu tun. Darin kam die Zeile vor ,An den Ästen klomm die Nix herauf / Schaute durch das grüne Eis empor..‘. – ein paar Prüflinge haben die Nix dann erstaunlicherweise als ,Nichts‘ interpretiert“, erzählte Habersetzer schmunzelnd.

Die Schüler hatten dazu quasi das passende Motto für ihre Abi-Feier gewählt: „Mehr Dichter als Denker“. Bei der festlichen Zeugnisvergabe in der TSV-Halle – wie immer waren ein Gottesdienst sowie ein Sektempfang am gymnasi-umseigenen Monopteros vorausgegangen – nahm sich der Direktor in seiner Abiturrede dann den Begriff des „Wahren“ vor und gab den Schulabgängern drei Empfehlungen mit auf den Weg: „1. Nutzen Sie Ihre eigene Urteilskraft, stürzen Sie sich nicht mit dem Smartphone ins Netz. 2. Wenden Sie bei der Suche nach der Wahrheit das an, was Sie im Deutsch-Unterricht gelernt haben und machen Sie eine Erörterung. 3. Nähern Sie sich der Wahrheit im Dialog, im respektvollen Gedankenaustausch!“

Ehe Habersetzer ziemlich ernsthaft und Julius Greiml im Namen der Schülerschaft mit einigem Witz gesprochen hatte („Wie kann es gelingen, Schüler in einer Anstalt aus dem vorigen Jahrhundert mit Methoden aus dem Mittelalter auf die Zukunft vorzubereiten?“), lockerte schon der Vorsitzende des Fördervereins Gymnasium Tutzing, Claus Piesch, den Abend mit einer launigen Rede auf: Gewandet in eine Art Diener-Livree mit Zopf-Perücke à la Mozart, ließ er ein „typisches“ Schuljahr noch einmal Revue passieren. Mit passender Musikeinspielung: für die Schüler „We don’t want no education“ (Pink Floyd: „Wir wollen keine Erziehung“), für die erleichterten Eltern: „Freiheit ist das einzige was zählt“ (Marius Müller-Westernhagen).

Dann gab es endlich die Reifezeugnisse aus der Hand des Direktors, den Auftritt der Abiturienten auf neuem roten Teppich und zu individuellem Sound sowie das von Timo Grüneckers Team organisierte Bankettmenü. 

Thomas Lochte

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